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Offiziell fair: Klimaschutzmanagerin Josefine Anderer-Hirt, Franka Breger vom Starnberger Gymnasium, dritter Landrat Tim Weidner und Dr. Ina Schicker (v.l.) mit der Fairtrade-Urkunde.

Weltoffen, tolerant, fair

Landkreis bekommt Fairtrade-Zertifikat und arbeitet schon am nächsten Schritt

Was haben London, Rom und der Landkreis Starnberg gemeinsam? Sie alle sind offiziell „fair“ – am Dienstagabend erhielt der Landkreis die Auszeichnung als „Fairtrade-Landkreis“.

Landkreis – „Das Thema Fairtrade hat Schwung“, sagt Josefine Anderer-Hirt bei der Auszeichnungsfeier im Kino Breitwand in Starnberg. Die Klimaschutzmanagerin des Landkreises trug wesentlich zur Auszeichnung bei. 2012 hatte es erste Überlegungen gegeben, sich mehr für den fairen Handel zu engagieren. Neun Gemeinden haben seit 2017 Beschlüsse dazu gefasst, vier davon eine Fairtrade-Zertifizierung erhalten. Gilchinger Bürgermeister Manfred Walter ist für seine Gemeinde zuversichtlich: „Wir arbeiten Stück für Stück, damit Gilching auch bald die Auszeichnung zur Fairtrade-Gemeinde bekommt.“ 2018 bewarb sich der Landkreis um das Prädikat.

In der Zwischenzeit ist viel passiert, um die dafür notwendigen Kriterien zu erfüllen. Jeder Fairtrade-Landkreis benötigt eine Steuerungsgruppe, die alle Aktivitäten und Fairtrade-Projekte koordiniert. „Insgesamt sind wir etwa sieben Leute“, sagt Anderer-Hirt. Darunter sind auch Vertreter der Pfarrgemeinde und verschiedener Fraktionen. „Es hat Spaß gemacht, den Landkreis auf Fairtrade umzustellen. Er ist weltoffen und tolerant.“ Bei Sitzungen wird nur fairer Kaffee ausgeschenkt, mehrere Gastronomiebetriebe müssen mit mindestens zwei fairen Produkten arbeiten und der Landkreis sollte die Öffentlichkeit auf den fairen Handel aufmerksam machen. Zudem müssen Schulen, Vereine und Kirchengemeinden mit eingebunden werden.

„Wir sehen die Auszeichnung als Ansporn“

Das jedoch war keine große Herausforderung. „Die Pfarreiengemeinschaft Ammersee Ost gibt nach den Sonntagsgottesdiensten faire Produkte aus und vier Schulen im Landkreis sind bereits zertifizierte ,Fairtrade-Schools‘“, berichtet Dr. Ina Schicker vom Verein Fairtrade Deutschland. Sie überreichte dem dritten Landrat Tim Weidner die Auszeichnung. „Ein großer Dank gilt all denen, die sich in Weltläden, Arbeitskreisen, Agendagruppen, Pfarrgemeinden, Schüler-AGs, in Lehrerkollegien und darüber hinaus für eine enkeltaugliche Zukunft engagieren. Sie alle sind Akteure des notwendigen Wandels“, betonte er. Das Engagement der Schulen verkörperte eineGruppe des Gymnasiums Starnberg. Dort gibt es ein Projekt-Seminar unter dem Namen „Fairtrade“, in dem Schüler sich aktiv mit dem Thema beschäftigen und in diesem Zusammenhang Punkte für ihr Abitur sammeln können.

Nun hat sich der Landkreis die Rezertifizierung in den kommenden Jahren zum Ziel gesetzt – er muss also erneut beweisen, dass er mit Recht Fairtrade-Landkreis ist. „Wir sehen die Auszeichnung als Ansporn, um weiter zu machen“, sagt Anderer-Hirt.

Im Anschluss an die Verleihung gab es eine Vorstellung der fairen Schokolade „SeenLiebe“, die als einzige Schokolade von der Bohne bis zur Verpackung vollständig in Ghana produziert wird und im Landkreis in den Weltläden erworben werden kann. Dieses Projekts hat sich der Herrschinger Hendrik Reimers angenommen. Er gründete sein Unternehmen „Fairafric“, das unter anderem die „SeenLiebe“-Schokolade fair produziert. Dass er dadurch vielen Kakaobauern mehr Lebensqualität verschafft, zeigte die Dokumentation „Decolonize Chocolate“. 

Vanessa Lange

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