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Der Fahrradschutzstreifen auf der Ortsdurchfahrt in Erling wurde dieses Jahr angelegt. Nach Angaben der Kreisverkehrsmanagerin erfreue er sich „großer Beliebtheit“. 

Landkreis Starnberg

Mehr Sicherheit für Alltagsradler

Ein Schutzstreifen in Erling, Furten in Wörthsee und anderswo, Verbesserungen auch in Feldafing – heuer wurden 15 Projekte aus dem Alltagsradroutenkonzept umgesetzt. In den nächsten Monaten sollen weitere folgen, etwa in Berg, Herrsching, Gauting.

Landkreis – Das Alltagsradroutenkonzept für den Landkreis Starnberg hat auch 2018 Fortschritte gemacht. Weitere 15 Projekte aus dem Konzept seien umgesetzt worden, berichtete Kreisverkehrsmanagerin Susanne Münster diese Woche dem Mobilitätsausschuss des Kreistages. In diesem und dem vorigen Jahr waren es damit in der Summe 46 Projekte. 19 seien in Arbeit und würden entweder noch heuer umgesetzt oder Anfang nächsten Jahres. Zwei Vorhaben haben die jeweiligen Gemeinden gestrichen. 2019 will sich der Kreis den „großen Brocken“ widmen – Radwegen an Staatsstraßen.

Zumeist sind es kleinere Maßnahmen, die aber für Radfahrer auf dem täglichen Weg in die Arbeit oder privat das Leben erleichtern. Markierungen von so genannten Furten gehören dazu, also wenn Radwege einmündende Straßen queren. Das Vorgehen der Gemeinden ist jedoch nicht einheitlich: Manche ziehen Linien, andere ziehen Linien und malen die Furt rot an – die Gemeinde Wörthsee nahm die Farbe, ließ aber die Linien weg. Dafür will Münster im kommenden Jahr mit den Kommunen einen Standard festlegen.

Allerdings ist es mit Farbe nicht immer getan: Der Landkreis hatte sich für 2018 vorgenommen, an Kreisstraßen im Gemeindegebiet Berg und am Gewerbegebiet Rothenfeld zwei Furten zu schaffen. Die Kosten jedoch sind deutlich höher als erwartet, weswegen die Kreisgremien darüber Anfang nächsten Jahres neu entscheiden sollen. Gleiches gilt für die Beseitigung von Kopfsteinpflaster in Landstetten.

Fortschritte gibt es bei zwei wichtigen Radwegverbindungen unter Regie des Landkreises: den Radweg Neuried-Gauting und jenen von Allmannshausen zur Kreisgrenze. Den Weg von Gauting nach Neuried hat der Landkreis München komplett übernommen, weil 80 Prozent auf seinem Gebiet liegen. Der Grunderwerb mache Fortschritte, sagte Münster. 2019 werde man wohl eine Planung vorlegen können. Auf Höhe Frühlingsstraße wurden in Gauting in Vorbereitung des neuen Radwegs bereits zwei Querungsinseln gebaut.

Noch heuer soll der Grunderwerb für den Radweg südlich von Allmannshausen abgeschlossen werden – auf dem Gebiet des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen wird bereits gebaut. In einem Jahr soll es eine konkrete Planung geben. Fortschritte sieht Münster auch beim Radweg von Herrsching nach Breitbrunn. Der Grunderwerb laufe.

Im Januar wird es eine große Runde mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim und allen Bürgermeistern geben, kündigte Münster an. Dabei soll es um neue Radwege an Staatsstraßen gehen und um ein abgestimmtes Vorgehen bei Projekten, die mehrere Gemeinden betreffen. Derzeit scheitert ein Projekt, wenn eine beteiligte Kommune nicht mitmacht.

Die 14 Landkreisgemeinden erledigen ihre Punkte aus dem Konzept zumeist in Eigenregie oder in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Bauamt. So wurde in Feldafing die Traubinger Straße mit einer neuen Fahrbahndecke versehen, was für Radfahrer eine höhere Sicherheit bringt. Es sind bisweilen nur kleine Markierungen – etwa auf dem Radweg am Kreisel in Weßling, der Fahrtrichtungen vorgibt.

Zunehmend an Bedeutung gewinnen die Schutzstreifen auf ausreichend breiten Hauptstraßen in geschlossenen Orten. Als positives Beispiel nannte Susanne Münster den Streifen an der ausgebauten Ortsdurchfahrt in Erling, der sich „großer Beliebtheit“ erfreue. Dazu trage auch der Umbau der Einmündung der Kreisstraße aus Richtung Starnberg bei.

Schutzstreifen sind für die nördliche Hauptstraße in Tutzing geplant im Bereich zwischen der dortigen Kreissparkasse und der Grenze zu Feldafing. Der Tutzinger Verkehrsausschuss werde sich demnächst damit befassen. Schutzstreifen gibt es inzwischen auch auf der Münchener Straße in Gauting, der allerdings kein Projekt des Alltagsradroutenkonzeptes ist – er war bei dessen Erstellung bereits geplant. Dort stelle man fest, dass der Verkehr insgesamt langsamer werde und das Sicherheitsgefühl steige. An der Ammerseestraße in Gauting wird es Münster zufolge noch einige Jahre dauern, bis nach einem Ausbau ein Schutzstreifen angelegt werden könne. Die Rede ist von 2024.

Seit wenigen Wochen liegt dem Landratsamt ein Antrag aus Herrsching vor, auf der Rieder Straße in Lochschwab einen Streifen anzulegen. Die Prüfung dauere noch an, eine Entscheidung soll es bis Ende Januar geben. Ein Problem dort: An der Strecke liegt eine Kindereinrichtung, der Streifen wäre zu den Hol- und Bringzeiten wohl zugestellt. Verschoben ist hingegen ein Schutzstreifen auf der Possenhofener Straße in Feldafing – dazu muss die Seeuferstraße erst abgestuft werden.

Vizelandrat Georg Scheitz (CSU) regte einen Schutzstreifen außerorts zwischen Unter- und Oberbrunn an. Hintergrund: Wegen der Starnberger Westumfahrung wird die Radwegverbindung von Starnberg Richtung Gilching neu geregelt. Wie berichtet, soll zwischen Waldkreuzung und Abfahrt nach Oberbrunn ein Stück neu gebaut werden.

Münster gibt Scheitz’ Wunsch wenig Realisierungschancen, auch wenn ein Schutzstreifen dort „eine tolle Geschichte“ wäre. Die Straßenverkehrsordnung lasse Schutzstreifen außerorts nicht zu. „Da sind uns die Hände gebunden. Aber wir schauen, was rechtlich geht.“ Auch Landrat Karl Roth hält den Streifen für sinnvoll, Grünen-Kreisrätin Erika Schalper hält Radfahren auf dieser Strecke derzeit für eine Frage von Leben und Tod.

Scheitz hatte noch ein anderes Anliegen: einen Radweg von Andechs nach Herrsching entlang der Staatsstraße. „Da geht nichts weiter“, klagte er in Richtung der Verkehrsmanagerin, „bitte übernehmen Sie das.“ Es habe noch nicht einmal Gespräche mit den Grundeigentümern gegeben. Auf Dauer könne man die Verbindung nicht nur übers Kiental laufen lassen, zumal es zwischen Ammer- und Starnberger See inzwischen eine fast durchgängige Verbindung gebe. Das Thema könnte nun beim Termin im Januar zur Sprache kommen.

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