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Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sprach im Bayerischen Hof in Starnberg zu Mitgliedern und Besuchern.

Linken-Fraktionschef Bartsch in Starnberg

Die letzten Körner

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Fraktionschef Dietmar Bartsch motiviert Die Linke in Starnberg für den Schlussspurt im Landtagswahlkampf.

Landkreis – Die ältere Dame, die 1949 aus Italien nach Bayern kam, ist wütend. Die Linke und die SPD müssten zusammenarbeiten, sagt sie. Warum das nicht klappt, möchte sie Dietmar Bartsch fragen, sobald er seinen Vortrag beendet hat. Der Fraktionschef der Linken im Bundestag sitzt in einem kleinen Nebenraum im Bayerischen Hof in Starnberg, spricht bei Kuchen und Kaffee zu Mitgliedern und einer handvoll Besuchern.

Der Mann aus Schleswig-Holstein gilt als erfahrener Wahlkämpfer. Nun soll er die Linken in Bayern motivieren, auch Landtagskandidat Bernhard Feilzer. Jüngste Umfragen sehen die Partei knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde. „Bei der Bundestagswahl haben sich zwölf Prozent der Menschen am Wahltag entschieden, teilweise auf dem Weg in die Wahlkabine“, sagt Bartsch.

Bartsch: „Starnberg ist etwas Besonderes“

Gerade ist er auf Bayern-Tour. Drei Termine macht er pro Tag, Starnberg passt da auch von der Wegstrecke gut rein. Bartsch weiß, wo er hier gelandet ist. 1,3 Prozent holte die Linke im Stimmkreis Starnberg bei der Landtagswahl 2013. „Man muss da hingehen, wo es schwierig ist“, sagt er. „Starnberg ist etwas Besonderes. Viele Menschen haben ein überdurchschnittliches Einkommen, da denkt man nicht zwingend an die Linken. Aber selbst in diesem Landkreis gibt es Kinder in Armut – hier dürfte nicht ein Kind in Armut leben.“

Ob es die Linken in den Landtag schaffen oder nicht, hält er vor dem Wahlsonntag für eine der spannendsten Fragen. Schaffen sie es, wollten sie so auftreten wie im Bundestag. „Wir wollen mit kleinen Anfragen für Transparenz sorgen.“

Dann nimmt er sich die rote Mappe mit seiner Rede vor. Blatt für Blatt, ein Streifzug durch aktuelle Themen wie den Diesel-Kompromiss, Rechtsruck oder soziale Ungerechtigkeit. Als er fertig ist, setzt die ältere Dame, die aus Italien einwanderte, an.

Feilzer: SPD „immer mehr zur Zustimmungspartei für Krieg“

„Verehrter Herr Bartsch, so wie Sie hat meine SPD gesprochen.“ Ob er das als Lob verstehen dürfe? „Ja. Aber warum hat man solche Berührungsängste? Das ärgert mich.“ Dann räumt der Fraktionsvorsitzende ein „Versagen der politischen Linken“ ein. Als es Mehrheiten von SPD, Linken und Grüne gegeben habe, hätte man diese nicht genutzt. „Es gibt diese Mehrheiten nicht mehr“, sagt Bartsch. Er wirbt dafür, Mehrheiten jenseits der Union bei Abstimmungen zu organisieren. Auch wenn das dann nicht „Linke pur“ ist, wie er sagt.

Nicht nur SPD und Linke finden nach Ansicht der Dame kaum zusammen, auch Ost- und Westdeutsche tun sich da schwer. „Die sind bis heute nicht angekommen und leiden unter ihrer Biografie“, sagt sie über Ostdeutsche. Bartsch ist in Stralsund aufgewachsen. „Es sollte beidseitig keine Arroganz geben“, sagt er. Feilzer wollte noch auf die SPD eingehen, die unter Helmut Schmidt „im Laufe der Zeit immer mehr zur Zustimmungspartei für Krieg“ geworden sei. Da mahnte die Dame: „Jetzt haben Sie SPD-Bashing gemacht und nicht für die Linke.“

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