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Die Mitglieder zahlreicher Helferkreise aus dem Landkreis haben am Donnerstagnachmittag und am Abend auf dem Kirchplatz demonstriert und aufgeklärt.

Mahnwache

Gegen das Grauen im Mittelmeer

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Ein großes Schlauchboot, 500 Papierschiffchen und ebenso viele Teelichter im Brunnen auf dem Kirchplatz. Die Mahnwache für das Recht auf Rettung und Humanität gestern auf dem Kirchplatz verlief ruhig und unaufgeregt, aber eindrucksvoll.

Starnberg – Taeme Haile (25) ist der Einzige auf dem Starnberger Kirchplatz, der selbst erlebt hat, worum es geht. Der junge Mann wohnt in Weßling, stammt aus Eritrea und ist 2015 von Libyen nach Italien gereist, in einem Schlauchboot übers Mittelmeer, das noch kleiner war als das, das die Helferkreise für ihre Mahnwache organisiert haben. Auf dem Kirchplatz-Boot haben offiziell 50 Menschen Platz. Als es im Mittelmeer gefunden wurde, waren 150 Menschen darauf. Kaum vorstellbar.

Taeme Haile kommen beim Anblick des grauen Schlauchboots schlimme Erinnerungen hoch. „110 Menschen waren auf meinem Boot“, erzählt er. „Nach zwei Tagen wurden wir von einem Rettungsschiff aufgenommen.“ Bei der Rettung fielen fünf Mitreisende ins Wasser und ertranken. Zwei Männer und drei Frauen. Fünf von 34 361, die die Organisation UnitedAgaingstRefugeeDeath.eu von 1995 bis heute gezählt hat. Listen der Organisation mit Namen von toten Flüchtlingen hängen auf Stellwänden auf dem Kirchplatz. Ob diese Quelle verlässlich ist, wird im Kreis der Helfer an diesem Donnerstagnachmittag nicht diskutiert.

Muss es auch nicht, weil es um das Recht auf Seenotrettung geht. „Ich bin Segler, man lässt niemanden untergehen“, sagt Jörg Hohmann aus Weßling. Nach Seerechtskonvention sei er zur Hilfe verpflichtet. „Ich würde mich strafbar machen, wenn ich nicht rette.“

Umso größer ist das Unverständnis Hohmanns und der Mitglieder vieler Helferkreise aus dem Landkreis, dass die Seenotrettung einfach ausgesetzt wurde. Einige Helfer wie der Landsberger Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch in Malta, müssen sich vor Gericht verantworten. „Jetzt werden die Helfer kriminalisiert, das ist fatal“, sagt Hohmann.

Auch deshalb machen viele Helfer bei der Aktion auf dem Kirchplatz mit. Auch Kirchenvertreter sind dabei, Passanten schauen sich die Szenerie an. Ein Beamer wirft Bilder und Filme von überfüllten Flüchtlingsbooten und dramatischen Rettungsaktionen an die Wand der Kirche St. Maria. Die Helfer falten 500 Papierboote, die auf dem Brunnen schwimmen – zur Freude der Kinder, die vorbeikommen – und die laut Prof. Jürgen Schade den sicheren Hafen darstellen sollen. Später kommt Friedrich Reich von der Seenotrettungsorganisation ResqShip hinzu und berichtet von seinen Erfahrungen im Mittelmeer vor Malta.

Die Stimmung auf dem Kirchplatz ist ruhig. Von dem Schlauchboot, auf dessen Rand ordentlich gefaltete Rettungswesten liegen, geht ein stummes Grauen aus. Als es dämmert, setzen die Helfer Teelichter aufs Wasser des Brunnens. „Wir wollen auch der toten Seelen gedenken“, sagt Hohmann. „Und anmahnen, dass Unrecht geschieht.“

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