Sportkleidung oder Dirndl? Die Teilnehmer am „Bavaria Königsmarsch“ bevorzugten unterschiedliche Ausrüstungen für die bis zu 50 Kilometer lange Strecke um den See. Foto: Jaksch

Eine Nacht mit dem Kini

Starnberg - Nachts um den See, und das zum Gedenken König Ludwigs - das war der „Bavaria Königsmarsch“.

Von Starnberg über Seeshaupt bis Starnberg sind es 50 Kilometer - und in der Nacht auf Samstag wandelten 35 Männer und Frauen auf König Ludwigs Spuren, gingen zu seinen Ehren eine Nacht lang zu Fuß rund um den See. Sie alle trieb Abenteuerlust, die sportliche Herausforderung gemischt mit den kulturellen Elementen des Königs an, dessen Todestag sich gestern jährte.

Im Vordergrund des „Bavaria Königsmarschs“ stand „das gemeinsame, außergewöhnliche Erlebnis“, betonte Organisator Michael Raab. Treffpunkt der „Kultur-Nacht-Ultra-Wanderung“ war um 22 Uhr. Ein Feuerwerk, das am Startpunkt in den Himmel schoss, bot einen knalligen Rahmen für den Start. Einige kamen in Jeans und T-Shirt, andere im Dirndl, in Lederhosen oder Tracht. Mit festem Schuhwerk und dem schneidigen Dirndl am Leib marschierten einige Damen stilvoll und strammen Schrittes in den Abend hinein. Wer die Ankündigung ordentlich gelesen hatte, kam ausgerüstet mit einer Stirnlampe. Eine Regenjacke? Unnötig. Ein Fleece? Notwendig. Zwei Liter Wasser, Müsliriegel - beides hilfreich. Stirnlampe? Bei vielen Fehlanzeige.

Wie die Motten schwirrten die Lichtlosen daher um die Beleuchteten und bildeten Grüppchen, die fortan sozusagen als Leuchtkugeln dahin trotteten. Dann bimmelte Christian Hohensteins Handy, der gemeinsam mit Stefan Oblinger den Lauf anführte. König Ludwig II. ertränkte sich im See, glauben viele - und wurden von einem Wissenden berichtigt. „Das ist längst nicht bewiesen“ - und schon entbrandete eine Grundsatzdiskussion darüber, ob die gerichtlich verfügte Entmündigung den Freitod eingeleitet hatte, oder ein hinterhältiger Mord ihn ins Jenseits schickte. Unterdessen war es stockfinster.

Ganz bewusst hatten die Organisatoren sich für die Nacht entschieden. Nachts setzt niemandem Hitze zu, kein Telefon klingelt, keine Mail stört und die Arbeit bleibt auch in der Schublade. Entschleunigung eben. Außerdem machte auch der Kini regelmäßig die Nacht zum Tag. An der ersten Haltestelle in Tutzing leuchteten schon Fackeln. Michael Raab hatte sie positioniert und Trinken und Essen mitgebracht. Drei Damen aus Berg setzten sich an einen Tisch. Sie waren mit 74 Jahren die Ältesten in der Gruppe und bewiesen so manchem Jügerem, dass das kein Hindernis sein muss. Erst 20 Kilometer später in Ambach ließen sie sich abholen. Das war in der Morgendämmerung, die auch die Mücken auf den Plan rief - die Rastenden waren auf den letzten Kilometern Gejagte. Am Kreuz in Berg gab es dann eine stattliche Brotzeit und Bier. Gegen Mittag tauchte vor den 22 verbliebenen Marschierern - mitunter angeführt von einem knapp 70-Jährigen - das Ziel auf.

Unterdessen sind die Teilnehmer des Königsmarschs heimgekehrt. Ein paar öffnen noch die Facebookseite. „Hey ihr Lieben...“, postete etwa Victoria Steigenberger. „Danke für die super geile Nacht mit euch....War echt klasse!!! Aber jetzt gute Nacht.“

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