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Die pure Freude: Unter der Leitung von Erik Berthold rocken die behinderten Jugendlichen den Probenraum. Bis zu 24 junge Menschen stehen auf der Bühne, wenn die Francis-Band loslegt.

Franziskus-Schule

Marmor, Stein und Eisen bricht ...

Starnberg/Oberpfaffenhofen - Unter der Leitung von Tausendsassa Erik Berthold bereitet sich die Francis-Band der Franziskus-Schule auf ihre nächsten Auftritte vor. Ein Probenbesuch.

Die Gitarre umgehängt, zählt Erik Berthold mit dem ganzen Körper „Marmor, Stein und Eisen bricht“ an. Jeder Mitwirkende hat irgendein Schlag-Instrument vor sich. Mit Stöcken, Rasseln und Trommeln schütteln, klopfen und schlagen die jungen Musiker den Takt. Einer brüllt außer der Reihe „Dam-Dam, Dam-Dam“. Spontaneität ist angesagt bei der Francis-Band, die aus Jugendlichen mit Behinderungen der Franziskus-Schule besteht.

„Super! Könnt ihr das alle?“, fragt Berthold, und – ja, sie können. Die Jugendlichen singen, wippen und klopfen den Rhythmus, sind in und von diesem Klangspektakel mit- und hingerissen. Selbst die, die rund um die Uhr auf einen Betreuer angewiesen sind, lassen die Stöcke aufeinander krachen. Es ist die Freude an der Arbeit, die die Musiklehrer anspornt.

„Die Jugendlichen freuen sich ehrlich, wenn sie auch nur eine Rassel in der Hand halten“, sagt etwa Musiklehrer Florian Groll. Er ist wie seine Kollegen Sebastian Weninger und Lea Reichl in Bertholds Musikschule „Acoustic Corner“ in Oberpfaffenhofen beschäftigt. Alle drei unterstützen ihren Chef bei der Francis-Band.

Erik Berthold war vor einem Jahr spontan eingesprungen, nachdem die zwei Betreuer in Rente gegangen waren. Berthold ist Musiker, das Gesicht des „Acoustic Corner“, Betreiber einer Elektro-Tankstelle und Vater von fünf Kindern – eines davon mit einer Behinderung. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem Deutschen Bürgerpreis für sein Engagement ausgezeichnet, Menschen gleich welchen Hintergrunds an die Musik heranzuführen.

In eine Form gießen lässt sich der Folk-Musiker nicht, Konventionen interessieren ihn nicht. Herz und Leidenschaft sind sein Motor – die Musik ist der Treibstoff. „Ich hatte dank der Musik so viel Glück im Leben. Das möchte ich weitergeben“, sagt er. Dabei denkt er nicht in Fragen wie „Geht das?“, sondern in Grundsätzen wie „Das geht!“. Mit diesem Gedankengut übernahm Berthold die Francis-Band.

Das Wort „Inklusion“ gefällt ihm übrigens gar nicht. Provokativ stellt er die Frage: „Warum brauchen wir überhaupt ein Wort dafür?“ In seinen Augen müsste es normal sein, dass Menschen mit und ohne Behinderung und gleich welcher Herkunft im Alltag miteinander agieren. Er geht sogar noch weiter: „Ein Mensch ist nicht behindert, er wird behindert.“ Tagesstätten-Leiterin Bettina Lüth-Brandt, die die Lehrer gemeinsam mit Heike Longeron unterstützt, war ein Stein vom Herzen gefallen, als Berthold die Leitung übernahm.

Unterdessen rockt Sänger Milad bei „Hey hey Wickie“, die Percussion tobt – und im Probenraum schwappt dieses brodelnde Vergnügen unvermittelt auf die Zuhörer über. Nervös ist der Sänger nur vor dem Auftritt. Beim Singen ist das wie weggeblasen, verrät der 17-Jährige. Laura sitzt auf der sogenannten Kachon, einem Percussion-Instrument, und beweist beim Trommeln, Klatschen und Stampfen ausgesprochenes Gefühl für Bewegung und Rhythmus.

Etwa sechsmal tritt die Francis-Band pro Jahr auf, das nächste Mal am Freitag, 2. Dezember, um 19.30 Uhr im Rahmen der „Pöckinger Konzertreihe“ in der katholischen Pfarrkirche St. Pius, Piusweg 4. Motto: „Swingende Weihnacht“.   mk

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