Dieser Protest war kaum zu übersehen: Emanuel Schwaiger vom Le Fleur Blumencafé fand gestern vor seinem Geschäft an der Wittelsbacherstraße deutliche Worte und Symbole.
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Dieser Protest war kaum zu übersehen: Emanuel Schwaiger vom Le Fleur Blumencafé fand gestern vor seinem Geschäft an der Wittelsbacherstraße deutliche Worte und Symbole.

„Die gegenwärtigen Maßnahmen rauben uns Selbstständigen finanziell die Luft zum Atmen“

Mit Galgen und Sensenmann: Martialischer Protest gegen Corona-Politik in Starnberg

Emanuel Schweiger hat genug. Der 39-jährige Starnberger betreibt seit 2013 das Le Fleur Blumencafé und leidet derzeit wie so viele Selbstständige unter den Corona-Maßnahmen. Nun hat er einen ebenso zynischen wie martialischen Protest gestartet.

Starnberg - Ein Galgen auf einem weißen Lieferfahrzeug, zahlreiche Holzkreuze, dahinter der Sensenmann. Es war ein ungewöhnlicher Anblick, der sich gestern Passanten auf der Wittelsbacherstraße in Starnberg bot. Daneben Schilder mit Schriftzügen wie: „Heiliger Franz-Josef, bete für uns Händler, jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ Zynische Zeilen, die an eine bessere Zeit ohne Pandemie erinnern sollen, als die Welt in Bayern noch in Ordnung war. Für Emanuel Schwaiger (39) aus Starnberg ist die Welt derzeit nicht in Ordnung.

„Die gegenwärtigen Maßnahmen rauben uns Selbstständigen finanziell die Luft zum Atmen“, sagt der Betreiber des Le Fleur Blumencafés, vor dem der Wagen steht. Deswegen möchte er protestieren. Gegen die Regierung und gegen die Corona-Maßnahmen. Seinen Protest gestaltet er martialisch. Über dem Galgen prangt ein Schild mit der Aufschrift „Galgen der CDU/CSU“. Die Holzkreuze tragen die Namen verschiedener Branchen wie Einzelhandel, Kino und Kunst, die nach Meinung Schwaigers durch die Corona-Politik der Regierung zu Grabe getragen werden.

Emanuel Schwaiger weist Zugehörigkeit zur AfD oder den Querdenkern klar von sich

In die rechte Ecke oder in den Kreis der Verschwörungstheoretiker will sich der 39-Jährige nicht drängen lassen. „Das hat absolut nichts mit der AfD oder den Querdenkern zu tun, aber die Botschaft, dass uns Selbstständigen die Perspektive fehlt, muss einfach ausgesprochen werden“, sagt er. Dafür hat er sogar ein kleines Schild im Inneren des Fahrzeugs auf das Amaturenbrett gelegt.

Galgen und Kreuze sind selbst gebaut und stammen aus einer Aktion Schwaigers vor zwei Jahren. Damals ging es um den Protest gegen die Verkehrs- und Parkplatzsituation in Starnberg. „Passend zur Faschingszeit haben wir uns entschieden, noch mal so eine Aktion anzugehen“, sagt Schwaiger. Am Montagabend hatte er den Wagen abgestellt, bis heute Früh soll er wieder verschwunden sein.

Trotz des Lockdowns läuft Laden weiterhin in Vollzeit

Schwaiger betreibt das Le Fleur Blumencafé seit 2013 und beschäftigt drei Mitarbeiter und eine selbstständige Floristin – trotz Einschränkungen im Einzelhandel und Umsatzeinbrüchen weiterhin in Vollzeit. Aber natürlich musste der Laden komplett umgekrempelt werden, Click & Collect lautet nun das Konzept.

„Für mich ist es unverständlich, dass Läden wie Supermärkte hunderte Menschen am Tag hereinlassen dürfen und wir Einzelhändler, die ein strenges Hygienekonzept haben, komplett alleine gelassen werden“, sagt Schwaiger. Er selbst ist Vater von drei Kindern im Schulalter, auch auf dieser Ebene verortet er massive Probleme. „Die Kinder werden total abgehängt, weil keiner einen richtigen Plan hat.“ Auch dagegen wendet sich Schwaigers Protest. Es ist ein Hilfeschrei gegen eine Politik, in der seiner Meinung nach viel geredet, aber nicht genug an die gedacht wird, die unter den Maßnahmen leiden. Den Galgen für die Regierung findet er zwar sehr extrem, aber treffend. „Im Endeffekt sind die gegenwärtigen Maßnahmen für uns im Einzelhandel nicht viel weniger als eine Hinrichtung.“

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