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Anlass zum Feiern: Dr. Gunhild Kilian-Kornell, Andrea Nixdorf-Weber, Werner Blank, Sabine Schmidt, Christian Münzel, Monika Haslberger und Edith Dieterle (v.l.) bei der Feierstunde zum Jubiläum der Frühförderstelle.

Frühförderstelle

Hilfe für tausende Kinder

Starnberg – Mit einem Festakt feierte die Lebenshilfe Starnberg das vierzigjährige Bestehen seiner interdisziplinären Frühförderstelle.

„Starnberg gehört zu den Pionieren. Man musste damals viel Mut beweisen“, sagte die extra aus Hessen angereiste Kollegin Eva Klein in ihrem Festvortrag. Daring ging sie kurz auf die Gründung des Vereins ein, der sich auf die frühkindliche Förderung behinderter oder entwicklungsverzögerter Kinder konzentriert, da in den ersten Lebensjahren die Lernbereitschaft und Auffassungsgabe am größten sind.

Am Anfang waren es nur sechs Kinder, die in den Genuss einer Therapie kamen, inzwischen haben Tausende von Kindern im Landkreis eine Förderung erhalten und es wurde eine zweite Stelle in Gilching errichtet. Wie Bürgermeisterin Eva John in ihren Grußworten betonte, haben die Kinder „viel Positives erlebt. Ich sehe heute an manchem Starnberger, wie gut sich die damaligen Kinder entwickelt haben zu einem erfüllten Leben in der Gesellschaft, nicht am Rande“, setzte sie hinzu.

Tim Weidner lobte als stellvertretender Landrat die „richtig gut aufgestellte“ Einrichtung als eine, die mit kleinen Schritten große Wirkung erzielt. Im Mittelpunkt des Festnachmittags stand die berührende Rede einer betroffenen Mutter, deren Kind mit Down-Syndrom in der Frühförderung Hilfe erfuhr.

Über 300 Kinder werden derzeit betreut

Heute engagiert sich die Mutter im Landesvorstand der Lebenshilfe und ist stellvertretende Bundesvorsitzende. „Fachwissen, Verständnis, Gespür, Verantwortungsbewusstsein helfen, Hürden zu meistern, die schier unüberwindlich scheinen“, sagte sie, aber sie sieht auch die Gefahr von Leistungskürzungen, wenn das neue Bundesteilhabegesetz, das gerade diskutiert wird, verabschiedet wird. Der Entwurf sieht vor, dass die Eingliederungshilfe in die Obhut der Jugendhilfe kommt. Für die Ärzteschaft sprach die Kinderärztin Dr. Gunhild Kilian-Kornell, die darauf einging, dass sich die Behinderungen in den letzten vierzig Jahren verändert haben. Die Anzahl der bedürftigen Kinder habe sich vergrößert, weil sich die Gesellschaft verändert habe. Viel mehr Kinder kommen aus zerrütteten Familien, aus Familien mit Trennungsproblematik, verhaltensauffällige Kinder mit mangelnden Impulskontrollen haben zugenommen. „Wir sind aufmerksamer geworden“, sagte sie. Und lobte die gute Zusammenarbeit mit Kinderbetreuungseinrichtungen, die immer wichtiger werde, weil die Kinder immer länger dort untergebracht sind. Der Bedarf an Therapeuten steigt also. „Wir brauchen Mut, auch mal andere Wege zu gehen, neue Ideen und mehr Mitarbeiter“.

Die Frühförderung bevormundet nicht die Eltern, sondern geschieht in Zusammenarbeit mit den Familien und versteht sich als Brückenbau zu Fachkräften. Es geht darum, das Besondere des einzelnen Kindes zu entdecken, es zu fördern und Entwicklungsprozesse anzustoßen. Derzeit betreut der Frühförderstelle rund 300 Kinder mit 24 Mitarbeitern.

Wie die Arbeit aussieht, das zeigte die Fotoshow, die Andrea Nixdorf-Weber von der Starnberger und Sabine Schmidt von der Gilchinger Einrichtung vorbereitet hatten. Bilder, die mehr als tausend Worte sagen, die beweisen, dass es die Frühförderstelle dringend braucht.


Von Astrid Amelungse-Kurth

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