Schweres Zugunglück in Baden-Württemberg: Bahn rast in Betonteil und entgleist

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Immer im Dienst: Die Wasserretter, so wie hier die DLRG bei einer Übung im vergangenen Jahr, rücken auch zu Corona-Zeiten aus, wenn Gefahr in Verzug ist. 

Nach zwei Einsätzen am Sonntag im Starnberger See

Wasserretter fordern: In Zeiten von Corona runter vom See

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Zwei Einsätze für vermeintlich in Not geratene Wassersportler auf dem Starnberger See könnten weitreichende Folgen haben. Kreiswasserwacht und DLRG möchten, dass die Seen in Zeiten der Corona-Krise nicht mehr für den Sport genutzt werden – damit Helfer nicht unnötig strapaziert werden.

Landkreis – „Wir bleiben für dich da. Bleib du für uns zu Hause!“, heißt es auf der Facebook-Seite der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Pöcking-Starnberg. Auslöser für den Ausruf sind zwei Einsätze, die die Retter am Sonntag auf dem Starnberger See hatten. In einem Fall trafen die Ehrenamtlichen das vermeintliche Opfer, einen Kite-Surfer, vor Possenhofen gar nicht mehr an, Im zweiten Fall war ein Stand-up-Paddler mit Hilfssegel absolut wohlauf (wir berichteten). Die Rettungskräfte waren dennoch gerufen worden – vermutlich, weil die Situation für Beobachter gefährlich wirkte. BRK-Wasserwacht und DLRG sind jedenfalls zweimal völlig ohne Not ausgerückt. Deshalb fordern die Hilfsorganisationen jetzt vom Landratsamt eine Allgemeinverfügung, die für die Zeit der Corona-Krise den Sport auf dem Starnberger See untersagt.

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Formal ist am Sonntag alles korrekt verlaufen. Zwei Menschen hatten sich entschieden, alleine auf dem See Sport zu treiben. Beide verstießen mit ihrem Handeln nicht gegen die Ausgangsbeschränkung, die seit Samstag in Bayern gilt. Auch, dass Passanten Rettungskräfte anforderten, weil sie das Gefühl hatten, die beiden Sportler sind in Not, sei absolut korrekt gewesen, unterstreicht DLRG-Chef Walter Kohlenz im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Unsere Botschaft lautet nicht: Setzt keine Notrufe mehr ab. Sondern: Vermeidet Dinge, die dies provozieren.“ Die Helfer könnten sich solche überflüssigen Einsätze in diesen Zeiten sparen.

Wegen der vorgeschriebenen Alarmkette waren neben der DLRG am Sonntag auch die BRK-Wasserwachten aus Starnberg, Feldafing, Tutzing, Ammerland und Wolfratshausen im Einsatz. Dazu Taucher aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und ein Intensiv-Hubschrauber aus München. „Das waren 20, 30 Mann inklusive Hubschrauber“, sagt der Technische Leiter der Tutzinger Wasserwacht, Robert Lettenbauer. Es sei schade, „dass ehrenamtliche Kräfte, die wir vielleicht später brauchen, unnötig strapaziert werden“.

Das fange schon bei dem unguten Gefühl an, wenn mehrere Menschen, die nicht in einem Haushalt wohnten, in einem Auto zusammen säßen und befürchteten, sich mit dem Coronavirus anzustecken. „Sie haben zum Teil Familie, das ist belastend“, sagt Lettenbauer. Deshalb plädiert er an die Sportler, lieber zum Joggen statt zum Paddeln oder Surfen zu gehen.

Der Kite-Surfer war am Sonntag bereits verschwunden, als die Retter eintrafen. Der Stand-up-Paddler (42) vom Ostufer war sich zwar keiner Schuld bewusst, wie Lettenbauer beobachtet hat. Nach der Seeüberquerung habe der Mann auf seine Frau gewartet, die ihn abholte. „Angesichts der Rettungskräfte war er aber peinlich berührt und einsichtig“, so Lettenbauer. Auch die Polizei sei gekommen, weil sie die Rettungsleitstelle alarmiert habe. „Grundsätzlich hat der Mann alles richtig gemacht“, stellt auch Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek fest. „Aber es ist unglücklich für alle anderen.“

Der Leiter der BRK-Kreiswasserwacht, Markus Schmolz, und DLRG-Chef Kohlenz wollen solche Situationen künftig vermeiden. Deshalb haben sie sich zusammengetan und einen Brief an die Fachabteilung im Landratsamt geschickt. „Wir haben das Landratsamt aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen“, sagt Schmolz. Er stellt sich eine Allgemeinverfügung vor, die die Nutzung der Seen während der Corona-Krise einschränkt. Landratsamtssprecherin Barbara Beck bestätigt den Eingang des Schreibens. „Wir prüfen das“, sagt sie.

Schmolz hofft auf eine gute Lösung. Er weiß, dass eine eigentlich banale Situation für Außenstehende gefährlich wirken kann. In Erinnerung ist ihm ein Einsatz geblieben, bei dem ein Mann neben seinem Surfbrett im Wasser strampelte. Es habe so gewirkt, als sei er in Not. „Dabei hat er in der Sommerhitze nur seine Hose ausgezogen.“ Auch das sei ein durchaus vermeidbarer Einsatz gewesen. Angesichts der aktuellen Temperaturen der Luft und des Wassers müsse ohnehin niemand Wassersport treiben, findet der ehrenamtliche Helfer. „Da wird es schnell kritisch.“

Lesen Sie hier:

Die neuesten Entwicklungen in der Corona-Krise im Landkreis Starnberg in unserem Liveticker.

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