Meister lassen in ihre Werkstatt blicken

Ein atemberaubendes Konzert erlebten die Besucher der Schlossberghalle in Starnberg.

Starnberg - Nicht nur Schüler, auch Musiklehrer füllen Säle. Beim Konzert im Kleinen Saal der Schlossberghalle boten Lehrkräfte der Musikschule einen Einblick in ihre Werkstatt. Ulrike Huber, spezialisiert auf Alte Musik, zeigte am Klavier bei der „Ersten Cembalo-Suite“ des Cembalisten Jacques Duphly (1744) Rameaus Einfluss auf die ruhige Allemande und den von Couperin auf die flotte, mitunter an Lautenmusik erinnernde Courante.

Peter Must, ehedem bei der Camerata Salzburg, stellte den Kostproben des Nach-Barock Johann Sebastian Bachs Violin-Solo-Partita d-Moll BWV 1004 mit der tief berührenden Sarabande gegenüber.

Den Gitarristen Peter Jermer verlocken Handschriften zu erweiterndem Komponieren. Als Uraufführung trug er eine Sonate G-Dur des in Beethovens Zeit für gefällige Chor- und Kammermusik geschätzten Leonhard von Call in drei von ihm ergänzten Sätzen vor, endend mit ermunterndem Rondo Allegretto. Die angenehme Tonsprache von Gitarrenkomponisten aus Calls Zeit vertraten ein Andante von Ferdinando Carulli und ein Cantabile von Fernando Sor. Jermer bearbeitete beide und variierte den besinnlichen Ausdruck. Der Amerikaner Eden Ahbez schrieb den Song „Nature Boy“, dem jiddischen „Schweig, mein Hertz“ verwandt. Dort suchte der Gitarrist dem Lebensgefühl eines wohnungslosen, im Central Park hausenden Vegetariers zu entsprechen.

Bei Liedern von Richard Strauss versenkten sich dagegen Leonore Laabs (Sopran) und Bonny Palm (Klavier) in spätromantische Ausdruckswelten. Zu erleben waren Hoffnung („Freundliche Vision“), Furcht vor dem Verlust des Geliebten („Die Nacht“), sanfte Nostalgie („Allerseelen“) und Freude auf „Morgen“.

Ungewohnte Besetzungen bildeten das Finale. Leander Kaiser entfaltete auf vier Pauken eine Episode der Argonauten-Sage. Auf der Suche nach dem Goldenen Vließ droht Schiffen, in enger Durchfahrt von sich schließenden Felsen erdrückt zu werden. Eine Taube, die vorweg fliegt, kann den Fluch bannen. Mit der faszinierenden Dramatik unterschiedlicher Paukenschläge bestätigte Kaiser seine bei internationalen Wettbewerben errungenen ersten Preise.

Zur Gemütsberuhigung spielte die englische Pianistin Bonny Palm mit der aus der französischen Schweiz stammenden Lauriane Follonier vierhändig. Sie machten das „Playful Pizzicato“ aus Brittens „Simple Symphony“ zum „Playful Staccato“, färbten die „Siesta“ von Lambert als gemäßigt-moderne Pastorale und Waltons „Popular Song“ als fröhliches Finale.

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