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Die Windräder in Berg verbessern die Klimabilanz im Landkreis massiv.

Energiewende

Klimaziele: Landkreis bewegt sich im Schneckentempo 

Auf dem Weg zur Energiewende kommt der Landkreis nach wie vor nur im Schneckentempo voran. Das belegt der Energiebericht, der in einer aktualisierten Form seit Donnerstag vorliegt, sich aber noch auf Daten des Jahres 2017 bezieht.

Landkreis – „Es ist keine echte Trendwende erkennbar“, stellte Herbst Schwarz, Umweltberater im Landratsamt, bei der Vorstellung des Berichts am Rand der Energiepreisverleihung fest. Fortschritte gibt es aber schon.

Im Vergleich zum Jahr 2013, als der erste Energiebericht zusammengestellt worden war, hat sich der Energieverbrauch im Landkreis demnach um 3,4 Prozent auf 3,491 Milliarden Kilowattstunden erhöht bei einem Einwohnerplus in derselben Zeit von 3,6 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt laut Bericht bei 11,2 Prozent, deren Anteil ist jedoch um 18,6 Prozent gestiegen. Der Verkehr macht 26,6 Prozent aus, die Wärmeerzeugung 58,3 Prozent. Beide Werte sind steigend. Bei den CO2-Emissionen weist der Bericht einen Rückgang um 2,9 Prozent auf rechnerisch 8,96 Tonnen je Einwohner und Jahr. Das sei, sagte Schwarz, in etwa der Bundesdurchschnitt. Das CO2 stammt vor allem aus der Wärmeerzeugung (45,2 Prozent), Verkehr (26,3) und Strom (28,5) sind fast gleichrangig. Strom mache einen höheren Anteil beim CO2 aus als am Gesamtenergieverbrauch, weil er vielfach noch über Kohleverstromung erzeugt werde.

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Der Stromverbrauch steigt eigentlich jährlich, weil Strom durch E-Autos und neue Heizsystem zunehmend Bedeutung gewinnt. Den höchsten Verbrauch pro Einwohner haben die Weßlinger, weil es dort viel Gewerbe gibt (10 200 kWh pro Jahr). Platz 2 geht aus ähnlichen Gründen an Andechs (5952), die übrigen Gemeinden bewegen sich zwischen 3854 (Seefeld) und 2741 (Gauting). Die privaten Haushalte machen in der Regel ein Drittel des Verbrauchs aus.

Der Anteil erneuerbarer Energien beim Strom steigt jährlich, für 2017 werden 14,5 Prozent ausgewiesen (2013: 8,6 Prozent). Knapp die Hälfte ist Sonnenenergie, Wasser und Biomasse steuern geringere Anteile bei – und die Windräder in Berg stellen mehr als ein Drittel. Die vier Anlagen sorgen auch dafür, das die Gemeinde Berg einen Versorgungsgrad bei Ökostrom von 100,3 Prozent aufweist und einsame Spitze im Landkreis ist. Zweitbeste Gemeinde ist Gauting mit 19,4 Prozent, Seefeld ist Nummer drei mit 18 Prozent.

Nur marginale Änderungen beim Verkehr

Bei der Wärme wird zum Leidwesen Schwarz’ immer noch 86 Prozent mit fossilen Energieträgern (Öl, Gas) erzeugt. Zwar gebe es einen Trend von Öl zu Gas, und auch die Wärmepumpen nehmen zu, jedoch müsse man bei jeder Gebäudesanierung „unbedingt die erneuerbaren Energien berücksichtigen“. Die Erfahrung zeige, dass dann Änderungen vorgenommen werden, kaum jedoch ohne eine Sanierung. Allerdings scheint es dabei zu haken: 2017 sank die Fördersumme durch die KfW für Gebäudesanierungen mit vier Millionen Euro auf den niedrigsten Stand seit 2013, die Zahl der Förderanträge lag mit 321 jedoch auf Rekordniveau.

Beim Verkehr sind nur marginale Änderungen erkennbar. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge steigt weiter, wenn auch nicht so stark wie die Einwohnerzahl. Der Anteil der reinen Elektroautos liegt bei etwa 0,5 Prozent, auch wenn sich die Gesamtzahl im Jahr 2018 um 108 auf 432 erhöht habe. „Wir sind da immer noch am Anfang“, sagte Schwarz. Es müsse eine Bewusstseinsänderung geben, denn viel zu häufige siege Bequemlichkeit. „Es geht voran“, so sein Fazit“, „aber viel zu langsam“.

ike

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