Lange Schlangen wie beim ersten Impftag des Landratsamtes im April, wird es wohl auch bei der zweiten Auflage am kommenden Samstag, 20. November, geben. Die Kapazitäten sind auf 500 Impfungen begrenzt.
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Lange Schlangen wie beim ersten Impftag des Landratsamtes im April, wird es wohl auch bei der zweiten Auflage am kommenden Samstag, 20. November, geben. Die Kapazitäten sind auf 500 Impfungen begrenzt.

„Der normale Bürger ist am Ende der Depp“

„Keiner kommt mehr klar“: Riesen-Andrang auf Booster-Impfung sorgt für großen Frust - Einschränkung bei Impftag

  • Simon Nutzinger
    VonSimon Nutzinger
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Immer mehr Leute brauchen und wollen die Booster-Impfung. Doch gibt es rund um den dritten Pieks einige ungeklärte Fragen. Das sorgt für Ärger - bei Patienten und Ärzten.

Update Donnerstag, 18. November, 18 Uhr: Beim Sonderimpftag am Samstag, fürchtet Landrat Stefan Frey, werde das Landratsamt überrannt, und zwar nicht nur von Landkreisbürgern. Impfwillige kämen auch aus anderen Kreisen, sagte Frey am Donnerstag im Kreisausschuss unter Hinweis auf Anrufe bei der Corona-Hotline. Angesichts der hohen Fallzahlen „wachen die Leute jetzt auf“. Da eine Impfaktion in Gilching von rund 500 Impfwilligen überrannt wurde, zog der Kreis am Donnerstagabend die Notbremse. Am Samstag werden alle Altersgruppen erstgeimpft sowie bei weiteren Impfungen, auch Booster, nur Personen ab 70 Jahren, erklärte Kreissprecher Stefan Diebl.

Landkreis - Der Ansturm Impfwilliger auf die sogenannte Booster-Impfung wächst, bei Arztpraxen gibt es bereits Wartezeiten. Der Landkreis fährt die Kapazitäten der Impfzentren hoch, was allerdings einige Zeit dauert. Und auch beim Sonderimpftag am kommenden Samstag, 20. November, im Landratsamt sind die Kapazitäten begrenzt.

Booster-Impfung: Arztpraxen völlig überlastet - lange Wartezeiten

Einer der Menschen im Landkreis, die aktuell sehnlichst auf ihre dritte Spritze warten, ist Josef Fischer. Der 83-Jährige aus Herrsching erhielt seine zweite Impfung Ende Mai. Als er nun vor wenigen Wochen bei seinem Hausarzt nachfragte, wie es denn mit einem baldigen Termin für die Booster-Impfung aussehe, war er von dessen Antwort geschockt. „Er hat gesagt, ich hätte mich im Sommer schon dafür anmelden müssen. Er sei völlig überlastet und könne mir vorerst nichts anbieten.“ Eine ähnliche Aussage erhielt er von den Mitarbeitern des Starnberger Impfzentrums. Fischer betont: „Ich bin vollkommen ratlos.“

Wartezeit für Booster-Impfung: Mann fürchtet um seine Gesundheit - „Habe einfach Angst“

Dem Herrschinger geht es bei der Sache um nicht weniger als seine Gesundheit. Oder um es drastischer auszudrücken: um sein Leben. „Ich habe einfach Angst“, stellt er klar. Wie grausam und mit welcher Unbarmherzigkeit das Virus zuschlagen kann, hat er bereits im engsten Umfeld erfahren müssen. Sein Bruder, nur ein Jahr jünger als Josef Fischer, starb im abgelaufenen Jahr an den Folgen einer Corona-Erkrankung. „Das lässt dich vermutlich noch einmal anders auf das Thema blicken“, sagt er. In seinem Alter und einer Vorerkrankung am Herzen zählt er selbst zur Gruppe der Risikopatienten. „Da willst du nicht ungeschützt durch die Gegend laufen.“

