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Gipfeltreffen in Starnberg: Der IHK-Chef im Landkreis, Martin Eickelschulte (2.v.l.), mit den Landtagskandidaten Dr. Ute Eiling-Hütig (CSU), Anne Franke (Grüne), Matthias Vilsmayer (Freie Wähler) und Britta Hundesrügge (FDP, v.l.). SPD-Kandidatin Christiane Kern steckte in der S-Bahn fest und war deswegen beim Fototermin verhindert.

Landtagswahl 2018

Wo Unternehmern der Schuh drückt

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Erstes Gipfeltreffen vor der Landtagswahl in gut drei Monaten: Der IHK-Regionalausschuss Starnberg hatte fünf Direktkandidaten zur Diskussion geladen. Es ging um Themen wie Fachkräftemangel oder überbordenden Bürokratismus.

Landkreis – Die Auftragsbücher sind voll, die Arbeitslosenquote ist so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr – alles bestens also bei der heimischen Wirtschaft? Ja, aber ... Vor allem mit Blick in die Zukunft zeichnen sich Probleme ab, wie bei der Diskussion deutlich wurde, zu der der IHK-Regionalausschuss am Donnerstagabend eingeladen hatte. „Der Fachkräftemangel wird in den nächsten fünf Jahren spürbar werden“, warnte der Vorsitzende der Mittelstandsunion, Manfred Herz. „Warum gibt es bei der Umsetzung der 3+2-Regelung so viele Probleme?“, ärgerte sich Kreishandwerksmeister Ludwig Gansneder über die Schwierigkeiten bei der Beschäftigung von Flüchtlingen.

Die beiden gehörten zu dem guten Dutzend Wirtschaftsführer aus dem Landkreis, denen fünf Politiker gegenübersaßen, die sich bei der Landtagswahl am 14. Oktober um das Direktmandat im Stimmkreis Starnberg bewerben: Dr. Ute Eiling-Hütig (CSU), Christiane Kern (SPD), Matthias Vilsmayer (Freie Wähler), Anne Franke (Grüne) und Britta Hundesrügge (FDP).

Stichwort Fachkräftemangel: „Wir generieren Abiturienten noch und nöcher, die dem Handwerk nicht mehr zur Verfügung stehen“, sagte Martin Brouer, stellvertretender Schulleiter des Staatlichen Beruflichen Zentrums Starnberg. Eine Tendenz, die auch Anne Franke und Ute Eiling-Hütig kritisch sahen. Christiane Kern sprach sich dafür aus, gut ausgebildete Frauen nach einer Babypause schneller in die Betriebe zurückzuholen. Dafür müssten mit flexiblen Arbeitszeiten und Angeboten zur Kinderbetreuung die Strukturen geschaffen werden. Matthias Vilsmayer sprach sich generell für kostenlose Kindergartenplätze in ganz Bayern aus. „Das würde uns gut zu Gesicht stehen.“ Britta Hundesrügge warb für das duale Studium, bei dem junge Menschen parallel zur Berufsausbildung eine Hochschule besuchen. Während auch Wolfgang Schneider, Vorstand der Raiffeisenbank Gilching, darin Chancen sah, bewertete der Obermeister der Zimmererinnung, Leopold Göring, das duale Studium kritisch. „Ich brauche keine Bauingenieure, sondern Zimmerer, die einen Dachstuhl aufstellen können.“

Mittelstandschef Herz regte an, verstärkt auf Mitarbeiter im Rentenalter zu setzen – denen drohten bisher allerdings Rentenkürzungen. „Da stellen wir uns in Deutschland ungeschickt an“, sagte er und erntete Zustimmung. Eiling-Hütig brachte steuerliche Vorteile für Unternehmen ins Spiel, die auf solche Lösungen setzen. Hundesrügge will ein Renteneintrittsalter gleich ganz kappen. „Die Menschen sollten so lange arbeiten dürfen, wie sie wollen“, sagte sie. Kern zeigte sich „etwas gespalten“. Es gebe schließlich auch viele Menschen, die nicht länger arbeiten wollten oder könnten.

Stichwort Flüchtlinge: Die 3+2-Regel besagt, dass Asylbewerber ihre Berufsausbildung abschließen und anschließend zwei Jahre arbeiten dürfen, auch wenn ihr Asylantrag abgelehnt wird. Gansneder würde auf dieser Basis gerne einen jungen Mann aus Mali beschäftigen, dieser bekomme jedoch keine Arbeitsgenehmigung. „Ich könnte ihn gut gebrauchen, stattdessen dümpelt er in seiner Wohnung rum“, zeigte er sich von der Politik enttäuscht. „Die 3+2-Regelung funktioniert“, entgegnete Eiling-Hütig. Gebe es Probleme, liege immer ein bestimmter Grund vor. „Ich höre leider oft, dass sie nicht funktioniert“, sagte dagegen Franke und warb für ein Einwanderungsgesetz: „Dann können wir uns die Fachkräfte holen, die wir dringend brauchen.“

Stichwort Bürokratismus:In der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg würden sich zehn Mitarbeiter nur noch um regulatorische Dinge kümmern, ärgerte sich Vorstand Thomas Vogl. „Wir haben viel zu viel Bürokratismus aufgebaut“, bestätigte Vilsmayer und erinnerte an Dokumentationspflichten beim Mindestlohn. Das müsse geändert werden. „Ein bisschen Vertrauen gehört auch dazu“, sagte Hundesrügge. Müsse im Pflegebereich beispielsweise weniger dokumentiert werden, bleibe mehr Zeit für die Menschen. „Oft scheitern Dinge an der Haftungsfrage“, gab Eiling-Hütig zu bedenken. „Ich würde wahnsinnig gerne ganz viele Dinge pragmatisch regeln, aber das kriegt man juristisch nicht hin.“

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