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Kolping ist ihnen heilig

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Andreas Weger
„Es ist wohl ein Wunder, wenn es einen Verein gibt, der so nachhaltig für die Menschen da ist“: Andreas Weger, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Starnberg, mit dem Banner vor einem Bildnis Adolph Kolpings im Starnberger Pfarrzentrum. © Andrea Jaksch

Augsburgs Bischof Dr. Bertram Meier unterstützt eine Petition, wonach Adolph Kolping heilig gesprochen werden soll. Kolpingsfamilien im Landkreis Starnberg sehen die Initiative differenziert.

Landkreis – Egal ob Feldafing oder Starnberg, ob Indien oder Lateinamerika: Überall auf der Welt gibt es Menschen, die sich den Idealen Adolph Kolpings verpflichtet fühlen. Und die auf dieser Basis des Miteinanders versuchen, die Erde ein kleines bisschen besser zu machen. Nun ist im Internet eine Petition gestartet mit dem Ziel, den Priester und Gründer eines der großen weltweit tätigen Sozialverbände heiligzusprechen. Mit genügend Unterschriften soll sie im Oktober 2021 Papst Franziskus in Rom vorgelegt werden. „Kolping ist mir heilig“ ist die Petition überschrieben, zu deren ersten Unterzeichnern der Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier gehörte.

Andreas Weger (44), der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Starnberg, findet die Petition gut. „Das würde zu einem Motivationsschub führen“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Allerdings: Für eine Heiligsprechung braucht es ein Wunder. Hat Kolping ein solches vollbracht? „Es ist wohl ein Wunder, wenn es einen Verein gibt, der so nachhaltig für die Menschen da ist“, sagt Weger. „Überall auf der Welt hilft das Kolpingwerk den Menschen.“ Die weltweite Kolpinggemeinschaft zählt derzeit rund 450 000 Mitglieder in mehr als 60 Ländern.

Bereits mit neun Jahren ist Weger der Kolpingsfamilie beigetreten. Er spielte mit der Kolpingbühne Theater, ist jetzt als Vorsitzender Ansprechpartner für die 272 Mitglieder und sorgt dafür, dass „das Boot in ruhigen Gewässern fährt“. Ob die Onlinepetition Erfolg haben wird, kann er schlecht einschätzen. „Ich hoffe es“, sagt Weger. „Wenn es scheitert, dann eventuell an der Definition von Wunder.“ An Kolpings Seligsprechung vor 29 Jahren erinnert er sich noch sehr gut. „Papst Johannes Paul II. hat ihn im Münchner Olympiastadion seliggesprochen. Das war ein dreistündiger Gottesdienst, das Stadion war voll, und in der Mitte stand ein Altar.“

Angelika Hollwich (48), die geistliche Leitung der Kolpingsfamilie Feldafing, war bereits mehrmals in Rom zu den Jubiläumsfesten der Seligsprechung. „Das Fest geht über mehrere Tage, man besucht alle Basiliken, und der Papst hält einen Gottesdienst.“ Sie schwärmt auch von den Kolpingbannern, die zu diesem Anlass aufgehängt werden. „Die Kolpingfarben schwarz und orange sind immer präsent.“

Ob Kolping heiliggesprochen wird, ist für sie von keiner großen Bedeutung. „Er ist so ein wichtiger Mensch für uns. Da ist es für uns Kolpingleute unerheblich, ob er selig oder heilig ist.“ Für Außenstehende mache es jedoch sehr wohl einen Unterschied: „Die Reichweite wäre größer, die internationale Wahrnehmung höher und eventuell würden mehr Kirchen nach ihm benannt werden.“

Dass das allerdings bald eintritt, sieht Angelika Hollwich skeptisch. „Die erste Bitte zur Seligsprechung wurde 1906 vorgelegt“, erklärt sie. „Aber erst 1991 erfolgte diese dann auch. Ich glaube, da müssen wir uns mit der Heiligsprechung noch gedulden.“ Was aber in jedem Fall stattfindet, ist der 30. Jahrestag der Seligsprechung im kommenden Oktober. Dann möchte Hollwich wieder live in Rom dabei sein.

„Kolping war zur Zeit der Industrialisierung ein sehr engagierter Mensch“, sagt Markus Pfeiffer (52). Seit zehn Jahren ist er Vorsitzender der Kolpingsfamilie Höhenrain. Ihn beeindruckt, wie der gelernte Schuster Adolph Kolping Gesellenvereine, die Kolpinghäuser, gründete, in denen Handwerkerlehrlinge wohnten und Ansprechpartner hatten, die ihnen christliche Werte vermittelten. Auch heute noch gibt es weltweit Kolpinghäuser. „Daraus hat sich ein kirchennaher Sozialverband entwickelt, der sich um Arbeit, junge Menschen und Senioren kümmert: die Kolpingsfamilien“, so Pfeiffer.

Er ist ein großer Fan von dem Konzept der Kolpingsfamilien, die Petition „Kolping ist mir heilig“ betrachtet er allerdings mit gemischten Gefühlen. „Ich möchte überhaupt nicht das Engagement von Adolph Kolping kleintreten, aber heilig ist schon etwas sehr Besonderes“, sagt er. „Er hat einen Sozialverband gegründet, was auch einer Seligsprechung entspricht, aber für eine Heiligsprechung muss man wirklich Wunder bewirken, so wie der heilige Nikolaus oder St. Martin.“ Vanessa Lange

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