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Im großen Sitzungssaal des Gautinger Rathauses haben Mitarbeiter von Verwaltung, Bauhof und Mittagsbetreuung bis in den Freitagabend hinein Wahlbriefe kuvertiert. 

Die Entscheidung um Landrats- und Bürgermeisterposten fällt nur per Briefwahl

Stempeln für die Stichwahl - Wählen in Corona-Zeiten

Die Stichwahlen um Landratsposten und Bürgermeisterämter im Fünfseenland werden auf Anordnung der Staatsregierung als reine Briefwahl stattfinden. Das stellt die Kommunen vor neue Herausforderungen: Sie müssen hunderte Mitarbeiter einsetzen, damit die Wahl stattfinden kann.

Landkreis – Die rund 105 000 Wahlberechtigten im Landkreis Starnberg haben eine denkwürdige Wahl vor sich. Sie müssen sich im Landkreis sowie in Weßling, Seefeld, Berg und Gauting bei den Stichwahlen am kommenden Sonntag für einen Kandidaten entscheiden, ohne ein Wahllokal betreten zu dürfen: Wegen der Corona-Krise findet die Wahl ausschließlich per Brief statt – und das ist für einige Gemeinden eine immense Herausforderung.

Die Gemeinden waren auf hohe Briefwahlquoten eingerichtet, aber nicht auf 100 Prozent. „Wir haben mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Uns fehlen einige Wahlunterlagen wie Umschläge, Hinweisblätter, Versandkuverts und so weiter. Wir haben natürlich wie alle anderen Gemeinden nachbestellt, aber die Fachverlage stoßen nun auch an ihre Grenzen“, erklärt beispielsweise der Andechser Wahlleiter Peter Kirchbichler.

Weßlings Wahlleiter Sebastian Görlitz sagt: „Wir hatten zur Stichwahl mit zirka 1800 Briefwählern gerechnet. Jetzt, da es von Amts wegen eine reine Briefwahl wird, müssen wir etwas mehr als 4200 Wählende versorgen. Wir hatten zum Glück noch ein paar Restbestände in verschiedenen Größen an Wahlbriefumschlägen und Versandtaschen sowie ein paar Stimmzettelumschläge.“

Einige Gemeinden müssen daher zu ungewöhnlichen Lösungen greifen: In Wörthsee werden unterschiedliche Briefumschläge verwendet. Die Geschäftsleitende Beamtin Christa Heintel erklärt: „Wir haben alles zusammengekratzt, was im Rathaus noch vorhanden war.“ Vielen Gemeinden half die Druckerei von Peter Molnar in Wielenbach aus der Klemme, die auch die Stimmzettel druckt.

Viele Umschläge sind allerdings nicht bedruckt. „Diese Angaben müssen manuell mittels Stempel mit Stempelkissen angebracht werden“, erklärt Günther Drexler von der Gemeinde Pöcking. In Feldafing wurde ebenfalls kräftig für die Stichwahl gestempelt. Verschärft wird die Lage durch die Termine: Bis Mittwoch, 25. März, müssen alle Wähler die Unterlagen erhalten haben (siehe Kasten).

Einige Gemeinden meldeten bis Ende voriger Woche keine größeren Probleme. „Wir haben ausreichend Briefumschläge, da wir die Bestellung für die Briefwahl aufgestockt haben“, erklärt etwa Starnbergs Rathaussprecherin Lena Choi. Und Bergs Bürgermeister Rupert Monn meldet: „Das Material ist vollständig vorhanden.“

Nächstes Problem für die Gemeinden: das Eintüten und Verschicken. Am Donnerstag und Freitag waren in vielen Rathäusern Sonderschichten angesagt. Gautings Rathaussprecher Fred Rauscher beschreibt die Lage so: „Viele Mitarbeiter von Verwaltung, Bauhof und Mittagsbetreuung saßen bis um 21.30 Uhr im Großen Sitzungssaal mit Sicherheitsabstand und kuvertierten die Wahlbriefe. Selbst die Bürgermeisterin war tatkräftig bis zum Schluss mit beim Arbeiten.“ Die Masse der Briefe ging am Freitag in die Post. Die Gemeinde Gilching erledigte das auch am Donnerstag. „Im Rathaus wurden die entsprechenden Umschläge mit den Unterlagen von rund 55 Mitarbeitern befüllt. Die Mitarbeiter des Rathauses wurden unterstützt von zirka 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinderbetreuungseinrichtungen“, erklärt Geschäftsleiter Stefan Amon bei einer Rundfrage des Starnberger Merkur.

Und am kommenden Sonntag? Die meisten Gemeinden reduzieren die Zahl der Wahlhelfer, manche reduzieren auch die Zahl der Wahlbezirke. „Wir benötigen 100 Wahlhelfer, das sind zirka 150 weniger als bei der Hauptwahl“, berichtet beispielsweise Lena Choi. Komplizierter wird die Auszählung nicht. Einige Gemeinden greifen dabei ausschließlich auf eigene Mitarbeiter zurück, etwa Andechs: „Die Auszählung erfolgt ausschließlich mit Bediensteten der Gemeinde, weitere Wahlhelfer werden nicht eingeteilt“, wie Peter Kirchbichler erklärt. Mit reduzierten Wahlhelferzahlen arbeiten auch Pöcking, Dießen und andere Gemeinden. Gauting hingegen bleibt bei der geplanten Zahl. Einen Unterschied macht dabei freilich, ob zwei Stichwahlen auszuzählen sind oder nur eine (die um den Landratsposten). Die Auszählungen finden häufig nur in den Rathäusern statt und sind grundsätzlich öffentlich.

So wie der Wähler bei einer Urnenwahl den Stimmzettel selbst einwirft, was diesmal nicht geht, so ist er auch dafür verantwortlich, dass der Wahlbrief ankommt. Dießens Geschäftsleitender Beamter Karl Heinz Springer: „Die Wahlberechtigten sind selbst dafür verantwortlich, dass die Wahlbriefe fristgerecht am Wahltag wieder bei uns eingehen. Sollte der Postweg dafür zu unsicher sein, können die Unterlagen bis Sonntag, 29. März, um 18 Uhr in den Briefkasten des Rathauses geworfen werden.“ Das gilt für alle Gemeinden.

Kommunalwahl 2020 im Landkreis Starnberg

Alle Ergebnisse aus dem Landkreis Starnberg finden Sie hier.

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