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Im Flugmodus: Vermarkter Thorben Thies (l.) und Phillip Goethe vom Elektromotor-Hersteller Torqeedo im Candela Speedboat.
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Im Flugmodus: Vermarkter Thorben Thies (l.) und Phillip Goethe vom Elektromotor-Hersteller Torqeedo im Candela Speedboat.

Testfahrten mit Tragflügeln

Elektroboot fliegt über Starnberger See: Schwedische Firma präsentiert Weltneuheit

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Das effizienteste und schnellste Elektroboot der Welt fliegt an diesem Wochenende mit Tragflügeln über den Starnberger See. Eine schwedische Firma demonstriert das volldigital gesteuerte Gefährt potenziellen Käufern. Motor und Batterien kommen aus Gilching. Eine Testfahrt.

Starnberg – Es ist nur ein leichtes, sogar beruhigendes Ruckeln, ein minimales Hin- und Herschaukeln. Würde man die Augen schließen, man käme im Traum nicht darauf, dass man gerade mit 30 Knoten (55 km/h) über den Starnberger See brettert. Aber genau gesagt tut man das mit dem Candela Speedboat ja auch nicht.

„Bereit für den Abflug?“, fragt Mikael Mahlberg. Der 36-Jährige trägt Oberlippenbart und ein dunkelblaues T-Shirt mit Candela-Schriftzug. Das ist die schwedische Firma, die derzeit das nach eigenen Angaben effizienteste und schnellste Elektroboot der Welt in Deutschland vorstellt. Auf der Ostsee in Kiel, auf der Elbe in Hamburg, auf der Havel in Berlin und nun auf dem Starnberger See. Die Nachfrage nach dem Gefährt, das mit seinen Tragflügeln emissionsfrei einen halben Meter über dem Wasser schwebt und das es bislang erst 17-mal weltweit gibt, ist enorm: Die Firma VMG-Marine aus Altenholz bei Kiel, die das Boot in Deutschland vertreibt, hat für das Wochenende 40 Termine mit Interessierten und potenziellen Käufern vereinbart. 225 000 Euro kostet das Speedboat, das Seglern den Kopf verdreht. Sie zücken ihr Smartphone, um zu filmen, wenn es geräuschlos vorbeigleitet.

Der schwedische PR-Mitarbeiter Mahlberg macht seinen Job gut, er spricht vor allem in Superlativen. In zehn Jahren habe er als Journalist rund 2000 Boote getestet. „Aber ich habe nie etwas annähernd Vergleichbares gesehen.“ Auf die Frage, wie er seine Stelle bei Candela findet, sagt er nichts geringeres als: „Es ist großartig, Teil einer Weltrevolution zu sein.“

Die Fakten: Das Boot mit Flügeln, auch Foils genannt, ist 7,70 Meter lang, 2,45 Meter breit, dank Carbonfaserhülle nur 1350 Kilo schwer und extrem energiesparend. Weil es nicht im Wasser fährt, reduziert sich der Widerstand um 80 Prozent. Laut Hersteller sind die Betriebskosten um 95 Prozent geringer als bei einem Verbrennungsmotor. 92 Kilometer und damit weiter als jedes andere Elektroboot komme man mit vollgeladener Batterie – „um zweieinhalb Stunden Wasserski zu fahren“, sagt Mahlberg. Mit Wellen muss sich der Wasserskifahrer hinter dem Speedboat nicht herumschlagen, es verursacht ja keine. „Wir ignorieren die Wellen, wir fliegen einfach drüber“, schwärmt der Sprecher. Selbst auf der Ostsee gleite man stoisch dahin. Seekrank werde auf dem Speedboad niemand so schnell.

Im Auftrag für das Speedboat (v.l.): Oliver Glück (Torqeedo), Mikael Mahlberg (Candela), Thorben Thies, Philip Demmler (beide VMG-Marine) und Phillip Goethe (Torqeedo).

Der Praxistest am Starnberger See an diesem wellenarmen Freitag zeigt: Die eine oder andere größere Woge spürt man schon. Grundsätzlich fühlt sich das aber nach Fliegen an. Und nach Landen, wenn das Heck sanft ins Wasser fällt. Die Bedienung ist kinderleicht. Lenken und mit dem silbernen Hebel Gas geben, mehr ist nicht nötig. Ab 17 Knoten (31 km/h) stemmt sich das Boot einen halben Meter in die Luft. 40 Zentimeter unter der Wasseroberfläche sorgen die Flügel für ständige Stabilität. „Sie reagieren 100-mal pro Sekunde“, erklärt Mahlberg. Ultrasensible Sensoren am Bug merken jeden Windzug oder wenn sich jemand an Bord bewegt. Sie senden Signale an den Flugkontrollcomputer, der tatsächlich so heißt. Mahlberg: „Ohne automatische Steuerung würde es seitwärts wegkippen, wie ein Militärjet.“ Die meiste Technik des Speedboads sieht man nicht. Es ist smart, volldigital, ein IT-Ungetüm. 9200 Codes stecken in ihm. Der Bildschirm am Steuerrad ist dagegen simpel: Er zeigt den See, ein Navigationssystem, Tempo und Batteriestand.

Das Speedboat-Herzstück kommt aus dem Landkreis Starnberg

Das Herzstück – der 50-Kilowatt-Elektromotor und die Batterie – kommt aus dem Landkreis von der Firma Torqeedo. Sie ist nach eigenen Angaben weltweit Marktführer für elektrische Mobilität auf dem Wasser. Vor 15 Jahren in Starnberg gegründet, sitzt das Unternehmen mittlerweile in Gilching. „Es ist der gleiche Motor wie im BMW i3“, erklärt Torqeedo-Marketing-Mitarbeiter Oliver Glück. Rund 100 000 Bootsbesitzer haben sich laut Homepage für ein Torqeedo-System entschieden.

Die Schweden von Candela wollen bald zu neuen Ufern aufbrechen. Mahlberg nennt das „langfristige Ziel: Wir wollen Diesel-Fähren mit bis zu 60 Metern Länge mit der Foil-Technologie ausstatten. Das würde die Treibhausgase der Schifffahrt um 95 Prozent reduzieren.“ Wenn es nach Mahlberg geht, ist die Weltrevolution bereits in vollem Gange.

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Der Geheimdienst war ihr schon mal auf der Spur: Volha Hapeyeva, Autorin aus Belarus, hat Angst vor der Rückkehr in ihr Land, in dem Oppositionelle verschwinden und Demonstranten festgenommen werden. Dank eines kurzfristigen Stipendiums kam sie nun in der Villa Waldberta am Starnberger See unter.

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