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Unscheinbar, aber wichtig: Die Messstationen in Starnberg bleiben zwei Jahre stehen. 

Messungen in der Starnberger Innenstadt

Auf der Spur der dicken Luft

Wie dick ist die Luft in Starnberg wirklich? Sehr dick, das merkt man, aber die genaue Schadstoffbelastung hat in den vergangenen Jahren nie jemand gemessen. Seit Oktober ermitteln zwei Stationen die Belastung – und auch, ob Grenzwerte überschritten werden oder nicht.

Starnberg – Mit genauen Daten argumentiert es sich besser: Wie schlecht die Luft an der Haupt- und der Hanfelder Straße in Starnberg tatsächlich ist, lässt die Stadt seit diesem Monat vom Ingenieurbüro Accon aus Greifenberg ermitteln. An zwei Stellen sind kühlschrank-große Stationen aufgebaut, die laufend drei Werte ermitteln: Die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2), mit Feinstaub der Größenklasse PM10 und PM2,5. Die Daten werden laufend im Internet veröffentlicht. Sollte die Lage zu schlimm werden, will die Stadt etwa dazu appellieren, das Auto stehenzulassen.

NO2 entsteht zumeist bei Verbrennungsprozessen, heißt im Motor oder in der Heizung. Gesundheitliche Risiken bestehen laut Umweltbundesamt vor allem für Asthmatiker. Feinstaub PMkommt ebenfalls zumeist aus Motoren und Heizungen. PM10 gelangt bis in die Nase, der feinere PM2,5 bis in die Lunge und Bronchien. Feinstaub birgt ebenfalls Gesundheitsrisiken. Das Umweltbundesamt dazu: „Sie reichen von Schleimhautreizungen und lokalen Entzündungen in der Luftröhre und den Bronchien oder den Lungenalveolen bis zu verstärkter Plaquebildung in den Blutgefäßen, einer erhöhten Thromboseneigung oder Veränderungen der Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems (Herzfrequenzvariabilität).“

Die Messstationen wurden auf Beschluss des Stadtrates aufgestellt, schon 2009 hatten WPS und damals auch die BLS dies gefordert. Kostenpunkt: rund 180 000 Euro. Die Stationen seien an zwei stark frequentierten, teilweise engen Streckenabschnitten installiert worden, teilte die Stadt mit: an der Hauptstraße Nummer 4 (neben VR-Bank) und an der Hanfelder Straße 11 (Ecke Von-der-Tann-Straße). „Die beauftragten Luftgütemessungen sollen dazu beitragen, einen Überblick über die lufthygienische Belastung an stark befahrenen Straßenabschnitten zu erhalten. Dank des Zwei-Jahres-Messzeitraums können so aussagekräftige langfristige Konzentrationsverläufe ermittelt werden“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus.

Im Klartext: Die Stadt will genaue, gesicherte Daten, und das aus zwei Gründen. Zum einen, erklärt Bürgermeisterin Eva John, geht das darum, die kurzfristige Belastung zu kennen: „Auf diese Weise ist es der Stadt Starnberg möglich, bei sehr hohen Schadstoffbelastungen die Bürger darauf hinzuweisen.“ Dies könne etwa in Form von Appellen geschehen, mehr ÖPNV zu nutzen, das Auto stehen zu lassen oder dergleichen. Zum anderen sollen die Daten helfen, die Luftqualität sicherzustellen und „damit die Gesundheit des Menschen in Starnberg gewährleisten“. Das gilt, sagt die Bürgermeisterin, etwa dann, wenn man Einschränkungen vornehmen will. Details nannte sie nicht, aber Lkw-Fahrverbote oder dergleichen liegen auf der Hand.

Und was passiert, wenn die Grenzwerte dauerhaft überschritten werden? Vermutlich erstmal gar nichts, denn in München kommt das häufig vor, ohne dass Fahrverbote verhängt werden – bisher. Zudem sind die Grenzwerte auf lange Zeiträume ausgelegt, eine einzelne Überschreitung bleibt folgenlos. Solche Fragen müsse man dann mit dem Landratsamt und der Regierung von Oberbayern beraten, sagt John.

Die Daten beider Messstationen werden laufend im Internet angezeigt auf der Seite www.accon.de/starnberg.

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