Das Schlafzimmer von König Ludwig II. als originalgetreuer Nachbau in Starnberg: Das Museum hat den Raum in Hohenschwangau scannen lassen, anschließend sind die Gemälde auf 1,50 Meter breite Tapeten gedruckt worden, den Holzrahmen haben Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs erstellt.
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Das Schlafzimmer von König Ludwig II. als originalgetreuer Nachbau: Das Museum hat den Raum in Hohenschwangau scannen lassen, anschließend sind die Gemälde auf 1,50 Meter breite Tapeten gedruckt worden, den Holzrahmen haben Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs erstellt.

Neue Ausstellung im Museum Starnberger See

Ludwigs Sterne leuchten über Starnberg

  • Peter Schiebel
    VonPeter Schiebel
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„Im Schein der Sterne“: So lautet der Titel der neuen Ausstellung im Museum Starnberger See, die an diesem Sonntag öffnet. Es gibt Informationen und Aktionen, zeitgenössische Installationen im historischen Lochmannhaus und einen originalgetreuen Nachbau des Schlafzimmers von König Ludwig II.

Starnberg – So muss es gewesen sein im Tassozimmer, dem Schlafgemach von König Ludwig II. in Schloss Hohenschwangau. Die Wände zeigen ringsum Szenen aus Torquato Tassos Epos „Das befreite Jerusalem“, an der Decke schwebt eine personifizierte Nacht mit ihren Kindern Schlaf und Tod, und im dunkelblauen Himmel funkeln Sterne. Acht Monate lang können sich Besucher des Museums Starnberger See jetzt zumindest ein bisschen so fühlen wie einst der Märchenkönig. Denn im Untergeschoss des Museums steht ein Originalnachbau des Schlafzimmers – und von Sitzsäcken aus lässt sich der funkelnde Nachthimmel bestaunen. Das Zimmer ist einer der Höhepunkte der Ausstellung „Im Schein der Sterne – Geschichten vom Nachthimmel“, die an diesem Sonntag beginnt.

Für Museumsleiter Benjamin Tillig ist es „die wichtigste Ausstellung“ zumindest der vergangenen Jahre. Auf Basis des neuen Leitbildes ist erstmals das historische Lochmannhaus voll in die Schau integriert. Vitrinen sind herausgeräumt, die mehr als 500 Jahre alten Räume bieten einen fantastischen Gegenpol zu Werken zeitgenössischer Künstler. Dadurch setzt die Ausstellung allein schon flächenmäßig neue Maßstäbe.

Hinzu kommt eine üppige Förderung durch das Bayerische Kunstministerium, die in der finanziell angespannten Lage der Stadt dem Museum gut tut und gleichzeitig aber auch die Bedeutung der Ausstellung unterstreicht. „Das ist eine ganz wichtige Anerkennung“, sagt Tillig im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Die Installation „Mond“ von Björn Dahlem lässt Museumsleiter Benjamin Tillig lachen. Sie ist eines von elf zeitgenössischen Werken, die im Lochmannhaus zu sehen sind.

Im Untergeschoss des Museumsbaus erfährt der Besucher zunächst etwas über Sternbilder und „Baupläne der Welt“, zum Beispiel, wie verschiedene Kulturen den Himmel und die Sterne einst gedeutet haben: von den Azteken mit ihren neun Himmeln und zwei Weltenlenkern über die Babylonier bis zu Ptolemäus mit seinen konzentrischen Sphären. Gleich dahinter geht es in Ludwigs Schlafgemach, gegenüber befinden sich Stationen zum Mitmachen. Eine interaktive Karte des Starnberger Sternenhimmels lässt sich so drehen, um punkt- und zeitgenau Sternenbilder bestimmen zu können. Die aufgehängten Glühbirnen nebenan bilden beim Blick durch einen Fensterrahmen das vertraute Sternbild Orion, die Draufsicht verrät maßstabsgetreu, wie weit die einzelnen Sterne in Wirklichkeit voneinander entfernt sind.

Diese unterschiedliche Sicht auf die Dinge ist Tillig und seinem Team um Historikerin Angela Müller wichtig. „Wir sehen und wir hören viel, aber wir müssen uns erschließen, was das bedeutet“, sagt er. So sei „Im Schein der Sterne“ auch keine Astronomie-Ausstellung, sondern eine über Menschen, Mythen und Deutungen. An den historisch-ethnologischen ersten Teil der Ausstellung schließlich sich der künstlerische Teil im Lochmannhaus an. Auf dem Weg dahin leuchten „100 kaputte Sterne“ von Johannes Wohnseifer durch den gläsernen Gang, ehe Brigitte Waldachs großformatige „Goldberg-Variationen (Voyager)“ Bachs Schaffen in Verbindung mit dem Orbit setzen.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Installation „Jupiter und Io“ von Susanne Rottenbacher und Grischa Lichtenberger. Angelehnt an ein Gemälde von Antonio da Correggio verschlingen Acrylglas, Spiegelfolie und ein LED-Schlauch ineinander – rundherum begehbar und still beäugt von der Starnberger Heiligen im Kapellenraum. Die Installation ist eigens für die Starnberger Ausstellung geschaffen worden. Wie ein überdimensionales Coronavirus hängt der „Mond“ von Björn Dahlem ein paar Meter weiter. Werke von Michael Sailstorfer, Johanna Reich, Josef Weisz, Katarina Poliacikova und Mischa Kuball runden die Ausstellung ab.

Wer sich „Im Schein der Sterne – Geschichten vom Nachthimmel“ im Museum Starnberger See anschauen möchte: Die Ausstellung ist von diesem Sonntag an geöffnet, täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr. Eine Anmeldung ist unter z (0 81 51) 4 47 75 70, per E-Mail an info@museum-starnberger-see.de oder direkt vor Ort an der Possenhofener Straße 5 erforderlich. Es gilt eine Maskenpflicht, die Vorlage eines negativen Corona-Tests ist derzeit nicht erforderlich. Die Ausstellung läuft bis Januar kommenden Jahres.

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