Übung Dampferbrand Starnberger See 2008
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Vor 13 Jahren wurde am Starnberger See einmal für einen Notfall oder Brand auf einem Dampfer geübt. Damals zeigte sich: Die vorhandenen Boote sind zu klein.

Feuerwehren sehen Defizite

Landkreis will Löschboot für den Starnberger See

Der Landkreis hat beim Freistaat ein großes Katastrophenschutzboot für den Starnberger See beantragt, das in Starnberg stationiert würde. Die Feuerwehren fürchten, bei einem Brand eines Dampfers mit ihren Booten auf verlorenem Posten zu stehen. Die EMS Berg macht die Lage nicht einfacher.

Starnberg – Landrat Stefan Frey hat an Innen- und Heimatministerium geschrieben und die Beschaffung eines großen Katastrophenschutzbootes für den Starnberger See beantragt. Feuerwehrboote gibt es, auch welche des Landkreises – sie sind aber für die Brandbekämpfung zu klein, zum Teil kommt man von ihnen nur schwer auf die Schiffe der Seenschifffahrt. Diesen Fakt hatten Experten der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried schon nach einer Katastrophenschutzübung 2008 festgestellt – angenommen worden war ein Brand auf einem Dampfer, der „Bernried“. Durch die Indienststellung des größten Elektropassagierschiffs in Deutschland, der EMS Berg, ist die Lage noch erschwert worden.

Starnbergs federführender Kommandant Markus Grasl befasst sich seit einiger Zeit mit den Kapazitäten – wegen des in Arbeit befindlichen Feuerwehrbedarfsplanes für die Stadt, der Anforderungen analysiert, aber auch wegen B 2-Tunnel oder Gewerbegebiet Schorn. Die Schiffsbrandbekämpfung erwies sich nicht erst dabei als Herausforderung. Im Bericht über die Übung 2008 stehe schon, dass es am See kein zur Brandbekämpfung geeignetes Feuerwehrboot gebe, sagt Grasl. Hauptgrund: Die Boote sind eher klein, die Bordwände der Dampfer aber hoch. Am Chiemsee gebe es ein entsprechend großes Boot, das man sich auch angeschaut habe, erklärt Grasl. An einem solchen führt seiner Meinung nach für den Starnberger See kein Weg vorbei.

Elektroschiff bereitet Feuerwehren Kopfzerbrechen

Kreisbrandrat Peter Bauch pflichtet ihm bei. „Wir müssen von der größtmöglichen Gefahr ausgehen“, sagt er, Der Starnberger See habe nach den maximalen Passagierzahlen die größte Flotte in Bayern – es sind mehr als 2500 auf allen Schiffen. Zwar sehe das Sicherheitskonzept vor, dass Dampfer bei einem Notfall oder Brand den nächsten Steg anlaufen oder im Extremfall einfach das nächste Ufer, das heiße aber nicht, dass auch alle Menschen von Bord gebracht werden könnten. Falle der Antrieb komplett aus, treibe der Dampfer auf dem See. Dann kommen ihm andere Passagierschiffe zu Hilfe, aber auch Wasserretter und Feuerwehren. Deren Boote, sagt auch Bauch, seien aber zu klein, um schnell an Bord gelangen zu können.

Die neue EMS Berg ist nach Einschätzung von Grasl und Bauch ein „schwimmender Hochvoltspeicher“, den man im Brandfall nicht einfach löschen kann. „Wir haben mit Akkus Erfahrung“, sagt Bauch vielsagend und mit Blick auf Brände von Elektrobooten in der Vergangenheit. So brannte einmal ein E-Boot in Percha, das zur längerfristigen Kühlung geflutet werden musste. E-Antriebe haben die Eigenschaft, unter Umständen immer wieder zu brennen. Nächster Punkt: Die Feuerwehren kennen die EMS nur von Bildern, eine Begehung durch die Retter habe es bisher nicht gegeben, sagen Bauch und Grasl. Das gilt auch für Wasserretter wie die DLRG, die im Ernstfall die Passagiere abholen würden. Daran wird nach Angaben der Seenschifffahrt aber gearbeitet. Damit die Feuerwehr wisse, was sie brauche, sagt Schifffahrtsgeschäftsführer Michael Grießer.

Die Seenschifffahrt treffe generell auf ihren Schiffen von Haus aus viele Schutzmaßnahmen, betont Grießer – etwa durch schwer brennbare Materialien, getrennte Maschinenräume (damit die Schiffe manövrierfähig bleiben) und mehr. Auch die EMS Berg habe getrennte Batterieräume, sodass sich bei einer Havarie im einen der andere weiter nutzen lässt.

Innenministerium sammelt derzeit Anträge

Das Landratsamt bestätigte das Schreiben an die beiden Ministerien, wobei auch die Inbetriebnahme der EMS Berg eine Rolle spielt. Über die Stadt und deren Bürgermeister Patrick Janik war die Angelegenheit zum Landrat gelangt. Das Schreiben war Mitte Mai abgeschickt worden. Das Innenministerium bestätigte auf Anfrage den Eingang. Eine Sprecherin erklärte: „Der Landkreis Starnberg hat einen entsprechenden Antrag auf Förderung eines Katastrophenschutzbootes gestellt. Die Förderanträge aus dem Investitionsprogramm Katastrophenschutz Bayern 2030 werden zunächst bis zum Stichtag Ende Juni gesammelt und danach ausgewertet und geprüft.“

Markus Grasl hat konkrete Vorstellungen für die praktische Umsetzung. Das Löschboot müsste bei der Werft in Starnberg in einer Bootshütte untergebracht werden, Unterhalt und Betrieb sollte von der Schifffahrt finanziert werden – und damit vom Freistaat, denn die Seenschifffahrt gehört ihm (wie See übrigens auch). Auf dem Werftgelände ist auch die Bootshütte der Polizei untergebracht. Die Besatzung des Bootes würde die Feuerwehr Starnberg stellen, denn auf Basis der Empfehlungen von Experten nach der Übung 2008 sei die sogenannte Stoßtrupptaktik sinnvoll, bei der mehrere Löschtrupps gleichzeitig die Hauptgefahr, den Brand und dessen Rauch, bekämpfen, da die potenziell vielen Betroffenen nicht alle gleichzeitig gerettet werden können (Menschenrettung durch Brandbekämpfung) – bei einem Zimmerbrand beispielsweise wird in der Regel erst gelöscht, wenn die Menschen gerettet sind. Die Stoßtrupptaktik übt die Starnberger Wehr schon seit einiger Zeit, weil sie im B 2-Tunnel für Grasl Mittel der Wahl ist.

Ob und wann ein solches Boot auf dem Starnberger See im Einsatz sein wird, ist nicht absehbar. Grasl sieht bei der Finanzierung jedenfalls kein Problem; zur Not müsste man einige Sicherheitscent bei den Fahrpreisen aufschlagen, findet er.

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