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Landrat sieht keinen anderen Weg: Zweite Turnhalle für Ukraine-Flüchtlinge im Kreis Starnberg

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Von: Laura Forster

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Weitere Großunterkunft: Ab 8. April sollen auch in der Sporthalle in Hechendorf Flüchtlinge unterkommen. 
Weitere Großunterkunft: Ab 8. April sollen auch in der Sporthalle in Hechendorf Flüchtlinge unterkommen.  © Andrea Jaksch

Täglich kommen 50 bis 100 Ukraine-Flüchtlinge im Landkreis an. Ab Freitag folgen wöchentliche Zwangszuweisungen von der Regierung von Oberbayern. Landrat Stefan Frey sieht keinen anderen Weg, als auf weitere Turnhallen zurückzugreifen. Die Kreisverwaltung arbeitet derweil auf Hochtouren.

Landkreis – Rund 1100 Flüchtlinge aus der Ukraine sind bereits im Landkreis Starnberg anbekommen, die Zahl steigt täglich. „Wir haben ein sehr stark zunehmendes Flüchtlingsgeschehen“, sagte Landrat Stefan Frey in der Kreisausschusssitzung am Donnerstag. Zwischen 50 und 100 Ukrainerinnen und Ukrainer kommen täglich im Fünfseenland an. Ab Freitag erwartet Frey außerdem zweimal pro Woche jeweils 50 Kriegsflüchtlinge, die aus München per Zwangszuweisung der Regierung von Oberbayern in den Kreis gebracht werden.

„Wir nehmen Tag für Tag Flüchtlinge auf. Das machen wir gerne, doch es fehlt ein funktionierendes Verteilungssystem. Das ist ein Appell an die Bundesregierung, damit die Landeshauptstadt und der Ballungsraum München wieder Luft zum Atmen bekommen“, sagte der Landrat. Derzeit seien etwa 800 Ukrainerinnen und Ukrainer privat untergebracht, die restlichen Leute verteilen sich auf öffentliche Einrichtungen wie die Jugendherberge in Possenhofen, den BRK-Mehrgenerationen-Campus in Gauting oder die zuletzt als Flüchtlingsunterkunft eröffnete Turnhalle der Gilchinger Mittelschule. Letztere dient als Erstaufnahme-Einrichtung für die Ankommenden. Die Flüchtlinge werden dort registriert, ärztlich untersucht und bleiben so lange, bis das Landratsamt sie in weitere Unterkünfte vermittelt – doch der Platz könnte schon bald knapp werden.

Ab 8. April: Turnhalle in Hechendorf wird Unterkunft für Geflüchtete

Deshalb „werden wir auf weitere Turnhallen zurückgreifen müssen“, so Frey. Ab Freitag, 8. April, sollen in der Sporthalle in Hechendorf Ukrainer einziehen. „Ich weiß, dass der Standort wieder im westlichen Landkreis liegt. Es ist jedoch nicht so, dass sich die anderen Gemeinden drücken“, betonte Frey. Das Landratsamt lasse alle Turnhallen prüfen, ein großer Teil wäre aufgrund von zu wenig sanitären Anlagen, der Infrastruktur oder der Catering-Möglichkeit jedoch nicht als Erstaufnahme-Einrichtung möglich. „Jetzt heißt es: Bauzäune, Doppelstockbetten und Verpflegung organisieren und besorgen“, so der Landrat. Für die ärztliche Erstuntersuchung der Flüchtlinge plant Frey eine Art „Medicenter“, das als Anlaufstelle von beiden Turnhallen genutzt wird.

„Die Hilfsbereitschaft ist wirklich enorm, und ich hoffe, dass das auch so bleibt“, sagte Frey. Es könne jedoch sein, dass das Engagement mit der Zeit abflacht, „und die Flüchtlinge dann vor unserer Tür stehen“. Deshalb müsse vorausschauend gehandelt werden. „Das ist ein riesiger Kraftakt für das Haus“, so der Landrat. Während seine Mitarbeiter bereits seit Wochen versuchen, alles anzumieten, was sich irgendwie als mögliche Unterkunft eignet, ist Frey bereits wegen zwei weiteren Turnhallen mit den zuständigen Bürgermeistern im Gespräch.

Auf die Frage von Wilhelm Boneberger (FDP), wie es mit dem Beschäftigungsstatus der Flüchtlinge aussehe, antwortete Frey: „Wer arbeiten will, der kann das machen. Die Arbeitsagentur vermittelt.“ Ein Drittel der Ankommenden seien jedoch Kinder, der Rest Frauen und ältere Menschen.

„Das nächste Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssen, heißt dauerhafter Wohnraum für Menschen schaffen, die hier bleiben wollen, wenn sie Wurzeln geschlagen haben“, sagte Frey. „Da müssen wir schnell entscheiden. In einem halben Jahr ist es zu spät.“

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