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Klimaprotest in Berg: Radler blockieren einen Kreisverkehr.
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Klimaprotest in Berg: Radler blockieren einen Kreisverkehr.
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Klimaprotest in Berg: Radler blockieren einen Kreisverkehr.
Klimastreikwoche, Schüler demonstrieren
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Am Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching demonstrierten Schüler.
Klimastreikwoche/Starnberg4Future
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Auf dem Starnberger Kirchplatz fanden sich Schüler und politische Unterstützer ein. 
Klimastreikwoche, Schüler demonstrieren
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In Tutzing waren 1500 Kinder und Jugendliche auf den Straßen.

Fridays for future

Klima-Demos: Radler blockieren Kreisverkehr in Berg - nun droht ihnen ein Bußgeld

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„Fridays for future“ rief am Freitag weltweit zu Aktionen und Demos für den Klimaschutz auf. Auch im Landkreis Starnberg gingen die Menschen auf die Straßen - oder blockierten einen Kreisverkehr.

+++ Update vom 24. September +++

Die Radfahrer, die im Rahmen einer Klimademonstration den Berger Kreisverkehr blockierten, könnten ein Bußgeld kassieren. Ein Autofahrer habe die Polizei informiert, sagt Kai Motschmann, Sachbearbeiter Einsatz der Starnberger Inspektion. „Aber als unsere Leute eingetroffen sind, hatte sich die Aktion bereits aufgelöst.“ Ob eine Ordnungswidrigkeit vorliegt, klärt nun das Landratsamt. Das bestätigt Sprecher Stefan Diebl auf Nachfrage. Man prüfe, ob die Aktion, die von den Bergern ganz bewusst nicht angemeldet wurde, anzeigepflichtig war. Falls ja, werde ein Bußgeld verhängt.

Berg: Flashmob am Kreisverkehr

Es ist genau fünf vor zwölf am nördlichen Ortseingang in Berg. Die symbolische Uhrzeit ist natürlich bewusst gewählt. Knapp 20 Radler der Initiative „Berg for Future“, zwischen 50 und 70 Jahre alt, machen sich neben dem Fußballplatz bereit. Die meisten tragen Warnwesten, einige Schwimmnudeln auf dem Sattel. Auf das Kommando der Trillerpfeife setzt sich die Gruppe in Bewegung, um den Kreisverkehr mehrmals zu umrunden – und ihn damit zu blockieren. Die Autos müssen jetzt warten, der eine oder andere Fahrer versucht sich trotzdem reinzudrängeln. Susanne Polewsky von der Initiative formuliert das Ziel: „Berg soll CO2-neutral werden.“ Michael Schäfer stellt klar: „Uns geht es darum, auf lokaler Ebene etwas zu bewegen, statt zur Großdemo nach München zu fahren.“ Er zieht ein Bobbycar hinter sich her – und sein Rad damit auf symbolische Art ein Auto. Immer wieder nach wenigen Minuten verlassen die Radler den Kreisverkehr. „Wir wollen die Autofahrer nicht wütend fahren“, sagt Polewsky. Es gehe darum, sich mit der Jugend von „Fridays for Future“ zu solidarisieren und Aufmerksamkeit für nachhaltiges Verhalten zu bekommen. In den kurzen Stauphasen verteilen die Engagierten Handzettel mit Veranstaltungshinweisen. 

Die meisten Reaktionen sind positiv, aber jedem gefällt die Aktion nicht: Einige Fahrer hupen, andere drohen damit, die Polizei zu rufen. Doch schon nach 25 Minuten packen die Klimaradler ihr Transparent und die Schwimmnudeln ein. Der Kreisverkehr ist wieder frei. Am Nachmittag lädt „Berg for Future“ dann noch zum Oskar-Maria-Graf-Denkmal ein. Bei der Aktion „Auf ein Bier mit Oskar“ gibt es Freibier, Apfelsaft, Musik und ein fiktives Interview mit Autor Oskar Maria Graf.

Starnberg: Kirchplatz als Mittelpunkt der Bewegung

„Rauf mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“, skandiert Nadine De March auf der Bühne. Sie versucht, die Menge auf dem Starnberger Kirchplatz anzuheizen. Doch der Protest bleibt ruhig, die meisten Schüler stehen in Gruppen herum, besorgen sich Infomaterial zu Natur- oder Tierschutz oder hören den Rednern zu. Andere basteln kreative Plakate: „Der Wal hat keine Wahl“, steht auf dem von Tobias Herold. Der 18-Jährige besucht die 12. Klasse der Fachoberschule (FOS). „Wale nehmen den Plastikmüll im Ozean auf – ob sie wollen oder nicht“, sagt er, während er einen kleinen Fisch neben den Schriftzug setzt. Auf der Bühne sagt Bürgermeisterin Eva John: „Ich finde es schön, dass der Kirchplatz durch euch zum Mittelpunkt der Starnberger Bewegung wird. Wir sollten den Klimaschutz alle in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handels stellen.“ Nach ihrer Rede verwickeln sie FOS-Schüler in ein intensives, konstruktives Gespräch. Florian Weigl (19) diskutiert mit John darüber, wie selten die Busse fahren und ob sich manche Verbindungen überhaupt lohnen. „Auf Reden müssen Taten folgen“, sagt er auf Nachfrage. 