Booster-Impfung: Arzt schlägt Alarm - „Wir sind einfach am Limit“

Volles Verständnis für Sorgen wie diese hat Dr. Markus von Rebay. Jedoch bekräftigt der Internist aus Gilching das Bild der bis zum Anschlag unter Strom stehenden Arztpraxen. „Es kommt doch keiner mehr klar“, sagt er. „Das Telefon klingelt von früh bis spät, alle Mitarbeiter arbeiten ohne Pause – wir sind einfach am Limit.“

Allein gestern verteilte er quasi spontan 60 Impfungen, um dem Bedarf zumindest im Ansatz gerecht zu werden. „Und das zwischen meiner eigentlichen Arbeit als Internist.“ Lange gehe das aber nicht mehr gut, da ist von Rebay sicher. „Wenn die Politik nicht endlich handelt, fliegt uns dieses System krachend um die Ohren.“

Booster-Impfung: „Jens Spahn ist natürlich geimpft – aber der normale Bürger ist am Ende der Depp“

Für Josef Fischer ist vorerst also Warten angesagt. So lange er keinen Termin für die Boosterimpfung hat, will er sich weitestgehend in seinem Landhaus mit großem Garten abschotten. „Solange meine Vorräte reichen, gehe ich nicht einmal zum Einkaufen.“ Von der Politik fühlt er sich links liegen gelassen. „Ein Jens Spahn ist natürlich geimpft – aber der normale Bürger ist am Ende der Depp.“ Dies entspreche nicht seinem Verständnis von Regierungsverantwortung. „Es ist einfach traurig, dass der Staat seine Menschen nicht ordentlich schützt.“

Neben dem Impfzentrum in Gauting hat das BRK derweil seit dieser Woche die Außenstelle in Herrsching (Gewerbestraße 5) wieder in den Regelbetrieb genommen. Heißt: Impfen mit und ohne Termin ist an den meisten Tagen von 10 bis 11.45 Uhr und von 13 bis 16.45 Uhr möglich – außer es gibt Sonderaktionen wie morgen, Donnerstag, im Gilchinger Rathaus (13 bis 18 Uhr). In den kommenden Wochen ist die Außenstelle außer am Wochenende fast immer offen. Termine kann man sich auch telefonisch holen unter (0 81 51) 26 02 26 02 (Montag bis Samstag 8.30 bis 17 Uhr).

Corona-Impfung: Landkreis Starnberg organisiert Sonderimpftag

Der Landkreis will, sagte dessen Sprecher Stefan Diebl gestern auf Anfrage, auch die Außenstelle in Feldafing wieder in Betrieb nehmen – der Antrag an die Bundeswehr ist bereits abgeschickt. Die anderen Außenstellen könnten später ebenso folgen. Der Kreis wird die Kapazitäten seiner Impfzentren bis Mitte Dezember wieder auf rund 2700 Impfungen die Woche hochfahren, was aber zusätzliches Personal erfordert.

„Und das dauert“, sagte Diebl. Die bayerische Impfstrategie sieht generell vor, dass Haus- und Fachärzte erste Ansprechpartner seien, die Impfzentren eine Ergänzung. Der Ansturm dort ist schon erheblich und wird steigen, da der Freistaat die Auffrischungsimpfung (Booster) ab fünf Monaten nach der zweiten Dosis erlaubt.

Der Landkreis organisiert für kommenden Samstag, 20. November, von 10 bis 16 Uhr einen Sonderimpftag im Landratsamt. Mobile Impfteams bieten dabei im Landratsamt Erst-, Zweit-, sowie Boosterimpfungen an. Letztere werde entsprechend dem Kabinettsbeschlusse frühestens nach fünf Monaten verabreicht. Geimpft wird ab zwölf Jahren. Kinder- und Jugendliche von zwölf bis 17 Jahren müssen von einem Erziehungsberechtigten begleitet werden.

Ausgelegt ist der Sonderimpftag auf maximal 500 Impfungen. Es könne in den Impfzentren bzw. bei den mobilen Impfaktionen durchaus zu Wartezeiten kommen. „Bitte lassen Sie sich impfen beziehungsweise die Impfung auffrischen“, appellierte Landrat Stefan Frey. „Was mich in hohem Maße besorgt, ist die Lage in unseren Kliniken. Dort ist die Situation sehr ernst, derzeit kaum noch ein Intensivbett frei.“

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