Heftige Unwetter und Überschwemmungen in Bayern: Drastische Warnungen - „Schließen Sie alle Fenster und Türen!“

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Im Einsatz für Kreative: Künstlerin und Grafikerin Gesine Dorschner, gwt-Geschäftsführer Christoph Winkelkötter, Bürgermeister Patrick Janik, Kulturreferentin Petra Brüderl und Daniela Tewes, gwt-Projektleiterin für Kultur- und Kreativwirtschaft (v.l.).
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Im Einsatz für Kreative: Künstlerin und Grafikerin Gesine Dorschner, gwt-Geschäftsführer Christoph Winkelkötter, Bürgermeister Patrick Janik, Kulturreferentin Petra Brüderl und Daniela Tewes, gwt-Projektleiterin für Kultur- und Kreativwirtschaft (v.l.).

Aktion für Kulturschaffende

Kunstwerke und Kulturangebote im Starnberger See versenkt – um sie eine Woche später wieder zu bergen

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Eine Kiste voller Kreativität versenkten Kultur- und Wirtschaftsförderer im Starnberger See – um sie nächste Woche wieder ans Tageslicht zu holen. Die symbolische Aktion „Ins Wasser gefallen“ soll die Angebote und Werke von Kreativen in diesen schwierigen Zeiten sichtbar machen – und ihnen Einnahmen bescheren.

Starnberg – „Symbolträchtiger geht’s nicht“, schwärmt Starnbergs Kulturreferentin Petra Brüderl. Sie blickt von der Promenade auf den Starnberger See hinaus und zeigt auf die mobile Taucherinsel der Bundeswehr. Dort lassen Soldaten des Perchaer Ausbildungszentrums eine Truhe aus Cortenstahl per Kran ins Wasser – und versenken sie schließlich mithilfe eines 350 Kilo schweren Steins in zehn Metern Tiefe. Kurz darauf schwimmt in der Nähe der Boote des Münchener Ruder- und Segelvereins eine knallrote Boje mit pinkfarbener Fahne. Darauf steht: „Kunst Kultur“.

„Ins Wasser gefallen“ heißt die gemeinsame Aktion von Stadt und Wirtschaftsförder-Gesellschaft gwt. Ins Wasser gefallen sind heuer auch Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und Dreharbeiten. Kinos mussten schließen, Künstler durften nicht mehr auf die Bühnen. Um auf die Notlage der Kreativwirtschaft aufmerksam zu machen, versenkten Stadt und gwt nun gestern Vormittag 20 exklusive Kunst- und Kultur-Pakete, eingepackt in der Stahltruhe, im See. Aber das war nur der warnende, nachdenkliche Teil der Aktion – der mutmachende folgt nächsten Mittwoch. Dann wird die Schatzkiste wieder geborgen, die Kultur, ganz symbolträchtig, wieder ans Tageslicht geholt.

Die Stahltruhe mit den Kultur-Angeboten wurde an einem 350 Kilo schweren Stein hängend zehn Meter tief im Starnberger See versenkt.

„Uns geht es um maximale Sichtbarkeit von Künstlern und Kreativen“, erklärte Daniela Tewes von der gwt, die die Aktion mit Brüderl und der Herrschinger Designerin und Künstlerin Gesine Dorschner initiiert hat. Letztere sei auch selbst betroffen von der Corona-Krise gewesen. „Mir sind zwei Ausstellungen weggebrochen“, sagte sie. Brüderl von der Stadt betonte: „Wir hoffen, dass sich Käufer für die Angebote finden.“

Möglichst vielfältig habe man die Schatzkiste bestücken wollen, um die Bandbreite der Kreativwirtschaft in Starnberg und im Landkreis abzubilden. Beispiele aus der Truhe, die nun am Seegrund liegt: ein Privatkonzert mit Julia von Miller und Dieter Holeschein (500 Euro), ein „Cineasten-Paket“ für das Fünf-Seen-Filmfestival mit Eintrittskarten, Restaurantgutscheinen und VIP-Tickets für die Preisverleihung (140 Euro), ein handsignierter Kunstdruck von Illustratorin Anna Schäfer (125 Euro), das Buch „Typisch bayerisch“ von Cartoonist Peter Gaymann inklusive privatem Atelierbesuch (120 Euro), ein Märchen-Nachmittag für Kinder von Schauspielerin Carola Bambas (100 Euro), eine DVD und ein „Meet & Greet“ mit jugendlichen Schauspielern aus dem Landkreis (30 Euro) oder auch eine Taschenlampenlesung im Dunkeln in der Stadtbücherei (20 Euro). Tewes betonte, dass es nicht nur um die 20 ausgewählten Künstler geht: „Sie stehen stellvertretend für unzählige andere, die von der Pandemie betroffen sind.“

Kunst und Kultur soll im Raum Starnberg wieder sichtbar werden. Dafür steht die Boje im Starnberger See.

Neue Impulse und Ideen versprechen sich die Initiatorinnen auch nach der Aktion. Warum nicht mal eine Kinderbuchautorin nach Hause einladen? Oder einen lokalen Musiker beim Straßenfest oder im eigenen Garten auftreten lassen und sich zu zehnt die Gage teilen? „Das kostet für den Einzelnen dann gar nicht viel mehr als eine normale Eintrittskarte“, sagte Tewes. Brüderl ergänzte: „Corona wird uns noch eine Weile beschäftigen. Es fehlen Räume, aber man kann sie neu denken und nutzen.“

Rosemarie Zacher aus Gauting ist eine der beteiligten Künstlerinnen. Ihr Angebot: ein „Workshop Zeichnung, Skulptur oder Land Art daheim im Garten“, den Gruppen für 250 Euro buchen können. „Ich habe es noch nie erlebt, dass alles eingefroren ist“, sagte sie mit dem Hinweis, dass sie als Illustratorin, Kunsthistorikerin und Museumspädagogin eigentlich sehr breit aufgestellt sei. Zacher freut sich über die Aktion, die gegenseitige Solidarität in der Krise allgemein und den Willen, das Beste daraus zu machen.

Weitere Infos zur Aktion

Die Aktion „Ins Wasser gefallen“ und Infos zu allen bestellbaren Angeboten finden sich online unter www.ins-wasser-gefallen.de.

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