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Üppig und von den Seestubn-Gästen heiß begehrt: Wegen seines Kaiserschmarrns ist Wirt Gerhard Völkl weit über Starnberg hinaus bekannt. Selbst die österreichischen Mehlspeisen-Könige haben sich für seine Variante interessiert.

Gastronomie

Seestubn-Wirt sagt wegen der Enkel Servus

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Der Landkreis Starnberg sucht für die „Seestubn“ im Erholungsgebiet Percha einen neuen Pächter. Der bisherige Wirt Gerhard Völkl und seine Frau Brigitte haben vertragsgemäß im vorigen Herbst gekündigt und wollen ab 1. April kürzer treten.

Percha– Auch Gerhard Völkl (61) hat die Grippewelle erwischt. Der Starnberger Gastronom musste am Montag und gestern die „Seestubn“ in Percha schließen und daheim das Bett hüten. Heute möchte er wieder am Herd stehen, die in der Pfanne gebackene Eier-Mehl-Masse zu Kaiserschmarrn zerpflücken und seine Fischsuppe ansetzen, für die er weit über Starnberg hinaus bekannt ist.

Seine Tage in den „Seestubn“ sind allerdings gezählt. Ende März hängt er die Kochjacke an den Nagel – vorerst. Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur klang gestern etwas Wehmut aus Völkls Worten. „Eigentlich schade, dass bald Schluss ist.“ Denn in den vergangenen Tagen und Wochen waren seine beiden Enkel, ein dreieinhalbjähriges Zwillingspärchen, häufiger bei ihm in der Küche und sind dem Opa zur Hand gegangen. Mit Begeisterung nicht nur bei den Kindern, sondern auch beim Großvater: „Die haben eifrig im Teig für den Kaiserschmarrn gerührt und fragten ständig, was sie sonst noch tun können.“

Es klingt paradox: Gerade wegen der Enkel will sich der 61-Jährige aus dem Tagesgeschäft zurückziehen: „Wir haben uns in den zurückliegenden Jahren zu wenig um die Familie gekümmert und auch die Enkel zu sehr vernachlässigen müssen.“ Das soll jetzt anders werden.

Dabei wäre der gastronomische Nachwuchs aus der eigenen Familie bei Völkls gar kein Novum. Sohn Gerhard hat auf Anraten und Betreiben seiner Mutter 1970 eine Kochlehre begonnen. Die Mutter war viele Jahre als Bedienung in verschiedenen Betrieben tätig, war bei den Gästen beliebt und kannte sich in der Gastronomie bestens aus.

Im „Drei Löwen“ in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs hat Völkl seine Kochlehre absolviert. Danach war er drei Jahre bei „Käfer“ beschäftigt, es folgte ein Engagement im Wirtshaus „Zur weißblauen Rose“ am Marienplatz. Anschließend schaffte der gebürtige Starnberger sieben Jahre bei Dallmayr in der Küche. Nach einer kürzeren Episode im Promi-Bistro „B 21“ in Schwabing übernahm Gerhard Völkl Mitte der 1980er-Jahre die Gastronomie im Starnberger Tennispark. Die Frau Mama stand als Bedienung ihrem Sohn zur Seite. Und sie ließ sich vom damaligen Landrat Dr. Rudolf Widmann vor den Karren spannen, als der für die landkreiseigenen „Seestubn“ in Percha einen neuen Wirt suchte. Die Mutter trat beim Sohnemann offene Türen ein. Denn Gerhard Völkl hatte erkannt, dass der Golfsport dem Tennis den Rang abgelaufen hatte, das wirkte sich auch auf die Besucherzahlen im Tennispark-Restaurant aus. So ließ er sich nach sieben Jahren Pächterdasein an der Gautinger Straße auf das Angebot des Landrats ein. „Das ging damals noch viel einfacher, da konnte der Landkreischef selbstherrlich entscheiden, wem er den Betrieb des Lokals im Erholungsgebiet übergibt“, erinnert sich Völkl. „Heute muss das hochoffiziell ausgeschrieben werden.“

23 Jahre hat Völkl die „Seestubn“ samt Kiosk und Sonnenterrasse geleitet. Im Sommer war das Lokal Anlaufstelle für eine bunte Schar von Gästen: Sonnenanbeter von der benachbarten Liegewiese, Passanten und auch das eine oder andere prominente Gesicht, das gezielt Völkls Reich ansteuerte. Oder eher beiläufig einkehrte und dann immer wieder gerne kam, wie die Schauspieler Mario Adorf und Andreas Giebel oder die Torwartgrößen Oli Kahn und Jens Lehmann. „Mit dem einen hat man sich ein bisserl angefreundet, mit dem anderen eher nicht“, sagt Völkl.

Ruhiger wurde es in den „Seestubn“, wenn der Herbst Einzug gehalten hatte. Auch im Frühjahr hatten Völlkls manche Durststrecke zu überstehen. „Das ist etwas anderes, wenn du Eigentümer eines Lokals bist, aber als Pächter musst du die Pacht vertragstreu bezahlen, ganz gleich wie das Geschäft läuft“, sagt Völkl.

Was macht der Gastronom nach dem Abschied von den „Seestubn“? An erster Stelle kommt die Familie mit den zwei Kindern und den Enkeln. Und dann ist Völkl nicht abgeneigt, sich mit Fischsuppe und Kaiserschmarrn, der dem österreichischen Fernsehen schon einen Beitrag wert war, in einem anderen Lokal einzubringen. „Vielleicht zwei- bis dreimal die Woche“, sagt der 61-Jährige. „Gute Fachkräfte sind in der Gastronomie sehr nachgefragt.“ Anfragen gibt es schon, verrät Völkl: „Aber noch ist nichts spruchreif.“

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