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Mann wirft Molotowcocktail auf Polizisten

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Von: Peter Schiebel

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Im Dachgeschoss dieses Hauses an der Berger Straße eskalierte der Einsatz am Dienstagmorgen. Anschließend untersuchte die Spurensicherung der Kripo Ingolstadt den Tatort.
Im Dachgeschoss dieses Hauses an der Berger Straße in Percha eskalierte der Einsatz am Dienstagmorgen. Anschließend untersuchte die Spurensicherung der Kripo Ingolstadt den Tatort. © Andrea Jaksch

Ein Routineeinsatz für die Polizei ist gestern Morgen in Percha eskaliert. Ein 37 Jahre alter Mann warf einen Molotowcocktail auf die eingesetzten Beamten. Die Staatsanwaltschaft ermittel nun wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Percha – Der Einsatz gestern Morgen begann für die Beamten der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck ganz normal – wenig später gab es eine Festnahme, zwei Leichtverletzte und Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdelikts. In der Berger Straße 1 in Percha sollten sie einen 37 Jahre alten Mann abholen, um ihn erkennungsdienstlich behandeln zu können. Das heißt: Fingerabdrücke nehmen, Größe und Gewicht messen, Fotos anfertigen, besondere Merkmale wie Tätowierungen oder Narben registrieren. Die Anordnung der Staatsanwaltschaft sei „Ausfluss eines Ermittlungsverfahrens“ gewesen, erklärt Andreas Aichele, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.

Dass die Polizei die Maßnahmen zwangsweise vollziehen wollte, ist darauf zurückzuführen, dass der 37-Jährige offenbar nicht auf schriftliche Anweisungen reagiert hatte. Also standen gegen 9.15 Uhr sechs Kripo-Beamte vor der Wohnungstür im Dachgeschoss des Hauses und klopften. Dort gibt es zwei Wohnungen, im Geschoss darunter befindet sich eine Praxisgemeinschaft zweier Hausärzte, im Erdgeschoss ein Möbelgeschäft. Früher hatte in der Berger Straße 1 mal die Raiffeisenbank eine Filiale.

Auch jetzt reagierte der 37-Jährige nicht. Weil die Kripobeamten in Zivil waren, forderten sie zunächst eine Streife der Starnberger Polizei an. Die uniformierten Beamten sollten dem Mann unmissverständlich beweisen, dass wirklich die Polizei vor der Tür steht. Als er aber auch jetzt nicht aufmachte, verschafften sich die Beamten mit einer Ramme Zutritt zur Wohnung und betraten den Flur. „Dort zeigte sich der Mann mit einer Benzinbombe, die er in die Richtung der Beamten warf“, berichtet Aichele.

Die insgesamt acht Polizisten rannten aus der Wohnung und die Treppe hinunter – „in akuter Lebensgefahr“, wie der Polizeisprecher betont. Dabei zogen sich zwei Einsatzkräfte leichtere Verletzungen zu. Sie wurden später im Krankenhaus behandelt, konnten dieses danach aber schon wieder verlassen. Durch den Molotowcocktail selbst wurde nach Angaben der Polizei kein Beamter verletzt.

Die Berger Straße war während des Einsatzes gesperrt.
Die Berger Straße in Percha war während des Einsatzes gesperrt. © Feuerwehr

Kurz nach dem Wurf gelang es ihnen, den 37-Jährigen zu überwältigen und festzunehmen. Auch das Feuer konnten sie löschen. Die alarmierte Perchaer Feuerwehr habe lediglich noch lüften müssen, berichtet Einsatzleiter Jürgen Römmler auf Anfrage.

Die Staatsanwaltschaft München II hat Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdelikts aufgenommen. Am heutigen Mittwoch soll der Mann dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Ermittlungen hat die Kriminalpolizei Ingolstadt übernommen. In solchen Fällen sei es üblich, dass eine andere Dienststelle den Fall bearbeite, erklärt Aichele. Die Spurensicherung aus Ingolstadt untersuchte gestern bereits stundenlang die Wohnung des Mannes. „Wir werden sie uns sehr genau anschauen“, sagt der Sprecher.

Dramatische Minuten erlebten Mitarbeiter und Patienten der Gemeinschaftspraxis. „Es gab einen lauten Knall, dann sind Polizisten die Treppe runter gerannt“, schildert die Fachärztin für Innere Medizin, Ursula Goppel, die Situation. Die Beamten hätten ihnen zugerufen, sich vom Treppenhaus fernzuhalten und sich in weiter hinter gelegene Räume der Praxis zu begeben. Zu dem Zeitpunkt hätten sich rund 20 Personen in der Praxis aufgehalten. „Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme“, betont Goppel. „Es ist niemandem etwas passiert.“ Danach habe der Betrieb in der Praxis wieder aufgenommen werden können. Von Feuer oder Rauch habe sie nichts mitbekommen. „Aber es hat im Treppenhaus gestunken.“

Der Einsatz hatte auch Auswirkungen auf den Straßenverkehr. Die Berger Straße war während des Einsatzes zum Teil gesperrt.

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