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Vorbildlich: Julia Volks achtet darauf, dass die Kinder frühzeitig schwimmen lernen. Dazu besuchte die Familie vor einigen Monaten einen Schwimmkurs im Hallenbad der Gemeinde Pöcking.

Ausbildung

Immer weniger Kinder können schwimmen

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Eine neue Studie der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) lässt aufhorchen: Mehr als die Hälfte aller Grundschüler in Deutschland kann nicht oder nicht richtig schwimmen. Wie es sieht es im Fünfseenland aus?

Landkreis – Es war ein phänomenales Badewochenende: Temperaturen an die 30 Grad, eine sanfte Brise, strahlender Sonnenschein. Riesenandrang an den Ufern der Gewässer im Fünfseenland. Und Hochsaison für die Lebensretter. Bei der DLRG Wasserrettung Pöcking-Starnberg schoben statt den normalerweise üblichen vier bis zu 15 Rettungsschwimmer am Wochenende Dienst. „Zum Glück waren wir zwar einige Male als First Responder im Einsatz, eine echte Wasserrettung war allerdings trotz des starken Andrangs auf dem See nicht nötig“, berichtete der DLRG-Pressesprecher Walter Kohlenz gestern im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Dennoch betrachten die Lebensretter die aktuelle Entwicklung bei der Schwimmausbildung mit Sorge. „Bei uns im Landkreis sind die Probleme bei weitem nicht so groß wie andernorts in Bayern oder bundesweit“, so Kohlenz. Dennoch müsse man am Ball bleiben. Ein Vorteil im Landkreis Starnberg sei, dass man noch richtige Ausbildungsbäder habe: „Da ist vor allem der Gemeinde Pöcking zu danken, die darauf verzichtet hat, aus ihrer Schwimmhalle einen Erlebnis- und Wellnesstempel zu machen“, sagt der DLRG-Pressesprecher. Statt dessen gibt es hier noch richtige Bahnen, auf denen das Schwimmen erlernt und trainiert werden kann. Der Wasserpark in Starnberg wird zwar gerade umgebaut, Kohlenz rechnet aber damit, dass hier ab dem Jahresende auch wieder die Möglichkeit besteht, Kurse durchzuführen. Denn derzeit bietet die DLRG, nach eigenen Angaben Schwimmausbilder Nummer eins in Deutschland, keine Nichtschwimmerkurse an. „Das liegt daran, dass es in Pöcking derzeit überhaupt keine Bahnkapazitäten gibt“, so Walter Kohlenz. Daher konzentriere man sich auf die Rettungsschwimmerausbildung – der nächste Kurs startet hier am 20. Juni.

Prinzipiell gehört für Kohlenz allerdings Schwimmunterricht in den Lehrplan der Schulen. Doch dem sei bislang nicht so. Zuletzt hatte die Leiterin der Mittelschule in Tutzing berichtet, dass für ihre Schule gerade einmal zwei Stunden pro Woche in der vollkommen ausgelasteten Schwimmhalle in Pöcking bleiben würden.

Ähnliche Erfahrungen macht auch die BRK-Wasserwacht Pilsensee: „Häufig liegt es an mangelnder Zeit der Eltern, weniger Schwimmunterricht an Schulen und dem Trend zu Spaßbädern. Zudem schließen immer mehr Schwimmbäder mit Lehrbecken“, berichtet Manuela Wunderl, Schwimmausbilderin bei der Wasserwacht Pilsensee. Umso wichtiger sei es, schon vorhandene Kenntnisse zu fördern und auszubauen. Aus diesem Grund motiviere die Wasserwacht Pilsensee, Schwimmscheine zu machen. Allein am Sonntag konnte sich ein gutes Dutzend Kinder über neue Schwimmabzeichen auf der Badekleidung freuen, berichtet Wunderl weiter.

Neben dem Problem, dass immer weniger Kinder schwimmen können, kommt auch der Umstand, dass viele Asylsuchende keine entsprechenden Kenntnisse aufweisen oder mit den Gegebenheiten hier nicht vertraut sind. „Deswegen sind unsere Anfänger- und Rettungsschwimmerkurse immer auch für Flüchtlinge geöffnet“, sagt Walter Kohlenz von der DLRG. Das Problem sei, dass insbesondere die Seen hier im Landkreis für die Asylsuchenden komplett unbekannt sind, was immer wieder für Gefahren sorgen könne.

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