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Sie bleiben auf ihrer Reise in Starnberg hängen und kommen trotz aller Versuche „aus diesem Kaff“ lange nicht weg: Annick Hess-Vincon (l.) als Freiheitsstatue und Waltraud Beigel als Bavaria.

Premiere

Kasbrettl meldet sich furios zurück: So nahm das Kabarett Starnberg auf die Schippe 

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Zwei Jahre nach der bislang letzten Inszenierung ist das Kasbrettl zurück. „Libertas Bavariae“ heißt das neue Stück des Kabaretts der Kolpingsfamilie Starnberg. Von den Premierengästen gab es am Donnerstagabend viel Applaus.

Starnberg – Die eine hat die Nase gestrichen voll. „Oh mein Bayern, was ist bloß aus dir geworden?“, stöhnt die Bavaria (wunderbar boarisch-gschert: Waltraud Beigel) über den ewiggleichen Anblick der besoffenen Wiesn-Gäste und beschließt, auf Weltreise zu gehen. Die andere ist von „diesem blöden blonden Trampel“ rausgeschmissen worden aus New York und mit dem Flieger in Oberpfaffenhofen gelandet: „Der einzige Weltraumbahnhof, der frei war“, haucht Miss Liberty, die Freiheitsstatue (herrlich französisch: Annick Hess-Vincon). Und jetzt sitzen sie da am Bahnhof See in Starnberg und fragen sich, was an dieser Stadt eigentlich so schön sein soll.

Die beiden Fleisch gewordenen Statuen sind die Ankerpunkte des neuen Stücks des Kasbrettls. „Libertas Bavariae“ heißt die mit Pausen gut zweistündige Inszenierung des elfköpfigen Ensembles – und die bekam vom Premierenpublikum am Donnerstagabend im katholischen Pfarrzentrum lang anhaltenden und verdienten Beifall.

Dr. Toni Beigel ist am 1. April im Alter von nur 55 Jahren gestorben. Ihm ist das Stück gewidmet.

Zehn Wochen haben die Autoren Jochen Friedrich, Stephan Weinl, Andreas Weger, Bernhard Gawinski, Alexander Decker, Florian Wagner und Thomas Beigel an Texten und Liedern geschrieben. Herausgekommen ist ein äußerst kurzweiliges Potpourri an Szenen, die nirgendwo so gut passen wie in Starnberg – und eine Aneinanderreihung grandioser Lieder, bei denen die Musiker Thomas Beigel, Florian Wagner, Stephan Weinl (großartig seine Einlagen mit dem Kazoo) und Alexander Decker über sich hinauswachsen. Als Rampensau erster Güte entpuppt sich dabei Florian Wagner, der erstmals beim Kasbrettl auf der Bühne steht.

Das Motto: „Gern im Stau – mi’m MVV.“

Und wenn Wagner, Weinl und Beigel als „Die Drei von der Tankstelle“ das große Finale bestreiten, bleibt im Saal kein Auge trocken. Im Blaumann und mit reichlich Bier versorgt, machen sie Stinke-Diesel mit Harnstoff umweltgerecht. Zwischendrin lässt sich zur Melodie des Andreas-Gabalier-Hits „Hulapalu“ ganz wunderbar über Alltagsradler herziehen. Der öffentliche Verkehr in Starnberg war bereits vorher an der Reihe. In „Route nine-zero-one“ nimmt die Truppe im Stadtbus Platz, pardon im „Kasbrettl-Express“ natürlich. Motto: „Gern im Stau – mi’m MVV.“ Und mit einem herrlich übellaunigen Jochen Friedrich als Schaffner.

Die stinkreiche Neustarnbergerin (Anita Baumer) versucht, in „Bares für Rares“ händeringend und geldschwingend Handwerker zu finden. „Ich scheiß sie zu mit meinem Geld“, flötet sie energisch ins Publikum. Bernhard Gawinski versucht sich großartig als „Pazifist“, der seine Grundeinstellung auf dem Sattel eines E-Radls den Herzogstand rauf komplett verliert. Sein Fett weg bekommt der Hausherr, Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall, dessen, naja, eher schwach ausgeprägten Sangeskünste „Katholik“ Alexander Decker öffentlich macht. Und die Bürgermeisterin? Wie es sich fürs Kasbrettl gehört, nehmen die Protagonisten Eva John natürlich auch aufs Korn. „Köpferl im Sand“ heißt das dazugehörige Lied – „mir geht’s gut, bei den andren kocht die Wut“.

Schön, dass das Kasbrettl wieder da ist. Und schön, dass es im Programmheft des verstorbenen Toni Beigel gedenkt. Das langjährige Mitglied des Kabaretts ist am 1. April im Alter von 55 Jahren verstorben. „Lieber Toni, dieses Kasbrettl spielen wir für dich. Du warst immer ein Teil davon und dafür danken wir dir ... und erwarten natürlich, dass du auch in Zukunft zuschaust“, heißt es im Heft. Er hätte am fulminanten „Libertas Bavariae“ seine Freude.

Weitere Aufführungen

sind am 18., 24., 25., 26., 29., 30. und 31. Mai sowie am 1. Juni im Pfarrzentrum (Mühlbergstraße 6). Einlass ist jeweils um 19.15 Uhr, Beginn um 20 Uhr. Karten unter www.kasbrettl.de.

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