Apotheker und Arzt im Austausch: Prof. Dr. Hans-Paul Schobel, die Krankenhaus-Apothekerinnen Ann-Kristin Gerke und Katrin Beyerlein sowie Apothekenleiterin Dr. Angela Ihbe-Heffinger arbeiten seit Anfang 2020 interdisziplinär zusammen, um arzneimittelbezogenen Problemen auf die Spur zu kommen.
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Apotheker und Arzt im Austausch: Prof. Dr. Hans-Paul Schobel, die Krankenhaus-Apothekerinnen Ann-Kristin Gerke und Katrin Beyerlein sowie Apothekenleiterin Dr. Angela Ihbe-Heffinger arbeiten seit Anfang 2020 interdisziplinär zusammen, um arzneimittelbezogenen Problemen auf die Spur zu kommen.

„Renal Pharmacist“

Medikamenten-Problemen auf der Spur

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den 17. September zum „Welttag der Patientensicherheit“ erklärt – ein Thema, dem in den Krankenhäusern der Starnberger Kliniken große Aufmerksamkeit geschenkt wird, wie das kreiseigene Unternehmen mitteilte. So beteilige sich die Krankenhausapotheke des Klinikums Starnberg seit Januar 2020 an dem zweijährigen Projekt „Renal Pharmacist“ (vereinfacht übersetzt: Nieren-Apotheker) der Stiftung Patient und Klinische Pharmazie. Ziel: Probleme durch Medikamente oder deren Kombination aufdecken.

Starnberg - Die beiden Krankenhausapothekerinnen Ann-Kristin Gerke und Katrin Bayerlein betreuen beispielsweise gemeinsam mit Prof. Dr. Hans-Paul Schobel, Leitender Arzt Nephrologie am Klinikum, engmaschig Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. „Wir haben vor allem ältere Patienten, die verschiedene Medikamente nehmen, teilweise bis zu 22 Stück pro Tag“, erklärt Apothekenleiterin Dr. Angela Ihbe-Heffinger. In der Altersgruppe „80+“ gelte es oftmals, die Medikamente anzupassen, da mit zunehmenden Alter die Leistungsfähigkeit der Niere abnehme. „Zudem verstärken manche Medikamente die Nebenwirkungen eines anderen oder reduzieren sogar deren Wirksamkeit.“ So geschehen bei einem 85-jährigen Patienten, der mit einer Lungenentzündung und akutem Nierenversagen eingeliefert wurde. Wegen seiner Herzerkrankung nahm der Patient seit geraumer Zeit das Herzglykosid Digoxin – ein Medikament auf Fingerhutbasis – ein.

Im Klinikum erhielt er zur Behandlung der Lungenentzündung ein passendes Antibiotikum. Nach stationärer Aufnahme wurde die komplette Medikation des Patienten von den Krankenhausapothekerinnen analysiert und mit Nierenspezialist Schobel besprochen. „Diese Art der interdisziplinären Fallbesprechung ist schon eine Besonderheit im deutschen Krankenhauswesen und sonst nur in Kliniken der Maximalversorgung wie Unikliniken üblich beziehungsweise möglich“, sagt Schobel. In ihrem Gespräch kristallisierte sich laut Klinikum heraus, dass die akute Nierenproblematik die Ausscheidung des Herzmedikaments verlangsamt und zur Anreicherung im Blut beiträgt – ein Effekt, der durch das Antibiotikum sogar noch verstärkt werden kann.

Da der Patient bereits leichte unerwünschte Symptome (verlangsamte Herzfrequenz, Übelkeit und Schwindel) zeigte, wurde das Herzmedikament pausiert und der Blutspiegel bestimmt. Dieser lag über dem empfohlenen Bereich, was auch die aufgetretenen Nebenwirkungen erklärte. „In so einem Fall reicht das Pausieren von Digoxin bei gleichzeitiger sorgfältiger Überwachung des Patienten aus“, so Schobel. Nach Besserung der Lungenentzündung erholte sich auch die Nierenfunktion des Patienten wieder und die Therapie mit Digoxin konnte in nierenangepasster Dosierung fortgeführt werden.

Bislang haben die beiden Krankenhausapothekerinnen im Rahmen des Projekts „Renal Pharmacist“ gemeinsam mit Schobel die Medikation bei über 1000 Patienten analysiert und sich dabei mit arzneimittelbezogenen Problemen und eingeschränkter Nierenfunktion befasst. „Unser Ziel ist es, proaktiv zu arbeiten und die Dosierung gleich zu Beginn des Krankenhausaufenthalts so anzupassen, dass es gar nicht zu Nebenwirkungen kommt“, so Ihbe-Heffinger. In vielen Ländern seien Apotheker als „Renal Pharmacists“ bereits etabliert, in Deutschland hingegen nur punktuell wie in Niedersachsen. Dort ist ein Stationsapotheker ab kommendem Jahr verpflichtend.  

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