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Fast 30 Jahre in der Luft und nun ausgemustert: Der Airbus „Starnberg“ ist von der Lufthansa ausgeflottet worden und steht nun auf einem Gelände in Spanien. Ob das Flugzeug verschrottet oder verkauft wird, ist weiter unklar.

Airbus A320-211 trägt den Namen der Stadt

Lufthansa-Flugzeug „Starnberg“ ist Geschichte: Es steht jetzt auf speziellem Gelände in Spanien

Die Zeit der „Starnberg“ in Diensten der Lufthansa ist vorbei. Der Airbus A 320 wurde vorige Woche außer Dienst gestellt. Ob es je wieder eine Maschine mit Taufnamen der Kreisstadt geben wird, ist offen, aber nicht unwahrscheinlich. Es kann nur lange dauern.

Starnberg– Die D-AIPP ist Geschichte: Der Airbus A320-211 der Lufthansa, der vor fast genau 30 Jahren auf den Namen „Starnberg“ getauft worden war, ist Ende voriger Woche außer Dienst gestellt worden und hat sein Rufzeichen verloren. Vorerst steht die Maschine auf einem speziellen Gelände in Spanien, könnte aber durchaus in absehbarer Zeit verschrottet werden. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Vor genau 30 Jahren, am 22. Juni 1990, hatte die D-AIPP ihren Erstflug absolviert. Im Oktober war das damals nigelnagelneue Flugzeug mit 156 Sitzplätzen dann in Dienst gestellt und im Beisein einer großen Delegation aus Starnberg unter Führung das damaligen Bürgermeisters Heribert Thallmair mit Seewasser getauft worden. Dass Flugzeuge Namen deutscher Städte bekommen, ist bei der Lufthansa (wie bei der Bahn) seit 60 Jahren Tradition. Stadtrat Wolfgang Türk hatte Mitte der 1980er Jahre den Anstoß gegeben, sich für eine Flugzeug-Patenschaft zu bewerben.

Der Airbus hat in seinem vergleichsweise langen Dienst bei der Lufthansa von fast 30 Jahren mehr als 50 000 Starts und Landungen absolviert. Im Lauf der Jahre war das Flugzeug laufend modernisiert worden. Dass die D-AIPP heuer ausgemustert wird, war seit Langem bekannt. Die Corona-Krise, die die Lufthansa in ernste Schwierigkeiten gebracht hat, hat damit eher weniger zu tun.

Letzter Linienflug von Belgrad nach Frankfurt

Die „Starnberg“ brach am Freitag zu ihrem vermutlich letzten Flug auf – den letzten Linienflug hatte sie am 8. März von Belgrad nach Frankfurt. Eigentlich dort stationiert, stand sie seit 10. März auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Von dort wurde sie am Freitagvormittag nach Spanien geflogen und wechselte unterwegs ihr Rufzeichen – das Zeichen der Ausflottung. Ziel war der Flugplatz Teruel 200 Kilometer östlich von Madrid. Teruel ist kein gewöhnlicher Flughafen, denn Passagiere werden dort nicht abgefertigt: Es ist der Standort eines Flugzeug-Recyclingunternehmens und einer der Standorte, an denen Airlines ausgemusterte und zeitweise stillgelegte Flugzeuge abstellen. Dort stehen auch zehn andere Airbus der gleichen Bauart, die die Lufthansa zeitgleich mit der „Starnberg“ stillgelegt hat. Darunter sind die „Kaufbeuren“, die „Münster“, die „Deggendorf“, die „Augsburg“, die „Ludwigshafen am Rhein“ und die „Troisdorf“ sowie einige namenlose Flugzeuge. Alle Airbus 320-211 sind 29 Jahre oder älter. „Die Ausflottung wurde vor dem Hintergrund der nachteilhaften Ökoeffizienz und Wirtschaftlichkeit dieser Flugzeugtypen entschieden. Mit diesem Schritt reduziert Lufthansa ihre Kapazitäten an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München“, erklärte Dr. Jörg Waber, Sprecher der Lufthansa, gegenüber dem Starnberger Merkur. 

Die Airline hat auch sechs der Riesen-Airbusse vom Typ Airbus A380 ausgesondert, sieben Flugzeuge vom Typ A340-600 sowie fünf Boeing 747-400 (Jumbo). Und weiter: „Wie mit diesen Maschinen weiter vorgegangen wird, ist noch nicht entschieden.“ Bisher war im Falle der „Starnberg“ auch ein Verkauf ins Auge gefasst worden, weil der Airbus in gutem Zustand und sehr gut gepflegt ist und solche Maschinen nicht selten noch viele Jahre auf anderen Kontinenten im Einsatz sind. Beispiel: Die „Landshut“, die die GSG 9 in der Operation „Feuerzauber“ am 18. Oktober 1977 in Mogadischu gestürmt und alle Geiseln der Terroristen befreit hatte, flog 15 Jahre für die Lufthansa, war danach für sechs Airlines weltweit im Einsatz und erst 2008 in Brasilien nach 38 Jahren endgültig stillgelegt wurde. Ob ein Verkauf der elf Airbusse angesichts der Luftfahrt-Krise eine Option ist, wird sich zeigen. Wenn sie verkauft wird, wird sie ein anderes Rufzeichen und sicher nicht den Namen „Starnberg“ bekommen.

Wird es wieder eine „Starnberg“ geben?

Bleibt die Frage, ob es wieder eine „Starnberg“ geben wird. Die Lufthansa will das nicht ausschließen: „Grundsätzlich gibt es eine Taufliste für künftige Flottenzugänge, auf die auch Städte gelangen, die vormals eine Patenschaft besaßen. Wann welches Flugzeug getauft wird, entscheidet sich dann kurzfristig“, erklärt Waber. Beispiele dafür gibt es, etwa die „Weiden“. Es gab eine 737-300 mit diesem Namen, die 2016 ausgemustert wurde. Im Herbst 2019 ist ein neuer Airbus A320-200 mit dem Namen „Weiden in der Oberpfalz“ in Dienst gegangen. Einige Jahre sind also schon unter normalen Bedingungen die Regel, auch wenn es in jüngerer Zeit wegen einer Umlackierung der Lufthansa-Maschinen mehr Taufen gab, auch von bis dato namenlosen Maschinen. Nachdem die Airline krisenbedingt mehr Flugzeuge aussondert und wohl auch so bald keine größere Zahl neuer Maschinen anschaffen wird, könnte es eine ganze Weile dauern, bis es wieder eine „Starnberg“ gibt.

In der Stadt spielte die Patenschaft schon seit Jahren keine große Rolle mehr. Sie ist zwar auf der Internetseite als Patenschaft gelistet, ein maßstabsgetreues Modell der „Starnberg“ jedoch war schon vor Jahren zu Bruch gegangen.

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