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Konkrete Planungen für Windräder im Forstenrieder Park

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Von: Charlotte Borst, Michael Stürzer

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Morgenstimmung in einem Windkraftpark. SymbolFoto: dpa
Mehrere Windräder könnten bald im Forstenrieder Park stehen © Patrick Pleul/dpa

In Sichtweite Wangens und Leutstettens könnten im Forstenrieder Park Windkraftanlagen errichtet werden. Die Gemeinden Neuried und Pullach haben dafür eine Arbeitsgemeinschaft gegründet; der Landkreis München trägt einen Teil des Risikos. Im Landkreis Starnberg wundert man sich etwas.

Starnberg/Pullach – Das Windkraft-Projekt im Forstenrieder Park wird immer konkreter: Vier bis sechs große Rotoren könnten entlang der A 95 im Wald gebaut werden. Wenn alles gut läuft, ist der Bürgerwindpark im Herbst 2024 Realität, spätestens Mitte 2025. Starnberg, Gauting und der Landkreis sind über einige Aussagen dazu irritiert.

Neuried und Pullach haben eine Arbeitsgemeinschaft (Arge) initiiert, Schäftlarn ist beigetreten, auch Baierbrunn hat zugestimmt, vorausgesetzt der Landkreis München beteiligt sich an den Kosten. Das hat der Münchner Ausschuss für Energiewende, Landwirtschafts- und Umweltfragen am Dienstag einstimmig befürwortet. Mehrere Millionen Euro wird der Windpark kosten, die könnten aber wohl schon nach zwölf Jahren ausgeglichen sein. Bis zum 31. Dezember können Gauting, Starnberg und der Landkreis Starnberg noch entscheiden, ob auch sie als Anrainer der Arge beitreten wollen. Anschließend werden die Mitglieder entscheiden, ob jedes Mitglied ein Windrad erhält: Also, ob der Windpark mit vier, fünf oder sechs Windrädern realisiert wird.

Derartige Aussagen sorgen im Landkreis für Stirnrunzeln. Dr. Brigitte Kössinger, Bürgermeisterin von Gauting, und Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik wurden von ihren Kollegen zwar informiert, nahmen daraus allerdings mit, dass die Arge nicht wachsen solle, also gar keine Beteiligung weiterer Kommunen gewollt sei. Janik sieht dafür auch keine Veranlassung. Landrat Stefan Frey machte im Kreisausschuss gestern deutlich, dass er nur kurz Kontakt mit dem Windkümmerer hatte: „Ich weiß zu wenig. Wir sind da auch erst mal nur Zaungast.“ Die Anlagen würden auf gemeindefreiem Gebiet im Landkreis München stehen. Für den Landkreis Starnberg wäre das nur interessant, wenn er von den Windrädern profitieren würde – durch eine Leitung oder die Möglichkeit, den ökologisch erzeugten Strom seiner Klimabilanz gutschreiben zu können. Das will er nun genauer klären. Eine Anregung von Bernd Pfitzner (Grüne), der Kreis könnte sich an dieses Projekt mit einem Windrad auf eigenem Gebiet dranhängen, steht Frey skeptisch gegenüber: Die denkbaren Flächen bei Wangen und Buchendorf seien über den Teilflächennutzungsplan festgelegt, es gebe Unklarheiten, wie sich der inzwischen mit der 10H-Regel verträgt.

Pullach und Neuried gehen der Idee eines Windparks im Forstenrieder Park schon länger nach. Sie haben sich bei der Regierung von Oberbayern erfolgreich um einen sogenannten Windkümmerer beworben. Mit dem Energiefachmann Peter Beermann treiben sie den Windpark Schritt für Schritt voran. Im Forstenrieder Park ist eine gemeindefreie Fläche am Ludwigs-Geräumt gefunden, die die 10-H-Regel in alle Richtungen erfüllt: Da die Windräder rund 240 Meter hoch werden, müsste der Abstand 2,4 Kilometer betragen. Das ist auch für Unterschorn bei Wangen erfüllt, vom Ortsrand von Wangen selbst wären es wohl 3,5 Kilometer. Sechs Windräder könnten Platz finden. Ein Windrad wird voraussichtlich zehn bis zwölf Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren: „Das entspricht dem Stromverbrauch von etwa 3000 Haushalten“, so Beermann. Etwa 5000 Quadratmeter Fläche benötigt jedes Windrad, wobei nach dem Aufstellen der Anlage 2500 Quadratmeter direkt am Standort wieder bepflanzt werden sollen. Die übrigen versiegelten Quadratmeter sollen am Rand des Bannwalds aufgeforstet werden, „daher wird der Forstenrieder Park am Ende noch etwas größer sein“.

Als Nächstes wird eine Langzeit-Windmessung in Auftrag gegeben, die naturschutzrechtlichen Fragen werden in Gutachten untersucht. Anschließend wird das Bürgerprojekt organisiert. „Ausgehend vom Kirchturmprinzip dürfen sich die Bürger der beigetretenen Kommunen finanziell beteiligen“, so Beermann. Wer näher dran wohnt, hat zuerst Zugriff auf Anteile. Allerdings sind große Einzelbeteiligungen nicht erwünscht, „man will eine breite Bürgerbeteiligung erzielen“, so Beermann. Schließlich steigert dies die Akzeptanz. Mit 5000 bis 10 000 Euro sollen sich die Bürger Anteile kaufen können. Geht man davon aus, dass der Bürgerwindpark als GmbH & Co. KG gegründet wird und es bei der für 2024 prognostizierten EEG-Vergütung bleibt, könnte die Verzinsung bei fünf Prozent liegen.

Der Landkreis München wird – auf Wunsch der beteiligten Kommunen – nicht selbst der Arge beitreten, aber das Kostenrisiko abfedern für den Fall, dass das Projekt scheitert. Ein Standortsicherungsvertrag mit den Staatsforsten, die Grundeigentümer sind, wurde geschlossen und die Arbeitsgemeinschaft Forstenrieder Park gegründet. „Wir würden Mitglied werden, ohne noch mitreden zu können, ich weiß nicht, ob das gut wäre“, begründete Landrat Christoph Göbel die Zurückhaltung. Falls das Projekt wider Erwarten abgebrochen werden sollte, trägt der Landkreis zu 100 Prozent die Kosten für die Gutachten und schultert weitere Planungskosten der einzelnen Gemeinden zu 50 Prozent. Geht alles glatt, tragen die Gemeinden die Planungskosten.

Das Projekt ähnelt stark jenem der Gemeinde Berg, ist aber etwas größer. Berg kann heute schon mehr als 100 Prozent seines Stromverbrauchs durch Windkraft decken.

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