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Mehr Fälle, mehr Tests, mehr Aufwand - Omikron schwappt durch Landkreis Starnberg

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Von: Simon Nutzinger

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Schnelle Ergebnisse liefert dieses Spezialgerät in der St- Vitus Apotheke in Gilching. Inhaberin Iris Blaschke (l.) und Mitarbeiterin Marion Meßner können die sogenannten PoC-Tests innerhalb von einer halben Stunde auswerten.
Schnelle Ergebnisse liefert dieses Spezialgerät in der St- Vitus Apotheke in Gilching. Inhaberin Iris Blaschke (l.) und Mitarbeiterin Marion Meßner können die sogenannten PoC-Tests innerhalb von einer halben Stunde auswerten. © Andrea Jaksch

Die steigenden Corona-Zahlen sorgen im Landkreis für einen immer größeren Bedarf an Tests. Vor allem die Nachfrage nach der PCR-Variante ist hoch. Viel Arbeit also für das Landratsamt und die Hausärzte. Eine Priorisierung lehnen sie jedoch ab.

Landkreis – Die Omikron-Welle schwappt nach wie vor durch den Landkreis. Und mit immer mehr positiven Befunden steigt natürlich auch der Bedarf an Tests. Vor allem bei der PCR-Variante ist die Nachfrage aktuell so hoch wie noch nie. Diesen Eindruck teilt zumindest Stefan Diebl, Sprecher des Landratsamtes. „Zurzeit ist wirklich außerordentlich viel los“, sagt er in Bezug auf die offizielle Teststation des Landkreises in Gilching.

Knapp 100 Personen kommen dort momentan pro Tag vorbei, um einen PCR-Test zu machen. Dies bedeutet vor allem für die Mitarbeiter in den Laboren einen hohen Aufwand. Denn neben der Auswertung, ob der Test positiv ausschlägt, muss auch noch die Virusvariante bestimmt werden. Rund um Weihnachten, als die Nachfrage besonders hoch war, führte dies laut Diebl zu manchen Verzögerungen. „Die Ergebnisse waren teilweise nicht innerhalb von 24 Stunden abrufbar“, räumt er ein. Dies sei aber wichtig. Zum einen, um eine Erkrankung möglichst frühzeitig zu erkennen, zum anderen aber auch, weil der Test in der Regel nur 48 Stunden nach Abnahme gültig ist.

Landratsamt wechselt Testlabor

Um solche Fälle künftig zu vermeiden, nimmt das Landratsamt einen Wechsel vor. Statt wie bisher in ein Labor nach Augsburg werden die Proben ab Februar nach München geschickt. „Dort wurde uns die Sicherheit gegeben, dass die Ergebnisse spätestens nach 24 Stunden vorliegen“, unterstreicht Diebl.

Doch nicht nur im Testzentrum in Gilching werden PCR-Tests angeboten. Insbesondere die Hausärzte nehmen bei den Abstrichen eine elementare Rolle ein. So macht Dr. Raghild Welp in ihrer Praxis in Gauting davon täglich etwa 50 Stück. Kostenpflichtige PCR-Test, die sozusagen freiwillig geschehen, bilden dabei die absolute Ausnahme. „Maximal drei pro Tag“, betont Welp. Die meisten Patienten kommen, da sie eine Nachricht ihrer Corona-Warn-App erhalten haben, Kontaktperson sind oder bereits Symptome bzw. einen positiven Schnelltest haben. Trotz des Andrangs seien die Ergebnisse in der Regel nach 24 Stunden da. „Das klappt bislang recht gut.“

Extremer Aufwand für Hausarztpraxen

Ähnliches beobachtet Dr. Sarah Hümmer-Wiecken aus der Praxis für Allgemeinmedizin in Herrsching. Dort wird sowohl morgens als auch mittags getestet – und die Proben anschließend direkt ins Labor geschickt. Selbst bei rund 70 Abstrichen am Tag kommen die Ergebnisse ihr zufolge zuverlässig innerhalb eines Tages auf die Handys der Patienten. „Es ist zwar alles mit einem extremen Aufwand für alle Beteiligten verbunden, aber wir kriegen es hin“, sagt Hümmer-Wiecken.

Ins selbe Horn bläst Dr. Markus von Rebay. Er nimmt aktuell bis zu zehn Tests pro Tag ab. Eigentlich hätten er und sein Team in der kleinen Gilchinger Praxis dafür neben ihrer „eigentlichen Arbeit“, wie von Rebay es nennt, keine Zeit. Doch kämen schlichtweg zu viele Anrufe deswegen, als ob er diese ignorieren könne. „Jetzt machen wir das eben auch noch – hilft ja nichts.“ Ob die Ergebnisse auch künftig innerhalb von 24 Stunden abrufbar sind, will er aber nicht versprechen. Erst gestern erreichte ihn ein Schreiben seines Labors, dass dieses mit der Auswertung langsam, aber sicher nicht mehr hinterherkomme. „Mal schauen, wie sich das entwickelt.“

Spezielles Testverfahren in St. Vitus Apotheke in Gilching

Einen deutlich schnelleren Weg, an seinen Befund zu kommen, gibt es in der St. Vitus Apotheke in Gilching. Hier bietet Iris Blaschke sogenannte PoC-Tests an. Diese basieren wie ein PCR-Test auf der Nukleinsäureamplifikationstechnik, können jedoch mit Hilfe eines Spezialgeräts vor Ort und innerhalb einer halben Stunden ausgewertet werden. Ein externes Labor braucht es in diesem Fall also nicht. Der Haken: Ganz so zuverlässig wie ein PCR-Test ist die PoC-Variante laut Blaschke nicht. „Es gibt ein geringes Risiko auf falsch-negative Ergebnisse“, räumt sie ein. Der Nachfrage tut dies jedoch keinen Abbruch. Um die 100 Personen stehen pro Tag für einen Abstrich in der Apotheke. Dass der Test 75 Euro kostet, nehmen dabei die meisten gerne in Kauf. „Die Menschen wollen einfach gleich wissen, was Sache ist und nicht erst ein bis zwei Tage auf ein Ergebnis warten“, sagt Blaschke. Vor allem bei Kindern sei dies kein zu vernachlässigender Faktor. „Die Eltern wollen ihre Kleinen ja schließlich schnellstmöglich wieder in die Schule lassen.“

Insgesamt zufrieden mit dem Ablauf der Testungen zeigt sich Dr. Bernhard Junge-Hülsing. „Alle Nachfragen zeitnah zu bedienen, ist zwar nicht immer einfach“, stellt der ärztliche Koordinator der Haus- und Fachärzte im Landkreis klar. „Aber ich habe keine Sorge, dass die Test-Kapazitäten bei uns zusammenbrechen werden.“ Auch hält er eine Priorisierung, wie von Gesundheitsminister Karl Lauterbach ins Spiel gebracht, nicht für nötig. „Es ist wichtig, dass alle sich jederzeit testen lassen können“, unterstreicht Junge-Hülsing. Eine Sicht, die seine Kollegen im Landkreis teilen. So sagt etwa Dr. Raghild Welp aus Gauting: „Vor allem die Kinder müssen als häufige Infektionsträger regelmäßig getestet werden.“ Bei einer Priorisierung würden diese wohl eher hintenanstehen. „Und das wäre genau falsch.“

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