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91 Zentimeter sind zu wenig für einen Gehweg - die Situation soll sich deshalb ändern.

Anbau an Gaststätte

Vis á Vis kämpft um Pergola

Starnberg – Im Streit um den Anbau vor seiner Gaststätte muss Vis-á-Vis-Betreiber Neumaier bis Jahresende eine Lösung vorlegen, will er dem Abriss vorbeugen.

Neun Monate sind viel Zeit. Eigentlich. Denn Andreas Neumaier droht selbige davonzurennen. Der Inhaber des Vis á Vis am Starnberger Bahnhofplatz darf seine umstrittene Pergola bis zum 1. Januar 2017 stehen lassen. Dann muss er den Anbau, den er 2012 ohne Bauantrag errichtet hatte, auf Anordnung des Landratsamts abbauen und auf die 40 Besucherplätze verzichten. Das ist keine Lösung, wie Neumaier klarstellt: „Ich zahle ganz viel Pacht. Der Anbau ist lebensnotwendig.“ Deshalb will er bis zum Ablauf der Frist einen Kompromiss erzielen. Die Frist gibt es wegen eines Vergleichs, der vor dem Verwaltungsgericht erzielt wurde. 

Betreiber sucht Gespräch mit der Stadt - die sieht keinen Bedarf

Das Landratsamt hatte Mitte 2014 die Beseitigung des 40 Quadratmeter großen Anbaus angeordnet. Neumaier klagte und hat nun etwas mehr Zeit. Der größte Streitpunkt in dem seit zweieinhalb Jahren andauernden Hin und Her zwischen Neumaier, Landratsamt und Stadt ist der Gehweg. Der Anbau ragt vier Meter vom Gebäude weg und begrenzt den Gehweg auf 91 Zentimeter. Zu wenig, als dass sich Fußgänger begegnen könnten, Kinderwagen oder Rollstühle hindurchpassten. Deshalb möchte Neumaier in einem neuen Bauantrag zwei Meter Gehwegbreite einplanen. „Schweren Herzens“, wie er sagt. „Dadurch verliere ich 25 Plätze. Das ist viel für mich.“ Bis zu 7000 Euro würde es ihn kosten, einen Meter der Pergola rückzubauen. 

Was die Stadt von seiner Lösung hält, weiß er nicht. „Ich habe es ein paar Mal versucht, man gibt mir keinen Termin. Anscheinend will man das nicht.“ Die Stadt sieht keinen Bedarf für weitere Gespräche, wie Sprecherin Lena Choi erklärt: „Diese sind bei hinreichend geklärter Sachlage nicht mehr notwendig.“ Es habe schon mehrere Beratungsgespräche zwischen Bauverwaltung und Neumaier gegeben. Seitens der Stadt gibt es eine klare Vorstellung, wie die Fläche vor dem Vis à Vis aussehen soll: „Mit einem klaren Abschluss ohne störende Vorsprünge und zum Bahnhofsplatz eine großzügig bemessene und ansprechend gestaltete Freifläche. Der Anbau steht diesen Zielen entgegen.“ Es handele sich um einen „Schwarzbau“, der „außerhalb der im Bebauungsplan festgelegten Grenzen liegt“. 

Neumaier gibt zu: Anbau ohne Antrag "war ein Fehler mir"

Neumaier möchte „in den nächsten drei Monaten“ einen Antrag stellen. Dieser wird vom städtischen Bauausschuss geprüft und geht dann mit oder ohne Zustimmung in das Kreisbauamt, das die finale Entscheidung trifft. „Ich hoffe, dass es akzeptiert wird und nicht immer stur nach Vorschrift gehandelt wird“, sagt Neumaier. Doch genau die Vorschrift ist der Stadt ein Dorn im Auge. Diese fürchtet „mögliche Nachahmer“, sollte eine Ausnahme genehmigt werden. Es entstehe „eine rechtliche Bindung, vergleichbare Fälle ebenso handhaben zu müssen“. 

Neumaier aber kann nicht ohne Pergola: „Draußen ist total die Wetterseite, da fliegt einem alles weg. Und das Lokal drinnen ist zu klein.“ Das wusste Neumaier bei der Geschäftsübernahme – und errichtete trotzdem den Anbau ohne Antrag. Er gibt zu: „Es war ein Fehler von mir.“ Die Pergola-Firma „hat mir gesagt, ich brauche keinen Bauantrag. Da war ich leider Gottes etwas blauäugig“. Die Stadt kritisiert sein Vorgehen. Dieses „zeugt von einer ausgeprägten Rücksichtslosigkeit, da der verbleibende Gehweg unzumutbar eingeschränkt wird.“ Neumaier betont, er habe per Unterschriftenliste mittlerweile 1500 Unterstützer hinter sich. „Da kann die Stadt nicht so drüber hinwegschauen.“

Von Sebastian Raviol

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