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Ortstermin mit neuer Visualisierung: Michael Mükusch vom Bauherren Wohnbau Starnberg am See GmbH (r.) hatte neue Bilder und Muster der Dachschindeln mitgebracht, als er mit Stadtbaumeister Stephan Weinl (l.), Bürgermeisterin Eva John und Stadträten wie Angelika Wahmke und Gerd Weger vor der Hauptstraße 12 (im Hintergrund) die Neubaupläne erörterte.
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So soll der Neubau aussehen: Markant und hochwertig will die Wohnbau Starnberg am See GmbH sechs Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten errichten.

Hauptstrasse 12

Mehrheit für Bronze-Dach

Mit knapper Mehrheit hat der Bauausschuss dem Neubau an der Hauptstraße 12 in Starnberg zugestimmt. Fünf Stadträte lehnen das Vorhaben und vor allem das bronzene Dach weiter ab.

Starnberg – Der Neubau an der Hauptstraße 12 in Starnberg hat das Einvernehmen des Bauausschusses bekommen. Ausschlaggebend waren auch neue Ansichten, die die Architekten und der Bauherr am Donnerstag vorlegten. Mit acht gegen fünf Stimmen fiel die Entscheidung jedoch knapp aus. Einige Stadträte fanden den Bau nach wie vor unpassend bis hässlich.

Vor der Sitzung ging der Ausschuss die halbe Hauptstraße ab, um sich ein Bild vom „Baustil typisch Hauptstraße“ zu machen. Grünen-Stadträtin Annette von Czettritz hatte das schon vorher gemacht und ihre Schlüsse gezogen (wir berichteten) – eine Initiative, die Anerkennung von Bürgermeisterin und Ausschuss fand. Die Architektin war zu ähnlichen Erkenntnissen gelangt wie Stadtbaumeister Stephan Weinl. Nämlich: So genannte Lochfassaden – gleichmäßig verteilte Fenster – seien ebenso typisch wie Giebel parallel zur Straße oder Geschäftszeilen in den Untergeschossen. Zwei große Ausreißer gibt es: das Centrum und den roten Bau Hauptstraße 16. Beide stammen aus den 1990er Jahren, als solche Bauformen modern waren, erklärte Weinl.

Der Stadtbaumeister stufte den geplanten Neubau als sehr wohl typisch ein und verwies nochmals auf die Vorteile: Der Sockel fällt weg, damit wird der Platz vor dem Haus von 1,80 auf vier Meter verbreitert. Die Architekten waren der Stadt nochmals entgegengekommen und planten eine vom Bauausschuss im Januar geforderte Treppe am Feodor-Lynen-Steig zwischen dem Neubau und der Stadtbücherei (Altes Rathaus) ein. Überhaupt habe man selten so kooperative Bauherren und Planer erlebt, betonte Bürgermeisterin Eva John.

Wie schmal die Grenze zwischen Architektur-Bewertung und Zuständigkeit des Bauausschusses ist, zeigte die Debatte am Donnerstagabend. Weinl hatte schon zu Beginn klargestellt, dass der Ausschuss eigentlich nur über eine Befreiung vom Bebauungsplan zu beraten habe, der Bau ansonsten aber den Vorgaben entspreche. Heißt: Der Bau wird sowieso vom Landratsamt genehmigt. Eva John musste mehrfach mahnen, sich an die Zuständigkeiten des Ausschusses zu halten.

Architektinnen weiter für den Neubau

Eine Reihe von Ausschussmitgliedern gefiel das Haus trotzdem nicht. Zwar wirke es auf den neuen Darstellungen gefälliger, sagte Gerd Weger (CSU), er stelle sich an dieser Stelle etwas anderes vor. Prof. Otto Gaßner (UWG) war weiter „unglücklich“, zumal der Bau der Stadtbücherei die dominierende Rolle an dem kleinen Platz streitig mache. „Das goldene Dach ist wie Hosenträger schnalzen lassen“, meinte er. Weinl hingegen sieht durch den Neubau, der etwa die Höhe des Alten Rathauses haben wird, den Platz eher gestärkt. Franz Heidinger (BLS) wollte den Bau nach Süden verschieben, um eine Sichtachse aufs Schloss freizuhalten, und Angelika Kammerl (Parteifreie) erkannte einen klaren Fall für einen Gestaltungsbeirat, da die Debatte ihrer Einschätzung nach nicht immer von fachlicher Qualifikation beherrscht werde. Sie blieb bei ihrer Ablehnung.

Josef Pfister (BMS) konnte an den Dachschindeln nichts Negatives finden. „Es ist kein Golddach, sondern Bronze“, sagte er – der Architekt Benjamin Nejedly hatte extra ein Muster der Schindeln mitgebracht. Dr. Klaus Huber (WPS) befürwortete den Bau wegen der Wohnungen, denn sie belebten die Innenstadt. Die beiden Architektinnen im Gremium, von Czettritz und Iris Ziebart (FPD), sprachen sich erneut für den Neubau aus. Im Grundsatz sei der Bau so richtig, sagte Ziebart. Nach einstündiger Diskussion hielt Annette von Czettritz dem Ausschuss den Spiegel vor: Einige finden den Neubau langweilig, andere zu dominierend. „Ja was denn nun?“, fragte sie. Ludwig Jägerhuber (CSU) hatte zwar auch seine Zweifel, fand die Alternative – eine Änderung des Bebauungsplanes – aber überzogen. Die Sichtachsen-Frage hielt er für abwegig: Vom Kirchplatz aus wäre die nicht machbar, weil ein Haus im Weg stehe.

Weinl sagte zu, sich Gedanken über die Platzgestaltung zu machen – und er dankte dem Ausschuss für das Niveau der Diskussion. Das gibt es auch selten in einem Stadtratsgremium.

Bau soll noch heuer beginnen

Die Ortsbegehung und die Debatte im Ausschuss verfolgten Michael Mükusch, Geschäftsführer des Bauherren Wohnbau Starnberg am See GmbH, und Nejedly vom Büro ENEFF, mit Interesse. Mit der Entscheidung war Mükusch sehr zufrieden. Die Planungen für den Neubau sehen sechs Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten vor – und durch die erste Diskussion im Ausschuss hat das Projekt so viel Aufmerksamkeit erregt, dass er bereits mit potenziellen Mietern in Verhandlungen steht. So soll das hochwertige Café von einem Münchner Unternehmen betrieben werden und auch den Platz vor der Bücherei beleben. Dazu stehe man in Gesprächen mit der Stadt, sagte Michael Mükusch. Für dieses Jahr sind Abriss und Baubeginn geplant, der Bau selbst soll rund ein Jahr dauern.

Befürchtungen, die Baustelle könnte den Verkehr stark behindern, will Mükusch ausräumen. Man arbeite daran, Behinderungen zu vermeiden und werde dies auch schaffen. Wenn wegen Anlieferungen Behinderungen unumgänglich seien, wolle man dies in Zusammenarbeit mit der Stadt auf verkehrsarme Zeiten legen. Beim Bau spart er nicht: Hochwertiges Material und viel Handarbeit sollen die Hauptstraße 12 zu einem nachhaltig gebauten, besonderen Gebäude machen.

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