+
Neustart an traditionsreicher Stätte: Mert Peker hat Glashauser übernommen.

Glashauser, Bastel-Boutique und Co.

Kommen und Gehen im Starnberger Einzelhandel

  • schließen

Der Einzelhandel kämpft in diesen Zeiten - auch in Starnberg. Nun gibt es wieder mal Veränderungen, vor allem traurige.

Starnberg – Der Geschäftswelt Starnbergs bleibt der Name Glashauser erhalten. Allerdings wird der 1894 gegründete Papier- und Schreibwarenhandel künftig zwar unter gleichem Namen, aber anderen Vorzeichen geführt. Glashauser ist als eine von bislang elf Filialen aus dem Familienunternehmen Bathelt aus Haar ausgegliedert worden. Die Namensrechte hat der junge Starnberger Mert Peker erworben. Er führt das Geschäft als selbstständiger Inhaber weiter.

Der 22-jährige Einzelhandelskaufmann mit türkischen Wurzeln – „geboren bin ich in Starnberg“ – setzt auf Qualität und Neues, wie er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur erzählt. Er will sich mehr nach außen präsentieren, auch weil das Ladengeschäft etwas versteckt im Souterrain an der Maximilianstraße liegt. So will er mit der Glasvitrine am Rande des Gehweges und mobilen Ständern die Kunden die Stufen hinunter locken.

Umgestellt hat er auch das Sortiment. Getrennt hat er sich von hochpreisigen Artikeln, wie Füllfederhalter der Marken Montblanc oder Pelikan. Der Starnberger fürchtet nicht die Konkurrenz von Drogeriemärkten, deren vergrößerte Schreibwarenabteilung für Vorbesitzer Oliver Bathelt Auslöser war, Glashauser zu schließen. Peker: „Ich vergleiche ja auch nicht die Obstabteilung von Edeka mit Achternbusch“, dem Obst- und Gemüsehandel an der Wittelsbacherstraße. Apropos Obst und Gemüse: Peker betreibt in München-Großhadern ein solches Geschäft. Und deshalb bietet er auch bei Glashauser Schokofrüchte und Obst an. Dieser Bereich seines Sortimentes soll noch erweitert werden.

Abschied an traditionsreicher Stätte: Sybille Dimbath wird ihre Bastel-Boutique zur Jahresmitte schließen. Foto: MÜL

Eine weitere Institution im Starnberger Einzelhandel ist die Bastel-Boutique an der Hanfelder Straße. Wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht und die Inhaberin Sybille Dimbath doch einen Nachfolger findet, werden dort Ende Juni die Lichter ausgehen. Der Mietvertrag läuft noch bis Ende Juli, aber Sybille Dimbath will sich Zeit nehmen, um in Ruhe mit Hilfe von Familie und Freunden den Laden auszuräumen, das Inventar abzubauen und die verwinkelten Räume besenrein zu übergeben. Geräumt werden müsste das Ladenlokal in jedem Fall, selbst bei einer Nachfolgeregelung. Denn es besteht dringender Sanierungsbedarf. „Die Elektrik ist 70 Jahre alt und muss erneuert werden“, sagt Dimbath.

Das Gespräch mit dem Starnberger Merkur muss die 75-jährige Ladeninhaberin mehrfach unterbrechen, weil immer wieder Kunden in die Boutique kommen. „Was, Sie sind nur noch bis Ende Juni hier? Ich dachte, Sie bleiben noch bis Ende des Jahres“, ist eine Frau hörbar erschrocken, „das ist aber sehr schade.“ In Sybille Dimbaths Gesichtsausdruck schwingt auch Wehmut mit.

Ohne zu überlegen kann sie die Kundin zu dem Regal leiten, wo diese das gesuchte Teil finden wird. Es herrscht das „geordnete Chaos“ in der Bastel-Boutique. Die Regale reichen bis an die Decke – „die habe ich vor 42 Jahren vor der Geschäftseröffnung selbst eingebaut“ – und sind auch bis obenhin gefüllt mit allem, was der Mensch zum Basteln benötigt. Sybille Dimbath geht von 10 000 verschiedenen Artikeln aus. Und sie weiß ganz genau, wo jedes einzelne Teil zu finden ist. „Das klappt nur, wenn man ständig den Überblick hat“, sagt die Kauffrau.

Einige Nachfolgekandidaten haben wieder den Rückzug angetreten. Selbst Dimbaths Tochter, die der Mutter zur Seite steht, traut sich nicht, die Boutique zu übernehmen, weil sie als dreifache Mutter die nötige Zeit nicht aufbringen kann.

Lesen Sie auch aus Starnberg:

Massive Bedenken gegen Schorn-Pläne

Drei Mobilfunkmasten für Söcking sind genug

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Erstmals Zahlen für die Gemeinden - Zweites Todesopfer - Hilfskrankenhaus mit mehr als 300 Betten 
Die Zahl der Corona-Fälle im Landkreis ist dramatisch gestiegen - und die Situation ändert sich beinahe jede Minute. Das Neuste zur Lage lesen Sie in unserem Ticker.
Erstmals Zahlen für die Gemeinden - Zweites Todesopfer - Hilfskrankenhaus mit mehr als 300 Betten 
Starnberger Surferin erlebt turbulenten Wettbewerb in USA: „Zum Schluss überschattet von Corona-Krise“
Bei einer Klassenfahrt hat Eva Lischka Feuer gefangen: Sie surft seit zehn Jahen. Nun war sie bei der Para-Surf-WM in Kalifornien – und kann von einer aufregenden Zeit …
Starnberger Surferin erlebt turbulenten Wettbewerb in USA: „Zum Schluss überschattet von Corona-Krise“
Verband wertet die aktuellen Tabellen
Die Entscheidung ist gefallen. Seit Mittwoch ist klar, wie es mit dem Tischtennissport in der kommenden Saison weitergeht. Der nationale Verband trifft eine mutige …
Verband wertet die aktuellen Tabellen
Nachzählung bei Kreistagswahl nötig - mit Auswirkungen auf die Sitzverteilung?
Die Stimmzettel der Kreistagswahl müssen neu ausgezählt werden. Das hat der Wahlausschuss so beschlossen. Das Ergebnis könnte Konsequenzen für die Zusammensetzung des …
Nachzählung bei Kreistagswahl nötig - mit Auswirkungen auf die Sitzverteilung?

Kommentare