Die Natur steckt voller Abenteuer – das weiß Tatjana Falk nur zu gut. Sie ist Wildnispädagogin. Und hat ein paar Freizeittipps für die Osterfeiertage.
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Die Natur steckt voller Abenteuer – das weiß Tatjana Falk nur zu gut. Sie ist Wildnispädagogin. Und hat ein paar Freizeittipps für die Osterfeiertage.

Freizeittipps für Ostern

Abenteuersuche in Corona-Zeiten: Neuer Trend macht es möglich - „Überall Spannendes zu entdecken“

  • Nina Praun
    vonNina Praun
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Viel freie Zeit, wenig Möglichkeiten, etwas zu unternehmen: Unser Alltag war selten so abenteuer-arm. Doch daran kann jeder leicht etwas ändern, betont Tatjana Falk. Sie ist Wildnispädagogin und eine echte Expertin dafür, wie sich die Welt vor der eigenen Haustür neu entdecken lässt.

Starnberg – „Für mich beginnt das Abenteuer, sobald ich die Haustür verlasse“, sagt Tatjana Falk. Kein Wunder. Denn sie ist Wildnispädagogin führt seit 13 Jahren zusammen mit ihrem Mann die Natur- und Wildnisschule „Waapiti“ in Starnberg. Das macht sie zu einer echten Expertin in Sachen Abenteuer. Und die sind in dieser abenteuerarmen Zeit schwer gefragt.

Freizeittipps für Ostern: Neuer Corona-Trend Mikroabenteuer - „Augen auf, Ohren auf, Nase auf“

Falks Ansatz ist nicht höher, schneller, weiter – im Gegenteil. „Die Leute sagen oft: Bei uns gibt es ja gar keine Wildnis mehr“, erzählt die 51-Jährige. „Aber das stimmt nicht! Auch die Amsel im Garten ist ein Wildvogel, auch die Brennnessel ist eine Wildpflanze.“ Wildnis ist also eine Frage der Betrachtungsweise, erklärt Tatjana Falk. „Es gibt überall etwas Spannendes zu entdecken. Man muss sich nur die Zeit dafür nehmen.“

Also einfach mal ein paar Schritte vor die Tür machen, in den Garten, den Park, den nächsten Wald, und dann: „Augen auf, Ohren auf, Nase auf“, appelliert Falk. „Für mich ist das schon ein Mikroabenteuer.“ Mikroabenteuer – das ist ein Trendbegriff, der seit Beginn der Pandemie sehr in Mode gekommen ist. Erfunden hat ihn 2012 der britische Abenteurer und Schriftsteller Alastair Humphreys, für das „lokale, kostengünstige, simple, kurze Abenteuer“.

Erlebnisse in der Natur - Wildnispädagogin rät: „Das Wichtigste ist: sich Zeit nehmen“

Doch während Humphreys vor allem das spontane Übernachten irgendwo in der Wildnis propagiert, ist Tatjana Falk von dieser Idee nicht sehr begeistert. „Bei uns ist wildes Campieren verboten, das kann ich nicht empfehlen.“ Sie ist der Meinung, das solch eine Hauruck-Aktion auch gar nicht nötig ist. „Das Wichtigste ist: sich Zeit nehmen. Das ist in unseren Kursen ein sehr großes Thema.“

Das geht etwa so: Spazierengehen – mit reduzierter Geschwindigkeit. „Mal nicht durch den Wald stürmen, sondern ganz langsam gehen“, erklärt Falk. „Das ist für viele schon eine Herausforderung.“ So werde man ruhiger, und schon kann man viel mehr wahrnehmen. Vielleicht entdeckt man dabei ein paar Wildkräuter.

Jetzt ist etwa Bärlauchsaison. Etwas Vorsicht ist dabei geboten, weil man ihn mit Maiglöckchen verwechseln kann, sagt Falk. Also: Sich im Bestimmungsbuch die Unterschiede klar machen und dann noch an jedem Blatt riechen, wenn Knoblauchduft aufsteigt, liegt man richtig. „Wichtig ist auch: Nur so viel pflücken, wie man wirklich braucht“, betont Falk.

Abenteuer erleben in der Pandemie: Essen selbst sammeln - Das macht auch Kindern Spaß

Das eigene Essen sammeln macht auch Kindern Spaß. Für sie hat Falk, die viele Jahre in einem Waldkindergarten gearbeitet hat, noch weitere Tipps auf Lager. Zum Beispiel können die Eltern eine lange Schnur mit in den Wald nehmen. Den Kindern werden die Augen verbunden, während die Schnur an einen Baum gebunden und dann kreuz und quer durch die Gegend gespannt wird. Dann sollen sich die Kinder blind, mit der Schnur in der Hand, vorwärts tasten – über Stock und Stein steigen, über umgestürzte Bäume klettern, sich durch dichtes Gebüsch kämpfen.

„Das ist richtig spannend für sie“, sagt Falk. Ist ein Bach in der Nähe, kann man Schiffchen aus Baumrinde bauen und sie ins Wasser setzen. Oder man kann aus ein paar großen Stöcken eine Hütte bauen – oder aus kleinen Ästchen eine Mini-Hütte für Zwerge. „Eigentlich muss man nur rausgehen, sich irgendwo auf eine Picknickdecke setzen und die Kinder machen lassen. Denen fällt schon was ein“, sagt Falk lachend.

Mit Mikroabenteuer Jugendliche aus dem Haus bekommen

Und Jugendliche? Für sie muss natürlich etwas mehr Abenteuer her, das weiß auch Falk als Mutter zweier erwachsener Kinder. Mit ihnen kann man vielleicht doch draußen übernachten. Aber legal, auf dem Balkon oder im eigenen Garten, und: „Unter freiem Himmel.“ Falk empfiehlt bei kalten Nächten: eine Plane unterlegen, Isomatte drauf, sich in den Schlafsack kuscheln und noch eine Decke oben drüber breiten.

Dann friert man nachts nicht. Und man erlebt am nächsten Tag den Sonnenaufgang, samt Vogelkonzert. „Wir Menschen haben uns sehr entfernt von der Natur“, sagt Falk. „Doch in solchen Momenten merken wir: Wir sind ein Teil davon. Und das verändert etwas in uns.“

Die Zahl der Corona-Infizierten im Landkreis Starnberg steigt weiter jeden Tag an. Am Dienstag waren es 23 Neuinfektionen, weniger als in den Vorwochen. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Starnberg-Newsletter.

(Von Nina Praun)

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