Dem Landkreis wurde erneut das Prädikat „Fahrrad-freundliche Kommune“ verliehen.
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Dem Landkreis wurde erneut das Prädikat „Fahrrad-freundliche Kommune“ verliehen.

Prädikatsverleihung

Landkreis ist „Fahrrad-freundliche Kommune“ - Scharfe Kritik von ADFC und VCD

  • VonMichael Stürzer
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Die erneute Verleihung des Prädikats „Fahrrad-freundliche Kommune“ an den Kreis sorgt bei Interessenverbänden für Unmut. ADFC und VCD kritisierten die Anerkennung scharf.

Landkreis – Dass der Landkreis weiter als „Fahrradfreundliche Kommune“ gilt, stößt dem Allgemeinden Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) sauer auf. „Wie konnte das passieren?“, fragt VCD-Kreischef Heinrich Moser. Denn: Laut einer Umfrage des Clubs stuften vier von fünf Teilnehmern den Landkreis Starnberg als „wenig oder gar nicht fahrradfreundlich“ ein. „Eine Sammlung haarsträubender Erfahrungsberichte zeigt exemplarisch die Mängel auf“, findet Moser. ADFC-Kreischef Anton Maier bemängelt, dass weiter anderem Vorrang eingeräumt werde: „Die Priorisierung des Kfz-Verkehrs bei allen Straßenbaumaßnahmen verhindert gute Lösungen für den Rad- und Fußverkehr und steht damit einem fahrradfreundlichen Landkreis entgegen. Dies ist der Hauptkritikpunkt an der Rezertifizierung!“

„Fehlende Zuständigkeit im Landratsamt ist einer der Gründe, warum viele Mängel im Radverkehrsnetz nicht oder nur schleppend beseitigt werden“, erklärte Moser. Zwar müssten die Gemeinden Maßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs leisten, doch kann der Landkreis in Mosers Augen viel mehr tun – wie beim Linienbusverkehr, bei dem die Zuständigkeiten ähnlich seien und der Landkreis erfolgreich arbeite. „Ein vergleichbares Engagement und dieselbe Womanpower für den Radverkehr könnte sehr viel mehr Fahrradfreundlichkeit bewirken“, erklärte der VCD-Chef mit Blick auf die Akteure. Die Gemeinden bräuchten dringend mehr Koordination, Motivation und Expertise. Beim Landkreis gebe es noch mehr „Luft nach oben“, etwa bei der mangelhaften Ausschilderung, beim in der Umsetzung des nicht ansatzweise zeitgemäßen Mängelmelders, bei der „quälend langsamen“ Umsetzung des Alltagsradroutennetzes oder bei Radschnellwegen, bei denen man Kommunen mit hohen Raum- und Kostenanforderungen verschrecke. „All diese gravierenden Mängel sind für die Bewertungskommission der AGFK bei einer eintägigen Bereisung natürlich nicht erkennbar, denn formal hat der Landkreis viel für den Radverkehr getan. Davon haben die häufig Radfahrenden aber nichts.“ Moser erkennt aber auch Positives: Radfahrern werde beliebter, auch bei Politikern, es gebe breite Unterstützung und die Einsicht, dass es eine Mobilitätswende brauche.

Angaben zu Wegen werden laut ADFC-Kreischef Anton Maier, mit äußerst geringem Nachdruck aktualisiert

ADFC-Kreischef Anton Maier bewertet die Information über die Vorteile des Radfahrens positiv – die Angaben zu den Wegen würden aber nur „mit äußerst geringem Nachdruck aktualisiert“. Der ADFC habe rund 500 Fehler in der Beschilderung aufgelistet, 100 davon sind fast zehn Jahre alt. Teile des Alltagsradroutennetzes seien bei Bedenken der Gemeinden einfach nicht weiterverfolgt worden, etwa Steinebach- Weßling, Hanfeld-Hausen und Unterbrunn-Gilching – obwohl dort nur wenig zu machen gewesen wäre. Einige Initiativen wie Leihräder, auch von der Wirtschaftsfördergesellschaft gwt, würden anerkannt. Aber: „Das Landratsamt leistet sich eine große Schwachstelle, wenn Anfragen an die Radverkehrsbeauftragte unbeantwortet bleiben, der Mängelmelder nicht funktioniert und beispielsweise bei Verkehrsanordnungen zu Baustellenumleitungen der Radverkehr regelmäßig vergessen wird.“

Landrat Stefan Frey betont hingegen, der Landkreis tue schon einiges, aber es könnte immer besser sein. Beide Verbände könnten Radfahrer-Interessen vertreten, er wolle alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Er kündigte eine Umstellung in der Abteilung des Landratsamtes an, so der Kreistag beim Personal mitmacht, und Prioritäten beim Radwegebau. Der dauere zudem seine Zeit: „Das ist ein mühsames Prozess.“

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