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„Erntedank ist für die Bauernschaft ein großes Thema“: Kreisobmann Peter Zankl (3.v.r.) mit Ludwig Schüßler, Stefan Dellinger, Anita Painhofer, Christa Wagner und Thomas Müller (v.l.) beim Pressetermin am Freitag in Gilching – auf einem Blühstreifen, das die Bauern vor einem Maisfeld.

Landwirtschaft

„Es gibt keinen Grund zu jammern“

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Weniger Raps, dafür mehr Soja und alles in allem eine gute Ernte: Die Landwirte im Landkreis Starnberg ziehen eine positive Erntebilanz des Jahres. „Es gibt keinen Grund zu jammern“, sagten Kreisbäuerin Anita Painhofer und der Kreisobmann des Bauernverbandes, Georg Zankl, am Freitag unisono.

Landkreis – Der Stachel sitzt immer noch tief. Dass die Landwirte im Zuge der Diskussion um das Volksbegehren Artenvielfalt vielerorts an den Pranger gestellt wurden, hat sie schwer getroffen. Das Insektensterben sei „ein gesellschaftliches Problem“, sagte Kreisbäuerin Anita Painhofer und nannte Rasenroboter und zugepflasterte Vorgärten „tödlich für Insekten“. Zusammen mit dem Kreisobmann des Bauernverbands (BBV), Georg Zankl, und dessen Stellvertreter Stefan Dellinger stellte Painhofer am Freitag die Erntebilanz 2019 vor.

Und da durften das Volksbegehren und die Maßnahmen der Bauern nicht fehlen. In Gilching etwa, der Heimat Zankls und Painhofers, haben viele Landwirte entlang der Maisfelder einige Meter breite Blühstreifen angelegt mit heimischen Saaten: Phazelie, Senf, Steckrosen, Buchweizen, Klee, Ölrettich. „Wenn die Sonne scheint, wimmelt es da nur so von Insekten“, sagte Zankl. „Wir tun, was wir können“, betonte Painhofer.

So anstrengend die Diskussion für die Landwirte, so schwer war auch der Start ins Jahr. In den ersten vier Monaten bis April regnete es nur knapp 200 Millimeter, sagte Thomas Müller, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Weilheim des BBV, nach einer Auswertung der Wetterdaten der Station Rothenfeld. „Da hatten wir massive Befürchtungen“, sagte Zankl. Aber dann kam im Mai der Regen. „Wir hatten genügend Niederschläge“, sagte Zankl. „Die Ernteerträge sind entsprechend.“ Mit dem Getreide könnten die Bauern zufrieden sein, beim Mais erwartet Stefan Dellinger sogar „ein Superjahr“. Einen Zuwachs gibt es auch bei den Sojabohnen – allein schon deshalb, weil die Anbaufläche um mehr als 60 Prozent auf 183 Hektar innerhalb eines Jahres gestiegen ist.

Mit dem Anbau der wärmeresistenten Sojabohne, die zudem nicht viel Wasser braucht, gleichen die Bauern zunehmend die Mindererträge beim Raps aus. „Soja verträgt Hitzeperioden am besten“, sagte Zankl. Der gesteigerte Ertrag habe auch zur Folge, dass nicht mehr so viel Soja aus Nordamerika oder Brasilien importiert werden müsse. Insgesamt gebe es bei der Ernte heuer keinen Grund zu jammern, sagten Zankl und Painhofer.

Allerdings habe es durch den Pfingsthagel vereinzelt Schäden zwischen 80 und 100 Prozent gegeben, erklärte Dellinger. Die Zunahme extremer Wetterereignisse bestätigte auch Thomas Müller beim Blick in die Daten. Die Durchschnittstemperatur an der Station Rothenfeld liege bislang in diesem Jahr bei 10,7 Grad – 1,9 Grad über dem langjährigen Mittel. „Das Frühjahr geht mittlerweile drei bis vier Wochen früher los, und auch einen Herbst gibt es in dem Sinn nicht mehr“, sagte Zankl.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sinke übrigens pro Jahr um etwa drei Prozent, sagte Zankl, heuer von 411 auf 389. Einen Rückgang, den der BBV-Obmann auch für die nächsten Jahre erwartet – es sei denn, es komme ein Anbindeverbot beim Milchvieh. Dann befürchtet Zankl, dass noch mehr Landwirte aufgeben.

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