Radfahrer.
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Ordentlich was los: Radfahrer säumen derzeit die Straßen im Landkreis.

Zu oft auf den Gehsteigen unterwegs

Unfälle häufen sich: Mehr Kontrollen von Radlern

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Radfahren ist angesagt im Landkreis. An und für sich keine verkehrte Sache. Doch birgt der Trend auch Risiken – was ein Blick auf die Unfallstatistiken zeigt.

Landkreis – Anton Maier nennt es sein „Aha-Erlebnis“: Mitte Juli war der Kreisvorsitzende des ADFC Starnberg mit seinem Fahrrad auf der alten Olympiastraße von Wangen nach Starnberg unterwegs. Ein entspannter Weg, um ganz ohne Auto in die Stadt zu kommen. Doch nicht an diesem Tag. „Der Radweg war komplett überfüllt“, sagt Maier. „Gefühlt waren das 1000 Fahrräder.“ Dass es an einem sonnigen Wochenendtag einmal etwas mehr zugeht, das sei normal. „Aber so – das habe ich noch nie erlebt.“

Fest steht: Die Zahl der Fahrradfahrer hat im Landkreis in den vergangenen Monat massiv zugenommen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie mitsamt ihren Kontaktbeschränkungen hat den Menschen ihre Liebe zum Radfahren zurückgebracht. „An und für sich ja keine schlechte Sache“, findet Oliver Jauch, Verkehrssachbearbeiter der Polizei für den Landkreis. Schließlich sei eine solche Entwicklung ja allein schon aus Sicht der Umwelt wünschenswert.

Zahl der Unfälle von 184 auf 206 gestiegen

Doch birgt das vermehrte Fahrrad-Aufkommen auch Risiken. Vergleicht man die Unfallstatistiken für den Zeitraum vom Start des Lockdowns im März bis heute mit den Daten derselben Zeitspanne aus dem Vorjahr, hat sich die Zahl der Unfälle mit Beteiligung eines Radfahrers im Landkreis von 184 auf 206 gesteigert. Ein Zuwachs von rund zwölf Prozent, der anhand eines allgemeinen Rückgangs der Verkehrsunfälle von 2480 auf 1928 zusätzliches Gewicht erhält.

Für Polizist Jauch gibt es dafür mehrere Gründe. Zum einen seien derzeit viele Radfahrer auf den Straßen zugegen, die ihr Fahrrad in den vergangenen Jahren äußerst selten aus dem Keller geholt hatten. „Da merkt man einfach fehlende Übung und eine daraus resultierende Unsicherheit im Umgang mit der Verkehrsordnung.“ Nicht gerade förderlich sieht er in diesem Zusammenhang die Rolle der E-Bikes. Die sich vor allem bei älteren Menschen großer Beliebtheit erfreuenden, motorisierten Räder seien angesichts von Geschwindigkeiten bis zu 28 Kilometer pro Stunde nicht für Jedermann händelbar. „Da muss man sehr wachsam sein, sonst kracht es ganz schnell einmal.“

Immer wieder gefährliche Situationen mit Fußgängern und Autofahrern

Wichtig ist Jauch dabei zu betonen, dass es sich bei diesem Punkt nicht um Kritik an den Radfahrern handelt. „Das sind alles verständliche Dinge“, sagt er. Deutlich ärgerlicher ist für ihn ein anderer Umstand, der sich in den jüngsten Wochen ihm zufolge stark eingeschlichen hat: das Radfahren auf den Gehwegen. „Das geht gar nicht“, sagt Jauch. Dies führe immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Fußgängern oder auch mit Autofahrern, die von ihren Hofeinfahrten auf die Straße fahren wollen. Jauch möchte mit seinen Polizei-Kollegen in Zukunft verstärkt die Gehwege kontrollieren. „Die Radfahrer sollen dahin, wo sie hingehören: auf die Straße.“

Worte, die Anton Maier nachvollziehen kann. „Wer über zehn Jahre alt ist, hat auf dem Gehweg nichts zu suchen.“ Doch handelt es sich seiner Ansicht nach dabei oftmals um reinen Selbstschutz. „Viele Radfahrer haben Angst vor dem Straßenverkehr.“ Der ADFC-Kreisvorsitzende denkt dabei vor allem an rücksichtslos überholende Autofahrer. „Von 1,50 Metern Überholabstand ist da nichts zu sehen.“ Maier plädiert für mehr Radwege und eine Infrastruktur, die sich der Entwicklung mitsamt der Vielzahl an E-Bikes anpasst. Er betont: „Nur so schaffen wir es, dass sich alle im Straßenverkehr sicher fühlen – und die Zahl der Unfälle wieder nach unten geht.“

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