1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Starnberg

Weniger Lebensmittel, mehr Bedürftige: So geht es den Tafeln im Landkreis

Erstellt:

Von: Laura Forster

Kommentare

Derzeit auf Spenden angewiesen: das Team des „Tischlein deck dich“ in Tutzing (v.l.) Peter Przybilla, Gitta Ciesla, Günther Thallmair, Ana Regensperger, Josef Schüffner, Christl Höfler, Bernd Bösch, Leiterin Caroline Krug, Elke Tuchenhagen und Maria Reitinger.
Derzeit auf Spenden angewiesen: das Team des „Tischlein deck dich“ in Tutzing (v.l.) Peter Przybilla, Gitta Ciesla, Günther Thallmair, Ana Regensperger, Josef Schüffner, Christl Höfler, Bernd Bösch, Leiterin Caroline Krug, Elke Tuchenhagen und Maria Reitinger. © andrea jaksch

Erst die Corona-Pandemie, dann der Ukraine-Krieg mit Inflation und steigenden Lebenshaltungs- und Energiekosten: Bei den Tafeln im Landkreis kommen die Krisen direkt an. Weniger Lebensmittel treffen auf deutlich mehr bedürftige Menschen.

Landkreis – Fast verdoppelt hat sich die Zahl der Gäste der Starnberger Tafel in den vergangenen Wochen. Statt rund 300 Bürgern kommen nun gut 550 einmal die Woche zur Ausgabestelle an der Kaiser-Wilhelm-Straße. „Wir haben richtig viel zu tun“, sagt Erika Ardelt. Laut der Tafel-Vorsitzenden sind 95 Prozent der Neuzugänge Ukrainerinnen und Ukrainer, die aus dem Kriegsgebiet nach Starnberg geflüchtet sind. Aber auch immer mehr Einheimische brauchen Unterstützung.

„Einige Leute kommen mit dem engen Geldbeutel langsam in Nöte“, sagt Ardelt. Grund sind die steigenden Preise bei Lebensmitteln, aber auch Heiz- und Spritkosten. „Das wird auch noch einige Zeit anhalten, denke ich. Da kommt noch einiges auf uns zu.“

Während die Gäste immer mehr werden, nimmt die Menge der gelieferten Produkte ab. „Wir bekommen immer weniger. Das ist ein Problem“, so die Vorsitzende. Da die Tafel in Starnberg damit nicht allein ist, hat der Bundestafelverband die Ausnahme bewilligt, Geldspenden anzunehmen (wir berichteten). „Eigentlich ist der Gedanke der Tafel ja, Lebensmittel weiterzugeben, die sonst weggeworfen werden. Aber wir befinden uns in einer speziellen Situation“, sagt Ardelt. Bis 31. Juli gilt diese Sonderregelung, dann muss das Team nach neuen Lösungen suchen. Besonders freut sich die Vorsitzende über die große Spendenbereitschaft. Neben Privatpersonen, Firmen, Charity-Vereinen und dem Landesverband der Tafeln unterstützt auch der Landkreis die gemeinnützige Organisation. „Das hilft uns zurzeit wirklich sehr.“ Auch die Gäste sind dankbar für das Angebot der Tafel. „Zwei Ukrainerinnen, die gut Englisch sprechen, sind während der Ausgabe immer dabei und übersetzen uns“, so Ardelt.

Ähnlich wie in Starnberg sieht es auch beim „Tischlein deck dich“ in Tutzing aus. Die Zahl der Gäste der Tafel, die ein Projekt der Ambulanten Krankenpflege, der katholischen Pfarrgemeinde St. Joseph und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde ist, ist von rund 30 auf etwa 80 angestiegen. „Die Lebensmittel reichen leider bei weitem nicht“, sagt Caroline Krug vom Leitungsteam. „Wir müssen einiges dazukaufen, deshalb sind wir auf Spenden angewiesen.“ Sowohl die Gemeinde als auch der Landkreis unterstützten die Tutzinger Tafel. „Sonst würde es nicht gehen.“

Personell sei das „Tischlein deck dich“ zwar nicht schlecht aufgestellt, das Alter der Ehrenamtlichen bereitet Krug jedoch Sorgen. „Die meisten sind zwischen 75 und 80 Jahre alt. Es fehlt der Nachwuchs“, sagt sie. Auch die Tafel in Gilching sucht derzeit wieder nach Helfern, die die Supermärkte abfahren und die Waren zur Ausgabestelle an der Pollinger Straße bringen. „Da können wir mehr Unterstützung gebrauchen“, sagt Leiterin Gudrun Müller und erklärt: „Es sind nur ein Führerschein und etwas Kraft zum Kisten tragen nötig.“

Zwischen 30 und 50 Bürger kommen wöchentlich zur Ausgabe nach Gilching. „Die Zahl variiert stark. „Am Monatsanfang kommen weniger, zum Ende hin werden es mehr“, sagt Müller, die seit 2003 die Tafel leitet. Auch sie und ihr Team von 25 Helfern merken einen Anstieg der bedürftige Menschen in der Gemeinde. „Es kommen immer wieder Neue dazu – sowohl Einheimische als auch Flüchtlinge.“

Auch interessant

Kommentare