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Im offenen Bereich des Foyers will die Kreissparkasse künftig die Selbstbedienungsgeräte 24 Stunden zugänglich machen. Die Ladenflächen (Naturkostinsel, r.) und das frühere Eiscafé (hinten l.) sollen davon unberührt bleiben.

Kreissparkasse

Hartes Ringen um die Halle

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In der wuchtigen Schalterhalle der Kreissparkasse in Starnberg ist es ruhig geworden. Das Eiscafé ist weg, Kulturveranstaltungen gibt es nicht mehr. Um die künftige Nutzung ringt die Sparkasse mit der Stadt.

Starnberg – Es war ein hartes Ringen gewesen, als die Kreissparkasse Starnberg um die Jahrtausendwende ihren Hauptsitz an der Wittelsbacherstraße in Starnberg umbauen und erweitern wollte. Vielen erschien der Betonklotz als überdimensioniert – für die Bedürfnisse des Geldinstituts, aber auch für das Stadtbild. Im Dezember 1998, drei Tage vor Heiligabend, machte der Stadtrat der Vorstandsetage der Kreissparkasse das schönste Weihnachtsgeschenk: das gemeindliche Einvernehmen zum Bauantrag. Und ratzfatz: Gerade einmal zwei Monte später lag den Bauherren die Baugenehmigung auf dem Tisch.

Oberwasser bekamen die Kritiker der Baumasse bei der Grundsteinlegung für den Neubau. Für den damaligen Starnberger Bürgermeister Heribert Thallmair war es eine der größten Enttäuschungen seiner mehr als 30-jährigen Amtszeit. Als bei dem Festakt in der Baugrube die Verantwortlichen der Kreissparkasse die anstehende Fusion mit der größeren Kreissparkasse München bekanntgaben, entglitten dem Bürgermeister die Gesichtszüge. Er war kalt erwischt worden, war nicht eingeweiht gewesen.

Städtebaulicher Vertrag

Als „Dank“ für das großzügig gewährte Bauvolumen hatte sich die Kreissparkasse in einem städtebaulichen Vertrag verpflichtet, das neue Gebäude öffentlichkeitsfreundlich zu gestalten. Aus Sorge, Erdgeschoss und Schalterhalle könnten vor und nach Geschäftsschluss des Geldinstituts eine tote Zone sein, sagte die Kreissparkasse zu, diese Flächen mit Einzelhandel und Gastronomie zu beleben – das Wittelsbacher Carré war geboren.

Dabei war es kein leichtes Unterfangen, Nutzer und Betreiber für die Gewerbeflächen zu finden. Viele Interessenten fürchteten, die Laufkundschaft könnte ihnen auf dem eher leblosen Kirchplatz abgehen. Als Anker-Mieter entpuppte sich die Firma Benetton. Als bekannt wurde, der Mode-Filialist werde in dem Carré ansässig, folgten bald weitere Unternehmen. Das Eiscafé „Il Moro“ und die Naturkostinsel sorgten im Foyer über viele Jahre für reges Geschäftsleben und Publikumspräsenz.

Gerüchteküche brodelt

Mittlerweile ist Ernüchterung eingetreten und Ruhe eingezogen in das Sparkassen-Foyer. Als das Eiscafé schließen musste, warteten die Starnberger vergeblich auf eine adäquate Nachnutzung. Die Gerüchteküche begann zu brodeln: Die Kreissparkasse wolle die bisherigen Gastronomieflächen für eigene Zwecke verwenden, wurde gemunkelt. Und die Naturkostinsel solle nicht mehr über das Foyer erreichbar sein, sondern bekomme einen neuen Eingang zur Wittelsbacherstraße hin. Dafür wäre eine Nutzungsänderung nötig, die der Zustimmung der Stadt Starnberg bedürfe. Diese Gerüchte erhielten Nahrung, als bekannt wurde, dass die Süddeutsche Zeitung ihren Kundenservice aus dem Foyer abzieht und nach Ostern in der Bücherjolle zu finden sei.

Offensichtlich, so die Folgerung, wolle sich die Kreissparkasse von der Fremdnutzung des Foyers trennen. Beobachter hatten dafür auch Anzeichen ausgemacht. Das begann mit dem Abschied von den Ausstellungen, die auf der Galerie des Foyers in regelmäßigen Zyklen stattfanden. Erdgeschossig gibt es auch schon lange keine öffentlichen Veranstaltungen mehr – Vortrags- und Diskussionsabende oder Musik-Events. Auffällig auch: Der opulente Weihnachtsschmuck mit einem riesigen Christbaum in der Halle ist jüngst auf Wohnzimmerniveau geschrumpft. Will sich die Kreissparkasse mit diesem Abspecken von der Verpflichtungserklärung im städtebaulichen Vertrag verabschieden?

Größeres SB-Angebot für 24 Stunden

Die Kreissparkasse plant tatsächlich eine Veränderung. „Wir benötigen mehr Platz für die Kundenberatung und wollen einen größeren SB-Bereich rund um die Uhr anbieten“, erklärt das stellvertretende Vorstandsmitglied Torsten Koch. Dazu sollen die SB-Geräte (Geldautomaten, Kontoauszugdrucker etc.) in den nach oben offenen Bereich der Schalterhalle vorgezogen werden. Die dahinter liegende Fläche unter der Galerie soll Kundenberatung und Mitarbeiter-Arbeitsplätzen vorbehalten bleiben. Er wird nach Geschäftsschluss (19 Uhr) mit einer Glasfront zur Schalterhalle hin abgetrennt und versperrt. Weil in diesem Bereich auch der Abgang zur Tiefgarage liegt, wird der Zugang auf dem Kirchplatz „ertüchtigt“, so Koch, um nach Geschäftsschluss die Garage ungehindert zugänglich zu machen. An den Ladenflächen (Naturkostinsel und ehemaliges „Il Moro“) will die Sparkasse nichts verändern.

Über die Nutzungsänderung sei die Kreissparkasse seit Mitte 2017 mit der Stadt im Gespräch. „Jetzt haben wir Antrag auf Vorbescheid gestellt, um eine konkrete Aussage über unsere Wünsche zu bekommen“, erklärt Koch. Zudem habe sein Unternehmen alle Bauausschussmitglieder über die Pläne schriftlich informiert.

Aus dem Rathaus war bis Mittwochabend keine Stellungnahme zu bekommen.

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