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Gewohntes Bild für Feuerwehrler: Häufig sind die Garagen der Einsatzfahrzeuge in Starnberg (Foto) und in Percha zugeparkt. 

Feuerwehren Starnberg und Percha

Lebensgefährlich: Ausfahrten der Feuerwehren dauernd zugeparkt

Die Feuerwehren in Starnberg und Percha haben laufend Probleme, ausrücken zu können – weil die Gerätehäuser zugeparkt sind. Grund sind Schulen in der Nähe, und deswegen sind Lösungen nicht einfach.

Percha/Starnberg – Die Feuerwehr Percha hat weiterhin massive Probleme mit einigen Autofahrern. Einem kleinen Teil, darunter auch Eltern aus Percha, hielt Kommandant Thomas Lang bei der Jahreshauptversammlung am Freitagabend eine „arrogante Ignoranz“ vor, weil sie auf dem Parkplatz am Gerätehaus regelmäßig die Garagen der Einsatzfahrzeuge zuparken. So bald wird sich das wohl auch nicht geben. In Starnberg ist die Lage fast gravierender, weil die Wehr mehr als 400-mal pro Jahr ausrückt. „Man muss sich den Weg manchmal freiblasen“, sagt der stellvertretende Kommandant Helmut Schweickart. Heißt: Das Martinshorn dröhnt aus den Garagen, damit die Autofahrer davor reagieren.

Im Umfeld des Starnberger Gerätehauses befinden sich Gymnasium, Grund- und Mittelschule sowie Kindereinrichtungen. Parkplätze sind sowieso knapp, und deswegen scheuen sich viele nicht, sich vor dem Gerätehaus auf die Ausfahrt zu stellen. „Wir sind ja schon froh, wenn die Leute im Auto sitzen bleiben“, meint Schweickart. Das ist nicht immer so – dann ruft die Wehr die Polizei. Abgeschleppt wird in Starnberg allerdings zumeist nicht. Das Phänomen tritt nur zu Schulzeiten morgens und mittags auf – in den Ferien ist der Vorplatz immer frei. Auch gesperrte Parkplätze an der Rheinlandstraße, die nur für Einsatzfahrzeuge freigegeben sind, werden als Kurzzeitparkplätze verwendet – auch das verschärft ein grundlegendes Problem der Wehr: Es gibt zu wenig Stellplätze für die Ehrenamtlichen, die bei einem Alarm zum Gerätehaus eilen. „Das Thema verstehen die Leute aber nicht“, so Schweickarts Erfahrung. Er bekam schon einmal die Antwort „Die Feuerwehr hat wohl nichts anderes zu tun“, als er einen Falschparker ansprach.

Gleiches Problem auch in Percha

Seit Jahren kämpft auch die Feuerwehr Percha mit dem Falschparker-Problem. Die Garagen der Einsatzfahrzeuge sind im Komplex mit der Mehrzweckhalle an der Berger Straße untergebracht, den Parkplatz teilen sie die Ehrenamtlichen mit der Grundschule nebenan. Immer wieder parken Fremde oder auch mal Eltern direkt vor den Garagen. „Da muss was passieren, das ist kein Zustand“, schimpfte Kommandant Lang. Die Feuerwehrler wollen sich auch nicht dumm anreden lassen, wenn sie Autofahrer darauf hinweisen. Standardantwort sei häufig, man sei ja in der Nähe und fahre dann weg. Das kann im Extremfall lebensgefährliche Minuten kosten, die die Wehr später an einem Unglücksort ankommt.

Eine schnelle Lösung des Problems am Gerätehaus in Percha konnte Bürgermeisterin Eva John allerdings nicht anbieten. Es sei ein Anbau an die Schule geplant, der zwischen Containern und Schulgebäude entstehen soll und für Unterricht und Mittagsbetreuung nötig sei. 2018 sei mit dem Bau zu rechnen. Dann wolle die Stadt die Freiflächen neu planen, zumal vor der Schule Platz benötigt werde - etwa für den Bus. „Das ist aber alles nicht so einfach“, sagte sie, eine Lösung für die Feuerwehr müsste dabei aber realisierbar sein.

Die Erweiterung der Grundschule ist mit Planungskosten für den Haushalt 2017 vorgesehen. Einen Beschluss dazu, hatte John jüngst im Finanzausschuss erklärt, gebe es nicht: Die Entscheidung stammt noch aus der Zeit ohne Stadtrat, als die Bürgermeisterin allein entscheiden konnte.

Schwierige Situation auch für die Polizei

Die Polizei kann nur bedingt einschreiten. Grundsätzlich werde in Feuerwehranfahrtszonen, Rettungswegen und auf Behindertenparkplätzen abgeschleppt – wenn es verhältnismäßig ist. Auf Privatgrund, erklärt Kai Motschmann von der Inspektion Starnberg, kann die Polizei eigentlich nicht tätig werden. Das sei Sache des Eigentümers, bei Feuerwehrhäusern in der Regel die Kommune. Sollte aber ein Auto bei einem Einsatz vor einer Garage stehen, werde man es sofort abschleppen lassen – egal, wer zuständig ist. Die Stadt lässt selten abschleppen, weil sie Kosten auslegen muss, aber kaum einmal wieder eintreiben kann, sagt Bürgermeisterin Eva John. Sie will vor allem am Mittag, wenn das Problem am größten ist, stärker kontrollieren lassen. Eine dauerhafte Lösung könnte der für 2018 geplante Ausbau der Rheinlandstraße an der Post bringen.

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