+
Die Cheftouristiker Klaus Götzl (l.) und Christoph Winkelkötter im Gespräch mit Merkur-Redakteur Sebastian Tauchnitz.

Im Gespräch

Mehr Qualität statt mehr Besucher

  • schließen

Landkreis - Alles neu im neuen Jahr. Der Tourismusverband Starnberger Fünf-Seen-Land ist nicht mehr, die gfw Starnberg auch nicht. Gemeinsam firmieren sie jetzt unter gwt. Doch was ändert sich dadurch in Sachen touristischer Vermarktung des Landkreises? Darauf antworten der Chef der neuen gwt, Christoph Winkelkötter, und sein Stellvertreter Klaus Götzl, Leiter Tourismus.

-Bevor jetzt alles neu wird – wie war die Entwicklung des Tourismus im Fünfseenland im vergangenen Jahr?

Götzl: Eigentlich sehr positiv. Die Statistik liegt bis Ende Oktober vor und weist Zuwächse im kleinen Rahmen aus. Während die Gästezahlen in München nach dem Amoklauf am OEZ eingebrochen sind, blieben sie bei uns stabil. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir das Potenzial hier im Landkreis noch lange nicht ausgeschöpft haben.

-Also ist das Ziel, jetzt mit gebündelter Kraft die Gästezahlen 2017 dramatisch zu steigern?

Winkelkötter: Nicht unbedingt. Die Auslastungsquote der Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen im Fünfseenland ist gut...

Götzl:...wir liegen im bayernweiten Vergleich bei den Übernachtungen in den Top 10...

Winkelkötter: Es muss eher darum gehen, die Wertschöpfung der Besucher zu erhöhen.

-Wie muss man sich das genau vorstellen?

Winkelkötter: Wir haben im Schnitt zwischen acht und zwölf Millionen Tagesausflügler pro Jahr im Landkreis. Die geben rund 200 Millionen Euro aus. Es geht darum, diesen Betrag durch bessere Angebote zu erhöhen. Dazu kommen noch einmal 1,5 Millionen Euro Übernachtungsgäste, durch die weitere 150 Millionen Euro pro Jahr in die Region fließen.

-Tourismus bleibt also auch weiterhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region...

Götzl: Auf alle Fälle. Rund 2000 Arbeitsplätze sind direkt davon abhängig.

-Die Zahlen sind beeindruckend. Aber dennoch liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste im Fünfseenland bei gerade mal 2,6 Tagen...

Winkelkötter:Das liegt natürlich auch daran, dass wir eine Ausflugs- und Wohn-, aber keine Urlaubsregion im klassischen Sinne wie Garmisch oder der Chiemsee sind. Wir haben viele Übernachtungsgäste, die Tagungen oder Messen in München besuchen. Und diese dauern selten länger als drei bis fünf Tage. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein.

-Wie ist das zu verstehen?

Winkelkötter:Wir verfolgen eine andere Strategie. Eines unserer Ziele ist, die Unternehmen im Landkreis mit den Tourismusbetrieben zusammenzubringen. Die Betriebe in der Region bekommen oft Besucher von außerhalb. Warum sollte man denen nicht Pakete schnüren, dass sie im Anschluss noch ein Wochenende mit ihren Familien verbringen? Zudem arbeiten wir an Angeboten, um bestimmte Zielgruppen anzusprechen.

-Welche?

Winkelkötter:Golfspieler zum Beispiel. Wir haben hier die höchste Dichte an hervorragenden Golfplätzen. Warum nicht ein Angebot stricken a la „Fünf Plätze in fünf Tagen?“ Zudem sollten wir uns vermehrt auf die Tagungsgäste konzentrieren. Die Bedingungen dafür sind ideal. Statt dessen brauchen wir weniger darauf zu setzen, Wellnessurlauber anzusprechen. Da fehlt in der Region einfach die entsprechende Infrastruktur.

-Wie soll denn nun genau für den Tourismus geworben werden?

Götzl: Messebesuche und Prospekte sind weiter immens wichtig. Wir sind auf den wichtigen Messen im In- und Ausland in diesem Jahr präsent – auch in München. Dabei sprechen wir nicht nur die Privatkunden an, sondern auch Unternehmen.

Winkelkötter: Parallel dazu müssen wir die Werbung im Internet und den sozialen Medien verstärken.

-Gibt es da Nachholbedarf?

Götzl: Durchaus. Wir bieten eine zentrale Buchungsplattform für das Fünfseenland an. Doch leider sind erst rund 20 Betriebe aus der Region auf sta5.de hier direkt buchbar.

-Ist das Angebot zu teuer oder lohnt es sich nicht?

Götzl: Ganz im Gegenteil. Wir haben eine Ferienwohnungsanbieterin, die hat in den ersten neun Monaten des Bestehens des Portals (seit Mai 2014) schon 10 000 Euro Umsatz darüber gemacht – bis heute 40 Prozent mehr als zuvor. Die durchschnittliche Übernachtungsdauer ist bei ihr seitdem um zwei Tage gestiegen. Viele andere Hoteliers und Vermieter von Ferienwohnungen sind da deutlich zurückhaltender. Da müssen wir noch Lobbyarbeit leisten.

Winkelkötter: Das bringt mich zu einem wichtigen Punkt. Es geht nicht nur darum, den Standort nach außen, sondern auch nach innen zu vermarkten. Wir müssen die Anbieter vernetzen, aber auch in der Bevölkerung um Verständnis werben. Die Region ist ein wunderbarer Wohnstandort, viele fühlen sich durch die Tagesgäste gestört. Wir müssen ihnen klar machen, dass es ohne Tagestouristen und Gäste viele Restaurants und Kneipen, Museen und Veranstaltungen nicht geben würde.

-Was schwebt Ihnen in Sachen Vernetzung vor?

Winkelkötter: Da liegen noch viele Potenziale brach. Ein Beispiel: Da gibt es Weihnachtsmärkte, die sind samstags bis 22 Uhr geöffnet und locken Besucher in Scharen an. Die Geschäfte im Ort haben aber spätestens um 14 Uhr geschlossen. Das muss doch nicht sein. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz, schließlich geht es um die Entwicklung der gesamten Region.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dauerregen: Unwetterwarnung für Landkreis 
Es wird ordentlich regnen: Für den Landkreis Starnberg gelten ab Freitagabend Unwetterwarnungen vor Dauerregen in unterschiedlicher Ausprägung.
Dauerregen: Unwetterwarnung für Landkreis 
Großräumige Umleitungen geplant
Großräumige Umleitung und Verkehrsbehinderungen sind ab Montag beim dritten Bauabschnitt der Straßenbauarbeiten durch Erling zu erwarten.
Großräumige Umleitungen geplant
Ausweichversuch: 30 000 Euro Schaden 
Eile war vielleicht der Grund, warum ein Autofahrer am Donnerstagabend an einer Radfahrerin vorbeifahren wollte - am Ende krachten zwei Pkw zusammen.
Ausweichversuch: 30 000 Euro Schaden 
Perfide neue Masche der falschen Polizisten
Die Gauner, die sich seit Monaten am Telefon als falsche Polizisten ausgeben, haben eine neue Masche. Die Kripo warnt eindringlich.
Perfide neue Masche der falschen Polizisten

Kommentare