Abschied, Runde 1: Wegen der Corona-Beschränkungen feiern die Kuratorinnen der Reihe „nah-fern“ mehrfach das Ende ihrer Arbeit.
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Abschied, Runde 1: Wegen der Corona-Beschränkungen feiern die Kuratorinnen der Reihe „nah-fern“ mehrfach das Ende ihrer Arbeit.

Erstes von zwei Abschiedfesten für die Ausstellungsreihe „nah-fern“: Vizebürgermeisterin würdigt Kuratorinnen

„Kunst lehrt uns, richtig zu sehen“

Wehmut lag über dem historischen Bahnhof, Melancholie – und es wurden auch ein paar Tränen weggedrückt. Wie berichtet, hören die drei Kuratorinnen der Ausstellungsreihe „nah-fern“ – Katharina Kreye, Ulrike Prusseit und Ursel Steglich-Schaupp – auf.

Starnberg - Starnbergs Kunstsalon im ehemaligen königlichen Wartesaal nebst Gepäckhalle ist nach dem kommenden Wochenende und nach einer coronabedingt zweiten Abschiedsfeier – es durften jeweils nur 75 Gäste eingelassen werden – Geschichte. Eine Ära ist zu Ende, der nicht nur Kunstbegeisterte nachtrauern.

Wie immer stand Verena Finke, der gute Geist der Stadtverwaltung, zur Seite. Sie hat all die Jahre tatkräftig im Hintergrund organisiert und mitgeholfen. Diesmal registrierte sie jeden einzelnen Gast am Einlass. Zur ersten der Abschiedsfeiern begrüßte Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl Künstlerinnen und Künstler, die von nah und fern gekommen waren. Rudi Hurzlmeier war dabei, Ekkeland Goetze, Sebastian Hirn, Gabi Weinkauf, Erika Schalper, Josefine Tabbert, Johannes Constantinides.

Wie einst, als dort aufsehenerregende Ausstellungen eröffnet wurden, spielte wieder Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger mit Alois Brustmann und Peter Klinder auf. Das Trio sorgte musikalisch für beste Stimmung. Angelika Kammerl, derzeit amtierende Bürgermeisterin, eröffnete den Reigen der Dankesreden, erinnerte an die Anfänge im März 2013: „Kunst lehrt uns, richtig zu sehen. Ihre Ausstellungen haben das Geflecht geschafft, unsere Wahrnehmung geändert und zu neuen Verhaltensmustern aufgefordert. Künstler brauchen eine Plattform dafür. Ich bin gespannt, auf die nächsten Projekte.“

Mit einem „Wo?“ kam der einzige Zwischenruf des Abends. Die drei Kuratorinnen bedankten sich jede auf ihre Weise. Katharina Kreye brachte zum ersten Mal auch ihren Mann Johannes ins Spiel, der die 55 Plakate entworfen hat, erinnerte an Auftritte von 76 Musikern, die „grandioses Zeug“ gespielt haben, an 7000 Ausstellungsbesucher und an die erste Ausgabe, als der damalige Bürgermeister Pfaffinger, der nicht so recht an einen Erfolg glauben wollte, sich die Augen rieb, als er feststellte: „ein rappelvoller Laden“. Kreye lobte sein „feinsinniges Kulturempfinden“, auch wenn er sich sicher oft gefragt habe, was das alles bedeuten soll. Die wichtigste Person aber sei die damalige Kulturamtsleiterin Annette Kienzle gewesen, die mit ihrer „ruppigen Art immer ehrlich und zuverlässig“ gewesen sei. Da sprang Altbürgermeister Pfaffinger spontan ans Mikrofon: „Wir waren damals heilfroh, eine Verwendung für den Bahnhof gefunden zu haben“ – und er glaube nicht an ein Ende der Kultur im Bahnhof.

Für Ulrike Prusseit war die Zeit „ein Drama mit acht Jahresringen, aufgeführt in 55 Aufzügen“. Etwas blauäugig habe man sich reinbegeben, „nur wissend, was man nicht wollte“. Am Horizont der Arbeit, Aufregungen und Auseinandersetzungen habe aber immer „die pure Freude“ geleuchtet. Die Zusammenarbeit mit den Künstlern wertete sie als eine „überreiche Zeit und immer währende Inspirationsquelle in diesem wunderbaren Resonanzraum“. Ursel Steglich-Schaupp betonte: „Kuratieren heißt sich kümmern und sorgen um Flyer, Plakate, Einladungen, und man muss die Künstler besuchen.“ Sie bedankte sich bei der Stadtverwaltung, die ihnen bei der Auswahl der Künstler immer Freiheit gegeben hat. Egal ob Zeichnungen, Malerei, Videos, Fotos, Performances – „immer wieder war es eine wundersame Verwandlung der Räume. Ich bin stolz auf das abwechslungsreiche Programm und weiß aus den Rückmeldungen, dass wir Besucher und Künstler erfreuen konnten.“ Wie sagte noch Erika Schalper am Schluss? „Nah und fern ist nicht eine Frage der Perspektive, sondern auch der Zeit und Befindlichkeit“.

Die zweite Feier für „55! Oh, la la!“ findet am Samstag, 18. September, von 17 bis 22 Uhr statt, dann mit Musik von Stefan Noelle, Cornelia und Garry Lee-Winser, Masako Ohta und „Ladylade“.

Astrid Amelungse-Kurth

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