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Bei Frage 1 von 5 gescheitert: Landtagskandidat Matthias Vil smayer (l.) von den Freien Wählern war sich mit Michael Siejna aus Starnberg beim Thema Religion und Politik uneins. Beide freuten sich aber über eine faire Diskussion. 

Serie zur Landtagswahl: 30 Minuten mit...

Quizduell an der Haustüre

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Wir begleiten die Landtagskandidaten unseres Stimmkreises bei ihrem Wahlkampf – exakt eine halbe Stunde, die Aktion schlägt der Politiker vor. Heute: Matthias Vilsmayer (Freie Wähler) beim Haustürwahlkampf.

Starnberg – Die alte Dame kommt nicht aus Bayern, eine andere lehnt den Flyer ab, weil er von den Freien Wählern ist. „Ich mache seit 20 Jahren Vertrieb“, sagt Matthias Vilsmayer (46), lacht und winkt ab. Den Landtagskandidaten der Freien Wähler kann beim Haustürwahlkampf an diesem Abend auf der Maximilianstraße in Starnberg so schnell nichts beeindrucken. Da wusste der Gilchinger aber noch nicht, dass er auf Michael Siejna (65) trifft.

Siejna überlegt sich vor jeder Wahl fünf Fragen

Fünf Fragen überlege er sich vor jeder Wahl, sagt der ehemalige Bundeswehrler Siejna. Vilsmayer geht mit einem kleinen Bonus in das Quiz, Siejna hatte sich schon mal für die Freien Wähler entschieden. „Was machen die Freien Wähler dagegen, dass Nicht-Katholiken unterdrückt werden?“ Söder sei mit seinem Kreuz-Erlass in ein Fettnäpfchen getreten. „Ich fand die Anordnung völlig unnötig“, antwortet Vilsmayer. „Aber ich würde mich nicht für das Abhängen oder Aufhängen von Kreuzen einsetzen.“ Siejna: „Also sind Sie für gar nichts.“ Vilsmayer schnauft das erste Mal durch. Eine kurze Einigkeit („Politik sollte sich da raus halten“) ist drei Sekunden später wieder dahin. 

Siejna bezeichnet sich selbst als „frei“ und möchte, dass es keinen Religionsunterricht an Schulen gibt, Vilsmayer ist für den Unterricht. Sein Steckenpferd sei aber die Digitalisierung, gibt er zu bedenken. „Das war nur meine erste Frage“, warnt Siejna. „Sie sind leider durchgefallen.“ Ein Lob für den Freie-Wähler-Kandidaten gibt es dennoch: „Sie sind der erste Politiker in 30 Jahren, der an meiner Tür klingelt. Und Sie sind ehrlich. Respekt.“

„Die Freien Wähler werden oft vergessen“

Vilsmayer setzt auf sein Fachwissen in der Digitalisierung. „Im Landtag reden viele darüber, haben aber gar keine Ahnung davon“, sagt er. Der Gilchinger ist Geschäftsführer eines ITK-Unternehmens (Informations- und Telekommunikationstechnik). Es ist nicht leicht, das den Wählern zu vermitteln. Vilsmayer geht einige Treppen in Starnberger Mehrfamilienhäusern auf und ab. So wie sich die CSU-Kandidaten von Bürgern Vorwürfe wegen Söder oder Seehofer anhören müssen, wird Vilsmayer oft auf seinen Parteivorsitzenden Hubert Aiwanger angesprochen. „Er ist omnipräsent.“ Die meisten Ansätze teile er, der Gilchinger gibt aber zu: „Er ist nicht jedermanns Sache.“ Er selbst wolle sich ohne Partei kommunal einsetzen. „Rot oder Schwarz, da hast du gleich Feindbilder. Das wollte ich nicht.“ Das Problem: „Die Freien Wähler werden oft vergessen. Dabei sind wir seit zehn Jahren drittstärkste Kraft in Bayern.“

Ein 25-Jähriger, der immer die CSU wählt, eine Österreicherin, die nicht wahlberechtigt ist, ein Mann, der erst noch essen möchte, ein anderer, der sich den Flyer später mal ansehen will – ein durchschlagender Erfolg ist der Wahlkampf für Vilsmayer an diesem Abend nicht. „Es macht aber eigentlich schon Spaß“, sagt er. Haustürwahlkampf sei auch nur ein Mosaikstein. „Die Gespräche sind interessant.“ Auch wenn er sich manchmal sicher ist, dass er die Stimme des Gesprächspartners nicht bekommt – so wie beim ehemaligen Bundeswehrler Siejna. Lacher gibt es trotzdem. „Die größte Fraktion ist die der Nicht-Wähler“, hatte Siejna irgendwann gesagt. Vilsmayer: „Ein richtiger Nicht-Wähler ist für mich der, der hingeht und auf dem Wahlzettel alles durchstreicht.“ Siejna: „Provozieren Sie mich nicht.“ Beide lachen.

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