Die Bezirks-, Kreis- und Stadträtin der Grünen, Martina Neubauer, kritisierte Schulleiter, die Schüler wegen der Teilnahme Sanktionen androhen: „Die Verweise könnt ihr euch an die Wand hängen. Es ist richtig, zivilen Ungehorsam zu zeigen.“ Das finden nicht alle: Ein älterer Mann schiebt sein Rad an der Bühne vorbei und tippt sich demonstrativ an den Kopf. Einige Schüler geben auf Nachfrage zu, dass sie nur da sind, weil ihre Schule sich beteiligt – oder weil die Klasse dafür demokratisch abgestimmt hat. 

Vom Gymnasium Starnberg sind nur wenige Gesichter zu sehen. Schulleiter Josef Parsch hatte die Teilnahme abgesagt und auf regelmäßige Klimaprojekte in der Schule verwiesen. Kreisjugendring-Chef Claus Piesch gratuliert den engagierten Jugendlichen auf dem Kirchplatz: „Ihr könnt stolz sein. Ihr habt die Aufmerksamkeit erreicht, die Wissenschaftler und Organisationen seit vielen Jahren nicht erreichen.“ Organisatorin De March kündigt schließlich eine 24-stündige Mahnwache an. Sie soll am Samstag um 11.55 Uhr auf dem Kirchplatz beginnen.

Tutzing: 1500 Schüler auf den Straßen

Etwa 1500 Kinder und Jugendliche schieben sich durch Tutzings Straßen bis auf die Lindlwiese. Günter Schorn, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, der den „Tutzinger Klimatag“ organisiert hat, ist „überwältigt von diesem Anblick“. Bürgermeisterin Marlene Greinwald ruft in die Menge: „Ich bin total stolz, was Ihr hier zusammenbekommen habt.“ Sie lobt das Bündnis aus vielen, die mitgemacht haben, die Unterstützer von der Polizei über die Feuerwehr bis zum Bauhof der Gemeinde und besonders die vielen Teilnehmer aus fünf Schulen: „Ich bin stolz, Bürgermeisterin einer Gemeinde zu sein, in der es soviel Mut und soviel Interesse an diesem Thema gibt.“ Die Schüler stellen konstruktive Forderungen: selbstgemachte Produkte im Pausenverkauf, Verzicht auf Strohhalme, wiederverwendbare Stifte für Tafeln, keine Elternbriefe mehr auf Papier. In einer Diskussionsrunde tragen Jugendliche aus den Schulen Klima-Wünsche vor. 

Weiter hinten scheint das alle viele nicht besonders zu interessieren. Dort ist es so laut, dass selbst die per Lautsprecher verstärkten Worte kaum zu verstehen sind. Lange läuteten die Glocken der katholischen Pfarrkirche St. Joseph. Auf der Wiese neben ihr und an anderen Stellen im Ort werden später Bäume gepflanzt, die schon in München am Hauptbahnhof standen, dort aber wegen des Umbaus entfernt wurden (wir berichteten). Am Nachmittag setzen sich die Aktionen in fort. Fahrradclub ADFC und Bund Naturschutz informieren, es gibt eine Radtour zu Biotopen und am Abend im Kurtheater den aufrüttelnden Film „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“ zu sehen. Dazu moderiert der ADFC-Ortssprecher Martin Held ein Gespräch. Pfarrer Peter Brummer lädt für Sonntag zu einer ökumenischen Aktion nach dem Gottesdienst ein: „Sunday for Future“ beginnt um 12 Uhr zwischen den Kirchen.

Andechs: Grundschüler üben Demokratie

Die Schüler der Carl-Orff-Grundschule Andechs ziehen mit selbstentworfenen Transparenten los. Darauf steht: „Wir Menschen wollen immer mehr, so hat es die Natur sehr schwer!“ Oder: „Nicht wegwerfen – reparieren! Wir wollen unsere Natur nicht verlieren!“ Die Kinder der Klassen 3a, 3b und 1a nutzen mit ihren Lehrerinnen die Gelegenheit, um sich für ihre Natur, ihre Umwelt und somit ihre Zukunft einzusetzen. Ihr Weg führt sie zum Rathaus. Vize-Bürgermeisterin Christine Hirschberger empfängt sie und hört sich die Argumente und Ideen der Schüler an. 

Mit rhythmischen Sprechchören geht es weiter hinauf zum Kloster. „Neben dieser grundlegenden Erfahrung als Kind in einer Demokratie nehmen die Schüler viele positive Reaktionen von Passanten und Touristen mit“, berichtet Lehrerin Valentine Kaiser. Kommende Woche gestalten die Schüler eine Ausstellung, um noch mehr Menschen zu erreichen.

Herrsching: Ein Plastikbaum im Park

Weitere Aktionen steigen in Herrsching, Gauting und Gilching. Großer Trubel herrscht vor allem am Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching (siehe Seite 1). In Herrsching geht es vor dem Kurparkschlösschen ums Klima. Der Kulturverein sorgt für Kunst- und Kinderaktionen, ein Plastikbaum verweist kritisch auf die Müllproblematik. Am Abend liefern ein Expertengespräch und ein Film weitere Hintergrundinfos.

gma/nz/vas

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