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Freuen sich auf den Start der Spaziergänge am 18. September: Elisabeth Carr, Barbara Beck und Gerd Holzheimer stellten gestern die sieben besonderen Orte vor, die in diesem Jahr bespielt werden.

Kulturreihe im Landkreis Starnberg

Literarischer Herbst? Aber ja!

Starnberg - Mit einem großen Ja beginnen in diesem Jahr die literarischen Spaziergänge, die Gerd Holzheimer im Herbst vor 14 Jahren in Leben gerufen hat. Ein Ja zur Kultur, ein Ja zu diesem Landkreis, ein Ja zu dieser Reihe. Und wieder konnten Elisabeth Carr und Holzheimer einen Ort aufspüren, den sie besonders bespielen: das seit 2009 verlassene Gasthaus Obermühlthal.

„Die Literarischen Spaziergänge sind ein Projekt, dass der Landkreis mit sehr viel Spaß begleitet“, versichert die Kulturrefentin im Landratsamt, Barbara Beck, und jeder weiß, dass sie dem Landrat damit aus der Seele spricht. Seit Beginn des Literarischen Herbstes unterstützt der Landkreis diese Kulturreihe von und mit Gerd Holzheimer, Lesungen an besonderen Orten mit besonderen Texten. Sieben Orte sind es diesmal.

Immer im Frühjahr, erzählt Beck aus dem Nähkästchen, klopfte entweder Holzheimer oder Carr bei ihr an, bitte um ein Gespräch bei einem Glas Weißbier. „Dann weiß ich, oh, es geht bald wieder los. Dann treffen wir uns.“ Und irgendwie kam in diesem Jahr die Sprache auf den verlassenen Gasthof im Obermühlthal. Begleitet auf der Geige Max Groschs und gelesenen Texten soll noch einmal Leben in das Haus einkehren – ohne Speis und Trank und ohne Toiletten. „Verlassen: aufgelassen?“ erzählt auch von den Interessenten an dem Haus – „auch aus dem Rotlichtmilieu“, wie Elisabeth Carr weiß. Die hätten es ihrer Meinung noch am leichtesten, dem verfallenen Gemäuer Leben einzuhauchen, „ein paar Rigipswände, ein paar Matratzen, hier würden sie niemanden stören“, sagt sie und lacht. Auch dazu gäbe es Textstellen. Aber eigentlich ist es die Sehnsucht nach alten Kindertagen, die sie dort spürt, als sie Programm am vermoosten Biergartentisch präsentiert. „Jeder kennt eine Geschichte zu diesem Ort“, glaubt sie.

Kreativität und Bürokratie

Kreativität und Bürokratie passten eigentlich so gar nicht zusammen. Holzheimer hat mit dem Landratsamt und seinen Landräten aber ganz andere Erfahrungen gemacht. Der Sohn eines Landvermessers, selbst Autor und Literaturwissenschaftler, wird nicht müde durch den Landkreis zu streifen. Und auch nach 13 Jahren begeistert er Unterstützer und Besucher mit dem Ergebnis seiner und mittlerweile auch Carrs gemeinsamer Suche nach neuen Kulturorten.

„Viele sagen ja, ...aber. Wir sagen: Aber ja!“, sagt Holzheimer. Dies steht in diesem Jahr am Anfang der Reihe und ist wörtlich zu nehmen – am Sonntag, 18. September, im leer stehenden Pfarrhof in Unterbrunn, andere Orte sind das ehemalige Gestüt Isarland oder die alte Holzkegelbahn im Gasthaus Ludwig in Maising. „Erstmals dürfen wir auch ins Plamenhaus der Villa Waldberta“, freut sich Elisabeth Carr, in diesen Ort der „flippigen Blüte“, wie sie sagt. Holzheimer und Carr führen ihre Gäste aber auch in ein Fotoatelier und an die Gautinger Ausgrabungsstätte Bratananium. Dieses, so bemerkte Holzheimer begeistert, gehörte sogar ebenso wie das zerstörte Palmyra in Syrien zu dem einen Imperium Romanum.

„Es ist alles eine Geschichte“, weiß Elisabeth Carr, so lautet der Titel der letzten Veranstaltung im Bratananium. „So schließen wir (am 29. Oktober), wir beginnen mit einem Ja und zwischendrin spielen wir ein bisschen“.

Das gesamte Programm gibt es hier.

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