Ein Schulkind aus Bayern hat wegen der Corona-Pandemie einen Corona-Schnelltest gemacht. Der Covid-19 Antigen-Testkit (Schnelltest) zum Eigentest zeigt hier ein negatives Testergebnis an.
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Schüler müssen sich in Schulen selbst regelmäßig auf das Coronavirus testen.

Zahlen sprechen deutliche Sprache

Kinder und Jugendliche als Pandemietreiber? Wenn sich das Virus in die Familie schleicht

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die Inzidenzwerte bei Kindern und Jugendlichen sind auch im Landkreis auffallend hoch. Gesundheitsamtsleiter Dr. Lorenz Schröfl und Ärztlicher Koordinator Dr. Bernhard Junge-Hülsing haben Erklärungen dafür.

Landkreis – Wer die Sieben-Tage-Inzidenz nach Altersgruppen gliedert, bemerkt Aufschlussreiches: Denn bei den Fünf- bis 14-Jährigen liegt sie im Landkreis Starnberg derzeit bei 264 – also deutlich höher als der aktuelle Durchschnittswert von knapp 153. Auch 15- bis 19-Jährige stecken sich im Vergleich zu Älteren deutlich öfter mit dem Virus an – ein bayernweites Phänomen, wie Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Dienstag vermeldete. Sind Kinder und Jugendliche also Pandemietreiber?

„Kindertageseinrichtungen sind auf jeden Fall problematisch“, sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Lorenz Schröfl. „Das Problem: Die Kinder sind asymptomatisch, Schutzmaßnahmen wie Abstand und Maske können natürlich nicht eingehalten werden. Wenn hier ein Virus vorliegt, wird es still und leise übertragen und geht in die Familien.“ Außerdem sieht Schröfl ein politisches Problem: „Schließungsverfügungen greifen nicht, weil die Regelungen zur Notbetreuung, Stichwort Systemrelevanz, so weit gefasst sind, dass faktisch ein normaler Betrieb herrscht.“ Bei den Schulen seien die Regelungen – Wechsel- und Distanzunterricht, verbunden mit Selbsttests – ganz gut. „Es ist festzustellen, dass mit den Selbsttests positive Fälle schnell herausgefiltert werden können.“ Die größte Ansteckungsgefahr, zu dem Schluss kommt Schröfl, liege bei Kindern und Jugendlichen „eindeutig im privaten Bereich“.

Ärztlicher Koordinator: „Jugendliche sind Pandemietreiber, keine Frage“

Dort setzt Dr. Bernhard Junge-Hülsing, der als Ärztlicher Koordinator in der Pandemie fungiert, mit seiner Argumentation an. „Jugendliche sind Pandemietreiber, das ist gar keine Frage“, sagt er. „Sie hängen zusammen rum, halten die Abstände nicht immer ein. Das sieht man doch überall, am See, in der Stadt.“ 40 Prozent der Patienten des Starnberger HNO-Arztes seien unter 18 Jahre alt. Unter ihnen habe er schon viele Corona-Infizierte registriert. Ein Phänomen stellte Junge-Hülsing nun schon öfter fest: „Die Jugendlichen lassen bei mir einen PCR-Test machen, wenn der Selbsttest in der Schule positiv war. Zu diesem Zeitpunkt haben sie meist schon die ganze Familie angesteckt.“ Tückisch sei, dass die jungen Menschen meist nicht krank, aber sehr wohl infektiös sind. Das Testkonzept in den Schulen hält Junge-Hülsing daher für richtig und wichtig: Die Selbsttests hätten Schwachstellen. „Aber durch ihren massenhaften Einsatz findet man Cluster.“

In manchen Bildungseinrichtungen war man vor der Einführung der Testpflicht skeptisch. Wie etwa Rita Menzel-Stuck, Leiterin der Herrschinger Realschule. „Es läuft besser als erwartet. Unsere Befürchtungen, dass die Schüler Schmarrn machen, sind nicht eingetreten“, sagt sie nun. Drei positive Fälle förderten die „Popel-Tests“ bisher zu Tage. „Pandemietreiber? Kann ich so nicht bestätigen“, kommentiert Menzel-Stuck die Zahl. Rund 1000 Schüler gehen auf die Realschule. Vergangene Woche war aber im Wechselunterricht immer nur die Hälfte da. Und seit Montag ist es wegen der Notbremse des Landkreises und um die 1,5-Meter-Abstände zu wahren nur noch die Hälfte der Abschlussklassen. Das Szenario bei einem positiven Test in Herrsching: Das Kind geht in einen extra reservierten Raum und wird dort von einer Lehrkraft betreut, während die Eltern informiert werden, um es abzuholen.

Lutsch-Tests in der Kinderarzt-Praxis

„Hervorragend“ und „absolut unproblematisch“ liefen die Tests bisher, sagt Sylke Wischnevsky, Leiterin des Otto-von-Taube-Gymnasiums in Gauting. Sie sieht in Schulen mit all den Hygienemaßnahmen „keine primäre Ansteckungsgefahr“. „Dass sich Schüler woanders anstecken und das Virus in die Schule bringen können, steht aber auf einem anderen Blatt“, so Wischnevsky.

Einige wenige Eltern von Schülern in Herrsching und Gauting wollen ihre Kinder gar nicht oder nicht in der Schule testen lassen. „Manche bringen einen Nachweis aus dem Testzentrum mit. Diese Möglichkeit bieten wir auch an“, sagt Realschulleiterin Menzel-Stuck. Manche Schüler verzichten ganz auf den Präsenzunterricht.

Ein niedrigschwelliges Angebot bieten etwa die Starnberger Kinder- und Jugendärzte an der Maximilianstraße. Dort können Kinder einen Lutsch-Antigen-Schnelltest machen, „bei dem das Teststäbchen lediglich auf der Zunge zehn Sekunden gelutscht werden muss“, heißt es auf der Homepage.

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