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Keine Chance auf Umbenennung: Die Grünen-Stadträte Annette von Czettritz und Dr. Franz Sengl in der Kaiser-Wilhelm-Straße, die 1877 erstmals dokumentiert ist. 

Kaiser-Wilhelm-Straße bleibt

Kulturausschuss sagt nein: Keine Kurt-Eisner-Straße in Starnberg

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Der Starnberger Kulturausschuss lehnt die Umbenennung der Kaiser-Wilhelm-Straße in Kurt-Eisner-Straße ab – stimmt aber Gedenktafeln zu

Starnberg – Die späte Ehre für Kurt Eisner lässt in Starnberg noch etwas auf sich warten. Der Kulturausschuss des Stadtrats hat sich am Montagabend mit 11:1 Stimmen dagegen ausgesprochen, die Kaiser-Wilhelm-Straße in Kurt-Eisner-Straße umzubenennen, wie es die Grünen in einem Antrag gefordert hatten.

„Es bewegt mich als Bayer, dass wir eine Straße nach einem Hohenzollern-Kaiser benannt haben“, begründete Dr. Franz Sengl (Grüne) den Antrag. Dabei habe Bayern dem ersten Ministerpräsidenten Eisner viel mehr zu verdanken als Wilhelm I.: die Ausrufung des Freistaats am 8. November 1918, das Frauenwahlrecht, den Achtstundentag, die Abschaffung der kirchlichen Aufsicht über die Schulen. „Ich habe für einen Anarchisten mehr Sympathien als für den preußischen Militarismus“, sagte Sengl. Zudem sei eine solche Umbenennung ein wichtiges Zeichen „in Zeiten, in denen das Völkische wieder erwacht“.

Friedrich Ebert wurde am 11. Februar 1919 zum Reichspräsidenten gewählt.

Nicht nur bei der Stadtverwaltung stieß Sengl jedoch auf Ablehnung. „Wir raten von einer Namensänderung ab“, sagte Bürgermeisterin Eva John mit Blick auf die 361 Menschen, die an der Kaiser-Wilhelm-Straße gemeldet seien. Für sie habe eine neue Adresse die Änderung zahlreicher persönlicher Daten und damit einen enormen Aufwand zur Folge. Stattdessen schlug John vor, bei künftigen Straßenbenennungen eine Kurt-Eisner-Straße zu berücksichtigen.

Kurt Eisner rief am 8. November 1918 den Freistaat Bayern aus. Am 21. Februar 1919 wurde er ermordet.

Angelika Kammerl (Parteifreie) pflichtete der Verwaltung bei: „Man muss die Verhältnismäßigkeit sehen“, sagte sie. „Tun wir das den Menschen nicht an“, warnte auch Markus Mooser (WPS).

Tim Weidner (SPD) brachte neben organisatorischen Gründen auch historische Überlegungen ein. Es sei zwar richtig, Kurt Eisner in Ehren zu halten, von der historischen Bedeutung her gebe es aber ganz andere Persönlichkeiten, sagte er und nannte als Beispiele den ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert (1871-1925) und den späteren bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner (1887-1980), der als Vater der bayerischen Verfassung gilt. Beide hätten sich nachhaltig für die Demokratie und gegen Extremismus eingesetzt. Eisner dagegen sei als Politiker gescheitert. Zudem sei es aufgrund seines gewaltsamen Todes am 21. Februar 1919 reine Spekulation, welchen weiteren Weg er eingeschlagen hätte: hin zu den Spartakisten, die in Deutschland ein Sowjetsystem einrichten wollten, oder zurück zu den Mehrheitssozialdemokraten und damit auf den Boden der Demokratie. Weidner: „Auf die Frage Kaiser Wilhelm I. oder Kurt Eisner würde ich Friedrich Ebert antworten.“

Eine sogar einstimmige Mehrheit fand Franz Sengl dafür mit einem anderen Antrag: An den Kriegerdenkmälern im Stadtgebiet sollen demnach Tafeln angebracht werden, auf denen zusätzlich der Menschen gedacht wird, die ihr Leben verloren haben „wegen ihrer Überzeugung als Pazifisten, Kriegsdienstverweigerer, Deserteure oder weil sie auf andere Weise Widerstand gegen das sinnlose Töten in beiden Weltkriegen geleistet haben“. John will in die Überlegungen bezüglich Formulierung und Gestaltung auch die örtlichen Vereine einbeziehen. Darüber hinaus soll auf dem Friedhof an der Hanfelder Straße das Massengrab mit einer Gedenktafel würdig gekennzeichnet werden, in dem im Jahr 1919 von Freikorps getötete Starnberger beigesetzt sind.

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