Kleiner Waffenschein

Trügerische Sicherheit für 100 Euro

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Landkreis – Die Zahl an Kleinen Waffenscheinen ist für Experten Grund zur Sorge – auch im Kreis, in dem sich die Zahl der Anträge mehr als verdoppelt hat. Die Gefahr einer Verwechslung der damit erlaubten Gaspistolen mit scharfen Waffen ist ihrer Meinung nach zu groß.

Offenbar sind die Menschen verunsichert. Anders lässt sich die rasant steigende Zahl an Anträgen für den so genannten Kleinen Waffenschein kaum erklären. 2013 und 2014 waren es um die 30 neu beantragte Scheine, im langjährigen Durchschnitt seit der Einführung vor 13 Jahren zwischen 18 und 22. 2015 wollten bereits 87 Menschen im Landkreis die Genehmigung, Gaspistolen mit sich führen zu dürfen. Dieses Jahr wird die Zahl alles übertreffen: Allein bis Mitte August hatte das Landratsamt 197 Genehmigungen erteilt, weitere 23 sind in Bearbeitung. Fachleute, die mit scharfen Schusswaffen zu tun haben, sehen diese Entwicklung mit Sorge. 

Gaspistolen: „Quatsch, weil jeder meint, er muss eine haben“

Michael Fesseler zum Beispiel. Der 53-jährige Stockdorfer ist Polizeibeamter und arbeitet als Personenschützer. Gleichzeitig bietet er Schulungen an. Sportschützen brauchen eine Schulung, damit sie eine Waffenbesitzkarte erhalten. Wer beruflich eine scharfe Waffe braucht, muss einen Waffenschein haben und bedarf vor der Erteilung ebenfalls einer Schulung. Waffenscheine für scharfe Schusswaffen sind praktisch für Privatleute unerreichbar, so scharf sind die Vorgaben. Für den Kleinen Waffenschein braucht es gar keine Schulung. „Man muss nur 18 Jahre alt sein“, sagt Fesseler. „Und man kann damit nur eine Gaspistole führen.“ 

Für ihn ist das „Quatsch, damit sind nur die Waffenbehörden überlastet, weil jeder meint, er muss eine haben“. Eine solche Waffe helfe gar nichts. „Sie ist eher gefährlich, weil wenn Sie auf jemanden treffen, der eine echte hat, knallt’s.“ Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek hat in seiner Karriere genau diesen Fall schon einmal erlebt – wobei alles gut gegangen ist, dank der starken Nerven seiner Kollegen. „Es war in Gauting, eine Verkehrskontrolle im Winter. Ein 3er-BMW-Fahrer suchte seinen Fahrzeugschein und Führerschein im Handschuhfach. Das ist beim 3er BMW richtig aufgesprungen, wenn man es geöffnet hat.“ 

Wenn Antragssteller strafrechtlich bekannt ist, bekommt er Waffenschein nicht

Der Mann öffnete das Handschuhfach, und heraus fiel eine Pistole. „Die Kollegen haben sofort gerufen: Lassen Sie sie liegen! Aber er hat sie aufgenommen und auf die Kollegen gerichtet.“ Daraufhin habe einer der beiden Beamten seine Dienstwaffe in Anschlag gebracht. Matuschek ist heute noch froh, dass seine Kollegen nicht die Nerven verloren haben. „Die Schreckschusspistolen sind von echten Waffen kaum zu unterscheiden“, sagt er. „Das bringt meistens Ärger. Einen Nutzen von Gas- oder Schreckschusspistolen sehe ich nicht, nur Konflikte.“ Einen Grund müssen die Antragsteller des Kleinen Waffenscheins gegenüber den Behörden nicht nennen. „Im Gespräch sagen viele, dass sie wegen der Einbruchserien verunsichert sind“, sagt Landratsamtssprecher Stefan Diebl. Genau in diesem Fall hält Waffenexperte Fesseler eine Gaspistole für absolut ungeeignet. „Wenn der Einbrecher eine echte Waffe hat? Dann hat man Pech gehabt.“ 

Einige Anträge für den Kleinen Waffenschein hat das Starnberger Landratsamt laut Diebl auch schon abgelehnt. „Wenn der Antragsteller strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, bekommt er den Kleinen Waffenschein nicht.“ Und auch bei den Inhabern des Scheins werde alle drei Jahre bei Gemeinde, Polizei und Bundeszentralregister abgefragt, ob etwas vorgefallen sei. Die Bearbeitung des Antrags kostet 100 Euro. Unabhängig von der Erteilung des Kleinen Waffenscheins

Rubriklistenbild: © dpa

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