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Grandios vor Gericht: Wachtmeister Ant on Summer, Angeklagter Oliver Schwab, Anwalt Roland Sprinkart, Mesner Josef Hiebl (v.l.) und einige Prozesszuhörer. 

Kolpingbühne Starnberg

So macht ein Amtsgericht richtig Spaß

Die Kolpingbühne Starnberg führt heuer drei Verhandlungen aus dem Königlich Bayerischen Amtsgericht auf. Am Donnerstag feierten die Prozesse aus der Feder von Georg Lohmeier im Pfarrzentrum St. Maria Premiere.

Starnberg – Unterhaltung geht auch ohne schnelle Bühnen-Hupfer. Dies beweist die Kolpingbühne mit drei „Verhandlungen“ – also Theater-Akten – vor Georg Lohmeiers „Königlich Bayerischem Amtsgericht“. Unter der Spielleitung von Josef Hiebl sorgen kantige Charaktere, kuriose Verfehlungen und überraschende Geständnisse für urigen Humor.

Kleine Tricks binden das Publikum ein. Zudem gibt es auf der Bühne Zuschauer, die manchmal Unmut oder Lachen äußern – da hätte es fast noch gepasst, auch hierfür noch einzelne Publikumsrufe anzustacheln. Soweit aber gehen die Theaterer nicht. Meistens darf man in den ausverkauften Reihen sitzen bleiben und genießt schon einmal die herrlich historische Anmutung der Darsteller. Bei den Kostümen setzt im letzten Akt Armut, gemischt mit Schlamperei, einen derben und echten Akzent – dieses Amtsgericht „siaßelt net“ (süßelt nicht), es kommt ohne den Zuckerguss vieler Bauernstuben-Stücke aus.

Im ersten Aufzug geht’s um ein Sakrileg: einen Kirchenraub in Höhe des Tagesverdiensts eines Arbeiters. Verdächtig ist ausgerechnet der geldige Nialinger-Bauer (unschulds- und vorwurfsvoll zugleich: Oliver Schwab). Die Zeugen aber drehen alle Vermutungen um: Schlitzohrigkeit, Geiz und Geltungsbedürfnis sind die eigentlichen Hebel. Dazu sagen die Honoratioren ganz Unerwartetes aus: Würdevoll „Bauer“ Norbert Kraxenberger, gspaßig „Mesner“ Josef Hiebl.

Der zweite Akt dreht sich um einen fiesen Streich, der dem Großbauern Viehböck (mit Grandezza: Michael Baumgärtner) gespielt wird. Als „Burschen“ treten Martin Vogler und Florian Ranftl vors Richterpult und versuchen gestenreich-chaotisch, ihre Aussagen zu koordinieren, sonor gekontert von „Bürgermeister“ Franz Marschner. Dann aber setzt die frömmlerische Pfarrhausköchin (Claudia Cappel) Akzente – und verstrickt sich im seltsamen Gebaren ihres „Jungfernvereins“.

Die dritte Verhandlung hat tatsächlich eine Steigerung in petto. Der eines Diebstahls bezichtigte Totengräber (Richard Labermeier) erscheint mit kieksiger Stimme samt wirren bis absurden Aussagen wahrlich valentinesk. Paroli bietet ihm der Viehhändler (temperamentvoll: André Siems). Letztlich aber gewinnen die Frauen (Kirstin Siems und besonders Cornelia Springer) in diesem Fall an Fahrt und sorgen sogar für eine angedeutete erotische Pointe – großer Spaß!

Jeder der Prozesse bietet eine Überraschung, und so ist der kurzweilige und auch zeitlich angenehm straffe Theaterabend überaus unterhaltsam. Bestens tragen auch der stocksteife Polizist (Anton Summer) und der bald genervte, bald gütige Richter (Hans Otto) die Handlung voran. Ein preußelnder Staatsanwalt (Thomas Müller) verleiht einem Akt Schärfe. „Anwalt“ Roland Sprinkart scheint die ausgleichende Rolle maßgeschneidert. Vom Premierenpublikum wurden zuletzt ganze Staffeln von Verbeugungsrunden herbeigeklatscht – und bei rund 40 inspirierten Aktiven ist auch höchstes Staunen angebracht. Die Stimmung war sozusagen „gerichtsmassig“ champagnerselig – da hätte man sich glatt einen Abschluss-Sketch gewünscht. 

Restkarten für die verbleibenden neun Aufführungen gibt es unter www.kolpingbuehne.de oder an der Abendkasse.

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