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An vielen Stellen ging es um den Verkehr: Beim Rundgang durch Perchting wurden auch Probleme an der Bushaltestelle diskutiert – etwa kaum nutzbare Ausfahrten, weil der Bus davor steht. 

Bürgerversammlung

Kinderhaus: Perchtinger lehnen Zufahrt ab

Die derzeit geplante Zufahrt zum neuen Kinderhaus in Perchting stößt bei den Perchtingern auf Widerstand. Das wurde bei einem Rundgang deutlich – auch mit anderen Verkehrsfragen sind die Einwohner unzufrieden.

Perchting – Die Jägersbrunner Straße in Perchting ist schmal, hat nur einen Gehweg auf einer Seite, schon heute als Zufahrt zu Sportplatz, Hundesportplatz und Reiterhof viel befahren – trotzdem soll sie die Zufahrt zum neuen Kindergarten werden, der ab Jahresende gebaut wird. Die Perchtinger finden die Idee abwegig. „Was glauben Sie, was hier los ist“, fragte eine Mutter beim Rundgang am Samstag mit Bürgermeisterin Eva John und Stadtbaumeister Stephan Weinl. Das merkten die rund 90 Teilnehmer – ein Zehntel des Ortes – auch so: Während der Debatte am Kindergartenstandort gegenüber dem TSV-Parkplatz musste die Gruppe binnen weniger Minuten mehrmals beiseitetreten, um Autos durchzulassen. Eine Alternative gibt es, die anscheinend am Geld scheitert.

Das neue Kinderhaus soll 75 Plätze in drei Gruppen haben, bis 2020 fertiggestellt werden und weiter von der katholischen Kirche betrieben werden. Die Kosten liegen schon jetzt bei mehr als vier Millionen Euro, dabei ist der Bau nicht einmal unterkellert – aus Kostengründen, wie Weinl erklärte. Als Ergebnis eines Architektenwettbewerbs hatte sich die Stadt für einen eingeschossigen Bau entschieden, der wie drei Einfamilienhäuser wirken soll und damit die bestehende Bebauung am westlichen Ortsrand fortsetzt. Gegen das Kinderhaus haben die Perchtiger nichts, im Gegenteil. Die geplante Zufahrt jedoch lehnen die meisten ab. Die Jägersbrunner Straße sei schon heute schmal, der zu verlängernde Gehweg liege nach Ansicht der Einwohner auf der falschen Seite. Der Reiterhof erweitert gerade, es fließe viel Verkehr zu Hunde- und Sportplatz. Einige Perchtinger rechnen mit 75 Autos am Morgen und zu den Abholzeiten im Kinderhaus. Weinl zog sich Unmut zu, als er empfahl: „Perchtinger Kinder sollten möglichst zu Fuß gehen.“ Denn: Schon heute lassen Eltern ihre Kinder nicht auf diese Straße, weil sie ihnen zu gefährlich erscheint.

Verbreitern lässt sich die Straße faktisch nicht, da auf der Nordseite die Grundstücke des Einheimischenmodells bis an die Straße reichen. Nach Ansicht vieler Perchtinger hat die Stadt damals zu kurz gedacht. Eine Alternative wäre eine Zufahrt von der Kreisstraße Richtung Landstetten, erklärte Weinl, die auch geprüft worden sei. Jedoch seien nicht alle Grundeigentümer zum Verkauf bereit. Das liege wohl auch an den gebotenen Preisen, warfen einige Perchtinger ein. Die Teilnehmer der Bürgerversammlung waren sich einig, dass nur diese Zufahrt Sinn habe. Weinl warnte, das könnte dann eine kleine Umgehung werden.

Eva John nahm dies auf, ebenso wie Fragen nach der Platzvergabe im Kinderhaus. Die Stadt lässt den derzeitigen Kindergarten an der Pöckinger Straße demnächst noch für 40 000 bis 50 000 Euro ausbauen, um eine Kleinkindergruppe zu ermöglichen. Eine Containerlösung sei auch nicht günstiger, erklärte John nach dem Zwischenruf „Geldverschwendung“. Was aus dem alten Kindergarten werde, wollte Josef Bartl, der die Bürgerversammlung und den Rundgang initiiert hatte, wissen. Es gebe keine Entscheidungen, sagte John. Bartl betonte, man solle dort Wohnungen einrichten und ihn nicht verkaufen. Andernfalls werde ein Bauträger dort wohl einen Wohnblock errichten.

Verkehrsfragen bestimmten auch den restlichen Rundgang. Viele wünschen sich eine Art großen Kreisel rund um die Kirche, also müsste ein Teil der Römerstraße (zwischen Feuerwehr und Pöckinger Straße) Einbahnstraße werden. An vielen Stellen seien die Straßen zu eng, die Vorfahrtsregelungen an einigen Einmündungen selbst der Polizei nicht ganz klar. Das gilt auch für die Ausfahrt des Einheimischenmodells auf die Jägersbrunner Straße. Besonders gefährlich empfinden viele deren Einmündung in die Pöckinger Straße. Die war ein Ergebnis der Dorferneuerung vor rund 15 Jahren, wobei Perchtinger erneut bemängelten, die Wünsche des damaligen Arbeitskreises seien teilweise ignoriert worden. Viele Autofahrer führen schnell von Süden in den Ort, im Winter sei es dort oft glatt.

John nahm auch diese Kritik auf, die Probleme sollen untersucht werden. Der Stadtrat wird sich damit beschäftigen, auch weil CSU-Stadtrat Stefan Frey nach dem Rundgang einen Antrag stellte: Schnellstmöglich solle über eine Anbindung des Kinderhauses an die Kreisstraße nochmals verhandelt und sollen Vorschläge für die Verkehrsfragen dem Stadtrat vorgelegt werden.

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