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Eine Legende spielt auf dem See: Auch mit 81 Jahren hat Klaus Doldinger nichts von seinem Esprit eingebüßt.

Klaus Doldinger und seine Band

Eine magische Nacht auf dem See

Klaus Doldinger und seine Band Passport begeistern ihr Publikum auf der MS Starnberg.

Starnberg – Punkt 21 Uhr ist es soweit, mitten auf dem dunklen Starnberger See: „Das Boot“ geht vor dem Buchheim-Museum in Bernried auf musikalischen Tauchgang. Nach den einleitenden Echolot-Tönen des Film-Themas setzt Klaus Doldinger die weltberühmten sieben Anfangstöne seiner Komposition – und 260 Gästen an Bord der MS Starnberg läuft ein wohliger Schauer über den Rücken. Selten hat man eine solche atmosphärische Verdichtung mehrerer Ebenen erlebt: nachtschwarzes Wasser ringsum, der passende Soundtrack und eine Jazz-Legende, die dem vor zehn Jahren verstorbenen Freund und Autor Lothar-Günther Buchheim einen späten Gruß sendet.

Publikum ließ sich weder vom hohen Preis noch vom Regen abhalten

Die Idee, Klaus Doldinger und seine Band Passport zu einem Konzert auf dem See zu bitten, habe sein Sohn gehabt, erzählt „All that Jazz“-Veranstalter Manfred Frei. Er bedankt sich gleich beim Publikum, dass sich weder vom Ticketpreis (120 Euro inklusive üppiger Brotzeit-Gedecke an den Tischen) noch vom sonntäglichen Dauerregen hat abhalten lassen: „Gerade bei so einem Wetter wird man ja an Bord zu einer verschworenen Gemeinschaft.“ Und er dankt Klaus Doldinger, der „zu einem sehr fairen Preis“ diesen Abend ermöglicht habe.

Die Fans auf der MS Starnberg waren während des Konzerts aus dem Häuschen.

Etwa eine Dreiviertelstunde nach dem Ablegen vom Dampfersteg in Starnberg begrüßt auch Doldinger die Gäste und lässt den warmen Worten ebensolche Klänge seines Saxofons und seiner siebenköpfigen Stammformation folgen. Das Publikum ist sofort hingerissen, vergessen fast das Büfett und die halbstündige Wartezeit an Land, als es mit der Installation des umfangreichen Band-Equipments ein wenig länger gedauert hatte.

Nächste Fahrt mit Konstantin Wecker am 29. September

Der 81-Jährige ist bester Laune, erzählt zwischen den Stücken immer wieder aus seinem Leben. Auf Freis Einladung hat er angeblich mit einem „Na endlich!“ reagiert, obwohl sein Terminkalender noch immer prall gefüllt ist. Am Vortag war er bei einem Jazz-Festival in Gronau nahe der holländischen Grenze. Ein Buch über sein Leben will er schreiben – „aber ich komme nicht dazu“. Und für die gerade anlaufende Verfilmung des Buchheim-Stoffs „Die Festung“ durch die Bavaria soll er bestimmt auch wieder den Soundtrack liefern. Seit nunmehr 64 Jahren ist der schier unverwüstliche Irschenhausener auf den Bühnen der Welt zu Hause.

Taufrisch kommen die Versionen seiner Klassiker wie das marokkanisch inspirierte „Sahara“ (1968 geschrieben) daher. Neueres wie die Sieben-Viertel-Takt-Nummer „Seven To Four“ steht dem kaum nach. Nicht mal in der Pause zwischen den beiden Sets gönnt sich Doldinger Ruhe. Er gibt Autogramme, plaudert mit Freunden und Fans. Die MS Starnberg ist in dieser Nacht ein magischer Ort – und das Gefühl des Besonderen hat sich bei den Leuten längst breit gemacht.

Gegen Ende der großen Rundfahrt müssen sich die Musiker ein wenig beeilen, um bis 22.30 Uhr ihr Programm zu schaffen. Auf die Gäste wartet der Dampfersteg, auf die Band die Werft der Seenschifffahrt, wo die Technik wieder ausgeladen werden muss. Manfred Frei denkt über weitere solche Fahrten nach – die mit Konstantin Wecker am 29. September steht schon fest. 

Von Thomas Lochte

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